Eine Sportart im Wandel der Zeit

Deutscher Ringerbund feiert sein 100jähriges Bestehen

In der DDR-Liga (1962) – Gruppe vier – belegte Rotation Greiz hinter der zweiten Mannschaft des SC Motor Jena den zweiten Platz. Hans Weder wird DDR-Studentenmeister im Federgewicht. Fliegengewichtler Gerhard Lämmer wurde Zweiter beim internationalen Werner-Seelenbinder-Turnier in Leipzig in der Jugendklasse.
Die DDR-Jugendmeisterschaften des klassischen Stils im Jahr 1963 kamen in der Greizer Sportschule „Kurt Rödel“ zur Austragung. Der Greizer Fliegengewichtler Gerhard Lämmer belegte den ersten Platz. Die Mannschaft konnte in ihrer vorerst letzten DDR-Liga-Saison einen mittleren Tabellenplatz belegen. Im Herbst 1963 nahm der erfolgreichste Greizer Ringer Kurt Hoffmann kurz vor seinem 50. Geburtstag offiziell von seiner aktiven Laufbahn Abschied, was ihn aber nicht daran hindern sollte, auch noch einige Jahre später, wenn Not am
Mann war, seiner Mannschaft den Rücken zu stärken.
Kurt Hoffmann war mit neun DDR- Meistertiteln sowie sechs Medaillen bei Deutschen Meisterschaften zwischen 1940 und 1953 erfolgreich. Dabei muss man noch berücksichtigen, dass seine besten Ringkampfjahre durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges verhindert wurden. Kurt Hoffman hat als aktiver Ringer den Ruf der Stadt Greiz als Ringerhochburg in Deutschland mitbegründet. Als erster Ringer erhielt er 1954 die Auszeichnung „Meister des Sportes“.

Nicht so erfolgreich war er als Leiter der Betriebssportgemeinschaft Rotation Greiz. Der politisch stark engagierte, gelernte Elektriker brachte es zwar zu Ehrenämtern im Deutschen Ringerverband der DDR, die auch die nach dem Mauerbau so sehr begehrten Westreisen einschlossen, seine Ausstrahlungskraft auf die Sektion blieb aber blass.
Die Kluft zwischen BSG- Leitung und Greizer Ringkampfwirklichkeit wurde immer größer. Kurt Hoffmann ist ein typischen Beispiel dafür, dass ein erfolgreicher Sportler nicht unbedingt ein guter Manager werden muss.

Nach dem Rücktritt von Kurt Hoffmann wurde das Halbschwergewicht ab November 1963 von dem aus Jarmen (Mecklenburg) nach Greiz gezogenen Wilhelm Steinführer besetzt. Er hatte während eines Trainingslagers in Greiz seine Frau, eine Greizerin kennengelernt und zog nach der Heirat hierher. Er sollte später noch eine wichtige Rolle für den Greizer Ringkampfsport spielen. Ab September 1963 wurde die Oberliga und DDR-Liga ausgelost, und alle Mannschaften in Bezirksligen eingeordnet. Im Bezirk Gera waren das die erste und zweite Mannschaft des Sportklubs Motor Jena, Rotation Greiz, Chemie Pausa, Motor Süd Gera, Wismut Gera, Stahl Maxhütte und Stahl Eisenberg. In dieser Reihenfolge wurden auch die Plätze belegt. Nach einem speziellen Teilnehmerschlüssel wurden die erstplazierten Mannschaften der Bezirke in vier weitere Staffeln aufgeteilt, deren Sieger dann den DDR-Mannschaftsmeister ermittelten.

Da zweite Mannschaften keine Startberechtigung erhielten, vertrat Rotation Greiz 1964 neben dem SC Motor Jena I unseren Bezirk. Hier konnte Greiz allerdings nach je einem Sieg über Aktivist Holzweißig, Aktivist Zwickau und Motor Tambach Dietharz und Niederlagen gegen den SC Leipzig Motor Zella-Mehlis nur einen hinteren Platz belegen. Diese Art der Meisterschaftsführung brachte zwar die Spitzenmannschaften auch zu kleineren Betriebssportgemeinschaften und popularisierte so in gewisser Hinsicht das Ringen, aber die Leistungsunterschiede zwischen den professionell geführten Sportclubs und den Freizeitsportlern waren zu groß.

