17. Juli 2019

Eine Sportart im Wandel der Zeit

Deutscher Ringerbund feiert sein 100jähriges Bestehen

Nach Jahren der Stagnation begann ein Jahrzehnt des Aufstieges für den Greizer Ringkampfspott Folgende Sportfreunde erkämpften den Aufstieg in die DDR-Liga 1983 und kämpften auch in ersten DDR-Liga-Jahr: Bacher, Mühlbauer, Böttger, Knopfe, Matzat, Schneider, Schüler, Kraut, Geißler, Läster und Gräfe, Sektionsleiter war Thümmler und Mannschaftsleiter Steinführer.

Im Oktober 1983 stand dann, nach langer Zeit, der erste DDRLiga-Punktkampf an. Bei IMO Merseburg konnte mit 23:16 gewonnen werden.
Am 22. Oktober wurde der erste Heimkampf in der Jahnturnhalle ausgetragen. Was sich schon bei den Aufstiegskämpfen abgezeichnet hatte, bestätigte sich in noch viel stärkeren Gewichtsklasse 62 Kilogramm ein sehr guter zweiter Platz erkämpft. Siegfried Bacher – 100 Kilogramm – unterlag knapp im Kampf um Platz drei und wurde Vierter.
Jens Müller 74 Kilogramm wurde Sechster. Damit belegte Rotation Greiz in der Mannschaftswertung wiederum den achten Platz im Republikmaßstab.

Das, was als Abenteuer begann, konnte durch fleißige Arbeit Jahr für Jahr untermauert werden. Greiz etablierte sich in der DDR- Liga, und wurde bald nicht mehr als Abstiegskandidat gehandelt. Grundlage dafür war die gute Jugendarbeit.

Mit dem ehemaligen Spartakiadesieger Andreas Mattern übernahm einer der engagiertesten Trainer der DDR die Arbeit im Trainingszentrum. Erfolge stellten sich auch hier bald ein. Platz um Platz konnte man sich bei Bezirksspartakiaden und anderen Wettkämpfen in der Mannschaftswertung nach vorn schieben, bevor man dann kurz vor der Wende wieder an der Spitze mitringen konnte.

Aber nicht nur die Kinder bis zum 13. Lebensjahr, wie es das sozialistische Sportsystem vorsah, wurden gefördert, auch ältere Jugendliche wurden weiter betreut und systematisch an höhere Aufgaben herangeführt. So konnte ab der Saison 1985/85 eine zweite Männermannschaft ins Leben gerufen werden, die als eine der wenigen Reservemannschaften auf dem Gebiet der ehemaligen DDR die Wende überlebt hatte. In ihr
werden hauptsächlich Nachwuchsringer eingesetzt.

Als einzige Freistilmannschaft der DDR starteten die Greizer Jugendringer Ende der 80er Jahre in der Jugendliga des klassischen Ringkampfes. Unter der fachlichen Anleitung von Hans-Peter Zipfel, in seiner Jugend selbst Medaillengewinner bei DDR-Meisterschaften im klassischen Ringkampf, wurde zuerst der dritte, dann der zweite, und im letzten Jahr ihres Bestehens, kurz vor der Wende, der erste Platz belegt.
Das gute Abschneiden der Greizer Ringer der Jahren in beiden Stilarten ist auch auf diese Wettkämpfe im Klassischen Stil zurückzuführen.
Auch die so lange vermissten Wettkämpfe auf internationaler Ebene wurden wieder eingeführt.
Nach Wettkämpfen mit Mannschaften aus Polen, waren es ab Mitte der 80er Jahre die Vergleiche mit den Ungarischen Sportfreunden aus Kecskemet,. die für volle Hallen sorgten.

Die Greizer Bevölkerung hat als Bewohner der ehemaligen Ringerhochburg eine besondere Beziehung zum Ringkampfsport. Kamen die Greizer früher im wahrsten Sinne des Wortes zu Tausenden, um ihre Mannschaft Anfang der fünfziger Jahre im Klassischen Stil siegen zu sehen, jubelte man nun den Freistilringern zu. Bereits im ersten Jahr der DDR-Liga hatten die Greizer Ringer mehr Zuschauer, als manch „alteingesessene“ Oberligamannschaft.

