17. Juli 2019

Eine Sportart im Wandel der Zeit

Deutscher Ringerbund feiert sein 100jähriges Bestehen

Großer Zusammenhalt

Viele Sportler schlossen sich nach deutsch-deutschen Vergleichen Vereinen der alten Bundesländer an. Auch bei Greizer Sportlern wurden solche Versuche unternommen, doch die Sektionsleitung war in der Lage, zusammen mit Greizer Unternehmern günstige Arbeitsbedingungen für die betreffenden Ringer zu schaffen.
Auch in der Wendezeit, als das sozialistische Sportsystem wie ein Kartenhaus zusammenbrach, erwiesen sich die Traditionen des Greizer Ringkampfsportes als stärker: Freunde des Ringkampfsportes in Betriebsleitungen und jungen Unternehmen unterstützten die Ringer, wo sie nur konnten. Das Ergebnis war: Als andere Mannschaften vor dem Zusammenbruch standen, errang Greiz erstmals wieder seit 1956 eine Medaille in der Mannschaftsmeisterschaft.

Im Juni, zwei Tage vor der Währungsunion, gelang den Greizer Ringern noch ein spektakulärer Erfolg. Greiz war Gastgeber des Vergleiches der Mannschaften aus der Bundesrepublik Deutschland und der noch existierenden DDR. Allerdings blieb der Zuschauerzuspruch relativ gering. Zwar waren Ringkampfanhänger sogar aus Oberbayern angereist, doch viele Greizer Ringkampffans wollten sich mit einer DDR- Mannschaft nicht mehr identifizieren.
Die Gäste aus der BRD, trainiert vom zweimaligen Weltmeister Adolf Seger, demonstrierten bundesligagestählte Trainingshärte, als einen Tag vor dem Kampf nach einem ausgiebigen Abendessen in der HO-Gaststätte „Goethepark“ noch weit nach Mitternacht in der Sportschule „Kurt Rödel“ trainiert wurde.
Die BRD-Mannschaft gewann gegen die ihren letzten Mannschaftskampf bestreitende DDR-Auswahl. So schloss sich ein weiterer Kreis, denn auch der erste Länderkampfgegner der DDR-Auswahl wurde vor vierzig Jahren in Greiz empfangen.

Waren bei den ersten Länderkämpfen der DDR-Auswahl immer Greizer Sportler auf der Matte, so war es im letzten Kampf nach langer Pause nicht anders: Jens Abisch (68 Kilogramm) vertrat die Greizer Farben.

Die alten SED-Funktionäre tauchten unter

Zum ersten Mal seit Bestehen des Deutschen Ringerverbandes in Ostdeutschland wurde im Sommer 1990 ein Verbandstag durchgeführt. Zum ersten Mal wurde aber nach demokratischen Grundsätzen verfahren und in freier Wahl ein Präsidium gewählt. Die Wahl des Präsidenten überraschte allerdings, denn nicht der favorisierte Präsident des sächsischen Landesverbandes, Gerhard Oertel (Karl-Marx- Stadt) gewann die Wahl, sondern sein mecklenburgischer Kontrahent, der ebenfalls aus dem Erzgebirge stammende Heinz Weinhold.
Viele der alten SED-Funktionäre, wie der letzte Generalsekretär Klaus-Ulrich Meinke, erschienen nicht mehr zum Verbandstag und wurden auch später bei Ringerveranstaltungen nicht mehr gesehen. Ein „Verlust“, der eigentlich niemandem auffiel.

Neue Variante

Die Wettkampfkommission des Verbandes hatte sich bemüht, eine Variante zur Durchführung der Mannschaftsmeisterschaft zu finden, die stark dem bundesdeutschen System angenähert war. In zwei Staffeln der höchsten Leistungsklasse sollte erstmals wieder in von Gewichtsklasse zu Gewichtsklasse wechselnder Stilart um die letzte Mannschaftsmeisterschaft Ostdeutschlands gerungen werden.

So wurde es erstmals seit der Trennung der Stilarten 1966 möglich, dass nahe beieinander beheimatete Mannschaften wieder in Meisterschaftsvergleichen aufeinandertrafen.
Die Greizer Mannschaft zum Beispiel war seit Mitte der sechziger Jahre nicht mehr auf die den klassischen Ringkampf bevorzugenden Mannschaften des Vogtlandes wie Pausa und Plauen getroffen.
Mit Werdau und Zwickau sah es ebenso aus. Auch die Mannschaften der Sportclubs wurden ebenfalls wieder zusammen mit den Mannschaften der Betriebssportgemeinschaften in eine Staffel eingeordnet.
Trotz der nun einsetzenden massiven Abwanderung einzelner Sportler zu westlichen Spitzenmannschaften,schienen vor allem die im Norden eingeordneten Staffeln der SG Dynamo Luckenwalde mit ihrem riesigen Potential an Wettkämpfen und der Armeesportclub Vorwärts Frankfurt/Oder sportlich in der Lage, mit den westdeutschen Spitzenmannschaften mitzuringen.

Doch zuerst einmal musste die ostdeutsche Meisterschaft bewältigt werden. In der Südstaffel trafen der Sportclub Leipzig, der SC Motor Jena, der SC Motor Zella-Mehlis auf Wismut Aue, Chemie Pausa und Rotation Greiz.
Nachdem der Sportclub Chemie Halle bereits keine Mannschaft mehr gestellt hatte, zog kurz vor Beginn der Wettkämpfe der Sportclub Motor Zella-Mehlis sein Team zurück, getreu dem jahrzehntelang praktizierten Motto der DDR- Sportführung: „Lieber nicht gestartet, als die Gefahr einzugehen zu verlieren“ (und bei Minister Ewald schlecht angeschrieben zu sein).
Schon in den letzten Jahren war der SC Motor Zella-Mehlis nicht mehr in der Lage, eine vollständige Mannschaft zu stellen. Nun kam in der Wendezeit das Aus, was nun noch mehr Sportler zum Anlass nahmen, in die alten Bundesländer abzuwandern.

Erwartungsgemäß bestimmten in beiden Staffeln der Ersten Verbandsliga, die Sportclubs, das sportliche Niveau. Im Norden wurde Luckenwalde vor dem ASK Frankfurt/Oder und den ehemaligen Betriebssportgemeinschaften Wernigerode, Hennigsdorf und Erfurt Staffelsieger.
In der Südstaffel blieb die Mannschaft des Sportclubs Leipzig, die bis kurz vor der Wende Clubsportler in beiden Stilarten ausgebildet hatte, ohne Niederlage. Der SC Motor Jena belegte den zweiten Platz.
Einen harten Kampf gab es um den dritten Platz in der Staffel, der gleichbedeutend mit der besten Plazierung einer ehemaligen BSG war, zwischen dem 22-fachen DDR-Meister der Oberliga im freien Ringkampf, dem FC Wismut Aue, und dem zweifachen DDR-Meister der fünfziger Jahre, dem RSV Rotation Greiz.
Noch zwei Jahre zuvor hatten die Greizer klar gegen die zweite Auer Mannschaft verloren. Nun zahlte sich die Greizer Personalpolitik ein weiteres Mal aus, während Wismut Aue auf seine zwei Spitzenringer Jens Laukner und Thomas Munkwitz verzichten musste, konnte sich Greiz unter anderem im klassischen Stil mit Jörg Enke verstärken, der bald durch seine attraktive Kampfweise zu einem der Publikumslieblinge wurde. So gelang den Greizern ein Heimsieg gegen Aue, es war der erste Sieg über diese Mannschaft überhaupt.

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