Greiz konnte 1965 die zweite Mannschaft des SC Motor Jena aus eigener Kraft in der Bezirksliga hinter sich lassen und belegte hinter der überragenden Mannschaft des SC Motor Jena den zweiten Platz. In der nächsten Runde warteten mit dem SC Leipzig und dem SC Motor Zella-Mehlis übermächtige Gegner auf die Rotationer, die von vornherein nicht zu schlagen waren. Leider zogen Chemie Leuna und Dynamo Erfurt ihre Mannschaften zurück. Im Kampf um den dritten Tabellenplatz wurde gegen Aktivist Oelsnitz knapp mit 3,5:4,5 verloren.

Bei der Bezirksspartakiade wurde stark abgeschnitten. Die Ringer erkämpften hinter den Schwimmern die zweitmeisten Punkte für den Kreis Greiz. Nach achtjähriger Tätigkeit legte Ernst Weder seine Funktion als Sektionsleiter nieder. Als sein Nachfolger wurde Rudi Thümmler gewählt.
Rudi Thümmler kam Anfang der 1940er Jahre zum Ringen. Schon als Jugendlicher stellten sich bei ihm die ersten Erfolge ein. Obwohl er während der fünfziger Jahre nicht zur Stammbesetzung der ersten Greizer Mannschaft gehörte, blieb er dem Ringkampf bis zu seinem Lebensende treu.
Kaum ein Funktionär des Greizer Sportes hat jemals so viele Aufgaben erfüllt. Rudi war jahrelang Jugendwart, Trainer, Kampfrichter, Kampfrichterobmann des Bezirkes Gera, Mitglied des Bezirksfachausschusses Ringen, und vor allem 25 Jahre lang Sektionsleiter der Greizer Ringer.
Ihm gebührt das Verdienst, auch in der schwierigsten Zeit für den Greizer Ringkampfsport, in den siebziger Jahren, wo erstmals seit Vereinsgründung keine Mannschaft mehr an Punktekämpfen teilnahm, die Fahne hochgehalten, und für den Fortbestand der Sektionen gesorgt zu haben. Man kann ohne Übertreibung sagen, ohne Rudi Thümmler gäbe es heute keine Bundesligakämpfe in Greiz.

Der bisherige Austragungsmodus zur Ermittlung des Mannschaftsmeisters hatte zwar viele Wettkämpfe gebracht, aber die Favoriten waren bei den meisten Wettkämpfen klar vorgezeichnet, ja, Klassenunterschiede traten zutage. Die meisten BSG Mannschaften waren nur „Kanonenfutter“ für die Sportclubstaffeln. So wurde aus den Sportklubs eine Staffel der Meisterklasse gebildet, die ihre Mannschaftsmeisterschaften unter sich austrugen. Vergleiche zwischen Clubmannschaften und Teams der Betriebssportgemeinschaften wurden so selten, wie Sportvergleiche zwischen schwarzen und weißen Sportlern in Südafrika zur Zeit der Apartheit-Politik. Diese Schranken wurden erst nach dem Fall der Mauer ab September 1990 aufgehoben, als erstmals wieder gemeinsam in der ersten Verbandsliga gerungen wurde.

Für die BSG-Mannschaften wurden die Oberligen und DDR- Ligen gegründet, die es getrennt nach Stilarten für den klassischen und freien Ringkampf gab. Darunter gab es die Gruppenligen, die den heutigen Landesligen entsprechen. Hier wurde anfangs noch abwechselnd im freien und klassichen Stil gerungen. Freier Ringkampf oder klassischer Stil – die Führung des Deutschen Ringerverbandes der DDR musste bei ihrem allmächtigem Herrn und Meister, dem Sportminister Manfred Ewald Erfolge vorweisen.

Als Mittel dazu sah man in den Chefetagen die Spezialisierung an. Bis dahin wurden in den Gemeinschaften und Clubs beide Stilarten nebeneinander betrieben. Einige Sportler hatten sich auf den klassischen Stil spezialisiert, einige auf den freien, andere betrieben beide Stilarten nebeneinander. Nun mussten sich Clubs und Gemeinschaften für eine Stilart entscheiden.

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