29. Juli 2021

RSV Rotation Greiz – 1931-2001

70 Jahre RSV Rotation Greiz
v.l.n.r.: Semper, Höppner, Hoffmann, Gebhardt, Neuparth, Schneider, 0. Martens, Ditscherlein, K. Martens

In eigener Sache

Eine Geschichte des Ringkampfsportes in Greiz, wenn auch nur in kurzer Form zu schreiben, ist nicht einfach. Seit mehr als 100 Jahren wird in Greiz gerungen. Allerdings wechselten sich vor 1931 mehrere Vereine ab mit dem Ziel, Kraftsport zu betreiben. Von diesen Vereinen sind praktisch keine Unterlagen mehr vorhanden. Die jeweiligen Nachfolgevereine hatten auch kein Interesse, die Erfolge ihrer VorgĂ€nger der Nachwelt zu erhalten. Mit der GrĂŒndung des jetzt unter dem Namen RSV Rotation Greiz firmierten Vereins Ă€nderte sich das.

Doch nicht einmal acht Jahre nach der VereinsgrĂŒndung brach der Zweite Weltkrieg aus mit all seinen verheerenden Folgen fĂŒr die Menschen. Obwohl an geregeltes Sporttreiben nicht mehr zu denken war, fanden 1944 noch deutsche Meisterschaften (Freistil) statt. Neben den vielen Toten, die der Verein zu beklagen hatte, wurden auch Teile des Vereinsarchives durch einen Bombenangriff in der Weberstraße 30 (Wohnung des Ringerchefs Rudi Gebhardt) vernichtet. Weitere Unterlagen wurden in der Jahnturnhalle gelagert. Als nach dem Einzug der sowjetischen Besatzungstruppen dort ein Lazarett eingerichtet wurde, fanden die Papiere als Heizmaterial Verwendung.
Nicht alle VorgĂ€nge sind also lĂŒckenlos belegt, mancher verdienstvolle Sportler wird nicht erwĂ€hnt werden (vielleicht auch aus spĂ€teren Jahren), weil er schlicht und einfach in Vergessenheit geraten ist, oder weil der Platz in dieser BroschĂŒre nicht ausreicht.

70 Jahre RSV Rotation Greiz
v.l.n.r.: K. Martens, Schneider, Neuparth, Gebhardt, Ehr. Roth, Semper, Ew. Roth
.l.n.r.: K. Martens, Schneider, Neuparth, Gebhardt, Ehr. Roth, Semper, Ew. Roth[/caption]

Die AnfÀnge des Ringens in Greiz

Der alles beherrschende Sport in Deutschland des 19. Jahrhunderts war das Turnen. Alle anderen Sportarten fĂŒhrten dagegen ein Schattendasein, entwickelten sich aber im Umfeld des Turnens. So war auch die erste Ringkampfveranstaltung, bei der nachweislich ein Greizer Sportler auftrat, eingebunden in einen Turnwettbewerb. Am 14. September 1885 fand das 11. OsterlĂ€ndische Gauturnfest in Schmölln statt. Als Rahmenveranstaltungen wurden auch leichtathletische LĂ€ufe und ein Wettringen durchgefĂŒhrt. Sieger beim Ringen wurde C. H. Gerold vom Turnklub Greiz, der somit als erster Greizer Sieger beim Ringkampf in die Analen eingeht.

Am 18. und 19. April 1891 trat der zu dieser Zeit schon fast ein Jahrzehnt weltweit bekannte Athlet und RingkĂ€mpfer Carl Abs im Greizer Tivoli auf. Der mecklenburgische Zimmermann, 1851 geboren, trat als Ringer und Stemmer auf und reiste dabei durch Europa, die USA und Kanada. Abs wurde 1884 der erste deutsche Professional-Weltmeister, als er den Amerikaner William Muldoon in New York besiegte. Fachleute sind sich heute einig, ohne Abs, der den Kraftsport in Deutschland in breiten Kreisen der Bevölkerung popularisierte (vergleichbar der Tenniswelle durch die Erfolge von Boris Becker), wĂ€re der Deutsche Athleten- Verband 1891 nicht gegrĂŒndet worden. Schon ein Jahr spĂ€ter, genau am 10. September 1892, reichte der Greizer BĂ€ckermeister Franz Golla, wohnhaft in der Unteren Silberstraße 2, an die fĂŒrstliche Landesregierung die Bitte um Genehmigung des Vereines „I. Greizer Athletenclub“ ein.
Auch ĂŒber den Werdegang des Vereines liegt das Dunkel der Geschichte, die Genehmigung fĂŒr öffentliche Auftritte wurde jedenfalls erteilt. Übrigens mußte jeder, der aufgenommen werden wollte, das 18. Lebensjahr ĂŒberschritten haben.

Bekanntestes Mitglied des Vereins vor der Jahrhundertwende war Franz Linke. Er gewann WettkĂ€mpfe im Ringen, z. B. im August 1896 in Werdau, einen Wettlauf von KĂŒnzel’s Lokal (Lehmgrube) bis zur SchlötenmĂŒhle, kĂ€mpfte aber auch gegen Zirkusathleten. So besiegte er im Oktober 1895 einen Herrn Esser vom Zirkus Immans und erhielt dafĂŒr einen Preis von 100 Mark, zu der Zeit ein fĂŒrstlicher Lohn. Linke muss wohl ein großes Talent gewesen sein. So setzte er selbst PrĂ€mien bis zu 100 Mark aus fĂŒr denjenigen, der ihn besiegen wĂŒrde. So geschehen z. B. am 18. Januar 1897 im „Gasthof zum Wolfen“ in Langenwetzendorf.

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