Eine Sportart im Wandel der Zeit

Deutscher Ringerbund feiert sein 100jähriges Bestehen

Farbe bekennen

Mehrmals wurde nun Anlauf zum Aufstieg in die DDR-Liga im freien Ringkampf genommen, aber jedesmal ohne Erfolg. Die Gegner waren einfach zu stark. Was waren die Ursachen? Der erfolgreiche Greizer Trainer Aladar Hepner hatte zwar die freie Stilart in Greiz eingeführt, hatte sein Traineramt bei der Männermannschaft aber nach einer Serie von Misserfolgen und Undiszipliniertheiten in der Mannschaft aufgegeben.

Wie heute so manche ehemalige Klassikermannschaften waren die Greizer zu dieser Zeit noch nicht in der Lage, sich selbst am Schopfe aus dem Sumpf zu ziehen. Es gab einfach keine Fortschritte im freien Stil. Zwar blieb Aladar Hepner bis 1976 im Trainingszentrum, was ab 1969 von staatlicher Seite finanziell honoriert wurde, um den Männerbereich kümmerte er sich aber nicht mehr. Und in Greiz gab es keinen Fachmann, der diese Aufgabe übernehmen konnte.

Auf der anderen Seite wurden schon Ende der sechziger Jahre, noch mehr in den siebziger und achtziger Jahren einzelne BSG- Mannschaften massiv unterstützt. Keine Spur davon in Greiz. Hier ging es noch sehr hausbacken zu. Es ist heute müßig, darüber zu diskutieren, ob der VEB Papierfabrik nun nicht helfen wollte oder nicht konnte. Jedenfalls waren die Greizer meilenweit von den guten Bedingungen der anderen Mannschaften entfernt. Der BSG- Vorsitzende und ehemalige Meisterringer Kurt Hoffmann spielte dabei keine positive Rolle. Bis kurz vor dem Aufstieg 1983, damals schon lange nicht mehr im Amt, wiederholte er nur: „Das kann sich die Papierfabrik nicht leisten.“ Unter solchen Bedingungen war der Niedergang nicht aufzuhalten. Der Tiefpunkt folgte auf dem Fuß. Erstmals seit Gründung des jetzigen Vereines 1931, konnte die BSG Rotation Greiz 1977 keine Mannschaft mehr für die Punktkämpfe stellen.

Nur der Initiative des Sektionsleiters Rudi Thümmler war es zu verdanken, dass in den nächsten Jahren der Ringkampf in Greiz überlebte und ihm ein Schicksal wie dem der Stadt Netzschkau erspart blieb. In den fünfziger Jahren noch erfolgreich in der Oberliga, ist in dieser Zeit keine Spur mehr vom traditionellen Ringkampf in der Stadt zu entdecken. Der langjährige Schwergewichtsringer Wilhelm Steinführer war es, der die Initiative zum Aufbau einer neuen Mannschaft in Greiz ergriff.

Aufwärtstrend in den achtziger Jahren

Wie die meisten Betriebssportgemeinschaften, ob nun ein Trainingszentrum angeschlossen war oder nicht, hatte die BSG Rotation Greiz den Auftrag, jedes Jahr möglichst viele 13-jährige junge Ringer zur Einschulung in die Kinder- und Jugendsportschule Jena vorzubereiten. Das war Auftrag der sozialistischen Staatsmacht. Was sonst noch geschah, interessierte niemanden beim Deutschen Turn- und Sportbund oder der allmächtigen SED-Kreisleitung.
Während in Greiz für den Männerbereich so gut wie keine Mittel zur Verfügung standen, hatten einige wenige BSG-Mannschaften, die bessere Beziehungen zu ihren örtlichen Parteileitungen pflegten, fast Sportclubbedingungen.

Die Greizer konnten zwar durch ihre Nachwuchsarbeit ab und zu sogar spektakuläre Erfolge erzielen, doch auch in der Nachwuchsarbeit blieb der Trainer des Trainingszentrumes, Axel Baumberger, allein auf weiter Flur. So blieben DDR-Meistertitel und DDR-Bestenermittlungssiege im Nachwuchsbereich, wie zum Beispiel von Olaf Schmidt und Michael Hepner und weitere gute Plazierungen bei zentralen Meisterschaften und Turnieren, bloßes Stückwerk. Eine kampfstarke Mannschaft konnte nicht geschaffen werden.

Als kaum noch jemand daran glaubte, dass sich der Greizer Ringkampfsport aus seiner Lethargie befreien würde, ergriff der ehemalige Schwergewichtsringer der Greizer Mannschaft, Wilhelm Steinführer die Initiative. Er begann eine neue Staffel aufzubauen. Zurückgekehrte Sportler vom Sportclub Motor Jena motivierte er zum Weitermachen, dazu brachte er noch einige Ringer aus anderen Vereinen, die in ihrer Heimatstadt keine Möglichkeit hatten, in einer Mannschaft zu starten, nach Greiz.

Im ersten Jahr, 1982, wurde in der Gruppenliga zwar der erste Platz belegt, die Aufstiegskämpfe zur DDR-Liga gingen aber in der Gesamtwertung gegen die BSG Empor Zöblitz noch daneben. Ab 1. September 1982 übernahm der für die BSG Wismut Aue in der Oberliga startende und in Mohlsdorf wohnende Erhard Schmelzer zweimal wöchentlich das Training in Greiz. Erfolge stellten sich bald ein. Bei der DDR-Bestenermittlung der Männer, diese Meisterschaften wurden von 1975 bis 1989 als DDR-Meisterschaften für BSG-Mannschaften durchgeführt, konnten die Greizer hinter den sieben Oberligamannschaften des freien Stiles den achten Platz im DDR-Maßstab erkämpfen. Alle Liga-Mannschaften konnten die Greizer hinter sich lassen.

Am 30. April 1983 war die aus der Oberliga abgestiegene Mannschaft des Mansfeldkombinates Eisleben erster Kontrahent um den Aufstieg zur DDR-Liga des Freien Ringkampfes. Im Vergleich in Eisleben unterlag Rotation knapp mit 18:21 Punkten. Eine Woche später, beim Rückkampf in Greiz, wurde der Gegner förmlich von der Matte gefegt. Die Greizer gewannen die unteren sieben Gewichtsklassen (davon sechs Schultersiege) und führten bereits mit 27,5:0,5. Trotz einer Resultatsverbesserung der Eislebener in den oberen Gewichtsklassen, kamen die Rotationer mit einem 27,5:11,5-Sieg klar in die zweite Runde, in der dann die BSG Empor Zöblitz der Gegner war. Bereits im Auswärtskampf im Erzgebirge konnten die Greizer mit einem 26:14-Sieg eine Vorentscheidung um den DDR-Liga- Aufstieg erzwingen.

Am 18. Juni 1983 zum Rückkampf glich die Jahnturnhalle einem Hexenkessel. Die wettkampfhungrigen Greizer Zuschauer kamen in Scharen, und feuerten ihre Mannschaft begeistert an, der Enthusiasmus und die Begeisterungsfähigkeit des Greizer Publikums sollten bald von jeder Gastmannschaft gefürchtet werden. Trotz eines 0:12-Rückstandes machte Rotation Greiz mit einem 23:16,5-Sieg alles klar und erkämpfte nach 17 Jahren der Unterklassigkeit und vielen vergeblichen Anläufen erstmals wieder die Angehörigkeit zur DDR-Liga.

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