Großartig vom Publikum unterstützt, konnte der erste Heimkampf gegen den Oberligaabsteiger, die bestens vom Trägerbetrieb VEB Robotron unterstützte BSG Robotron Sömmerda, mit 21,5:17,5-Punkten besiegt werden.
Am Ende der ersten DDR-Liga-Saison belegte Rotation Greiz nach weiteren Siegen über Wismut Aue II, IMO Merseburg, ZWK Nebra und einem Remis gegen Chemie Leuna mit 11:13 Punkten den vierten Tabellenplatz, punktgleich mit dem Oberliga-Absteiger und Wiederaufsteiger Robotron Sömmerda.

Die Abschlusstabelle der DDR-Liga-Saison 1983/84 im Freien Ringkampf zeigt folgende Platzierung:

1. BSG Wismut Aue II – 22:2 Punkte;
2. BSG Robotron Sömmerda – 11:13 (Aufsteiger);
3. BSG ZWK Nebra – 11:13;
4. BSG Rotation Greiz – 11:13;
5. BSG IMO Merseburg – 10:14;
6. Motor Warnowerft II – 10:14
7. BSG Chemie Leuna – 9:15 (Absteiger).

Dieser Abschlussstand beweist, nur eine Niederlage mehr hätte die Greizer in akute Abstiegsgefahr gebracht. Schon ein Punkt mehr hätte aber den Aufstieg in die Oberliga bedeutet. Eine Leistungsklasse, für die die Greizer weder reif genug waren, noch die nötige Unterstützung bekamen, denn auch nach dem ersten erfolgreichen DDR-Liga-Jahr änderte sich für die Greizer Ringer wenig in Sachen Unterstützung.
Aus der erfolgreichen Greizer Mannschaft stachen die Sportfreunde Harald Gräfe, Jörg Knopfe und Ronny Schneider besonders hervor, sie brachten das Kunststück fertig, alle ihre Punktkämpfe zu gewinnen.

Genauso erfolgreich wie im Jahr zuvor, wurde bei der DDR-Bestenermittlung 1984, diesmal in Warnemünde abgeschnitten.

Unbemerkt von breiten Teilen der Bevölkerung, begann bereits vor der politischen Wende 1989 in der DDR, die Krise im Leistungssport. Die Gelder für die ausgedehnten Trainingslager der DDR- Spitze in ausländischen Höhentrainingslagern, und für ausgedehnte Wettkampfreisen wurden natürlich zuerst bei den kleineren, nicht so medaillenträchtigen Sportverbänden, wie den Ringern gestrichen. Leistungsprobleme waren die Folge.

So erfuhr der Exweltmeister Hartmut Reich erst auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld, dass er nicht für das Höhentrainingslager in Bulgarien, und damit auch nicht mehr für die olympischen Spiele in Seoul 1988 vorgesehen war. Noch stolz mit dem Mannschaftsbus des SC Motor Jena angereist, musste er seine Koffer zum nahegelegenen Bahnhof schleppen, um dann später in der Nacht seiner Frau mitteilen zu können: „Meine internationale Laufbahn ist beendet.“

Da also das Geld fehlte, wurde versucht, nach über 20 Jahren BSG-Sportler wieder in das Wettkampfsystem des Ringerverbandes zu integrieren. Selbst DRV-Generalsekretär, Genosse Meincke, ließ sich herab, an Beratungen der Wettkampfkommission teilzunehmen, um die Vertreter der BSG-Mannschaften zu bewegen, in Mannschaftskämpfen gegen seine Sportclubs anzutreten.

Doch die Vertreter der BSG lehnten ab, als Freizeitsportler gegen Ringer anzutreten, deren einzige Tätigkeit darin bestand, sich auf Wettkämpfe vorzubereiten. Alle Vorschläge der BSG-Leitungen zur Reformierung des Wettkampfsystemes wurden vom obersten Ringerchef der DDR abgelehnt, der sich seine „fachspezifische“ Ausbildung als Mitarbeiter einer SED-Bezirksleitung holte. Auf die Beantwortung des Greizer Vorschlages, die zum Club delegierten Sportler in die Jugendmannschaften der Vereine einzusetzen, wartet man heute noch. Am Ende brachte man nach langen Diskussionen eine neue Variante im BSG-Sport heraus.

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