26. Februar 2021

RSV Rotation Greiz – 1931-2001

70 Jahre RSV Rotation Greiz
v.l.n.r.: Semper, Höppner, Hoffmann, Gebhardt, Neuparth, Schneider, 0. Martens, Ditscherlein, K. Martens

In eigener Sache

Eine Geschichte des Ringkampfsportes in Greiz, wenn auch nur in kurzer Form zu schreiben, ist nicht einfach. Seit mehr als 100 Jahren wird in Greiz gerungen. Allerdings wechselten sich vor 1931 mehrere Vereine ab mit dem Ziel, Kraftsport zu betreiben. Von diesen Vereinen sind praktisch keine Unterlagen mehr vorhanden. Die jeweiligen Nachfolgevereine hatten auch kein Interesse, die Erfolge ihrer Vorg√§nger der Nachwelt zu erhalten. Mit der Gr√ľndung des jetzt unter dem Namen RSV Rotation Greiz firmierten Vereins √§nderte sich das.

Doch nicht einmal acht Jahre nach der Vereinsgr√ľndung brach der Zweite Weltkrieg aus mit all seinen verheerenden Folgen f√ľr die Menschen. Obwohl an geregeltes Sporttreiben nicht mehr zu denken war, fanden 1944 noch deutsche Meisterschaften (Freistil) statt. Neben den vielen Toten, die der Verein zu beklagen hatte, wurden auch Teile des Vereinsarchives durch einen Bombenangriff in der Weberstra√üe 30 (Wohnung des Ringerchefs Rudi Gebhardt) vernichtet. Weitere Unterlagen wurden in der Jahnturnhalle gelagert. Als nach dem Einzug der sowjetischen Besatzungstruppen dort ein Lazarett eingerichtet wurde, fanden die Papiere als Heizmaterial Verwendung.
Nicht alle Vorg√§nge sind also l√ľckenlos belegt, mancher verdienstvolle Sportler wird nicht erw√§hnt werden (vielleicht auch aus sp√§teren Jahren), weil er schlicht und einfach in Vergessenheit geraten ist, oder weil der Platz in dieser Brosch√ľre nicht ausreicht.

70 Jahre RSV Rotation Greiz
v.l.n.r.: K. Martens, Schneider, Neuparth, Gebhardt, Ehr. Roth, Semper, Ew. Roth
.l.n.r.: K. Martens, Schneider, Neuparth, Gebhardt, Ehr. Roth, Semper, Ew. Roth[/caption]

Die Anfänge des Ringens in Greiz

Der alles beherrschende Sport in Deutschland des 19. Jahrhunderts war das Turnen. Alle anderen Sportarten f√ľhrten dagegen ein Schattendasein, entwickelten sich aber im Umfeld des Turnens. So war auch die erste Ringkampfveranstaltung, bei der nachweislich ein Greizer Sportler auftrat, eingebunden in einen Turnwettbewerb. Am 14. September 1885 fand das 11. Osterl√§ndische Gauturnfest in Schm√∂lln statt. Als Rahmenveranstaltungen wurden auch leichtathletische L√§ufe und ein Wettringen durchgef√ľhrt. Sieger beim Ringen wurde C. H. Gerold vom Turnklub Greiz, der somit als erster Greizer Sieger beim Ringkampf in die Analen eingeht.

Am 18. und 19. April 1891 trat der zu dieser Zeit schon fast ein Jahrzehnt weltweit bekannte Athlet und Ringk√§mpfer Carl Abs im Greizer Tivoli auf. Der mecklenburgische Zimmermann, 1851 geboren, trat als Ringer und Stemmer auf und reiste dabei durch Europa, die USA und Kanada. Abs wurde 1884 der erste deutsche Professional-Weltmeister, als er den Amerikaner William Muldoon in New York besiegte. Fachleute sind sich heute einig, ohne Abs, der den Kraftsport in Deutschland in breiten Kreisen der Bev√∂lkerung popularisierte (vergleichbar der Tenniswelle durch die Erfolge von Boris Becker), w√§re der Deutsche Athleten- Verband 1891 nicht gegr√ľndet worden. Schon ein Jahr sp√§ter, genau am 10. September 1892, reichte der Greizer B√§ckermeister Franz Golla, wohnhaft in der Unteren Silberstra√üe 2, an die f√ľrstliche Landesregierung die Bitte um Genehmigung des Vereines ‚ÄěI. Greizer Athletenclub“ ein.
Auch √ľber den Werdegang des Vereines liegt das Dunkel der Geschichte, die Genehmigung f√ľr √∂ffentliche Auftritte wurde jedenfalls erteilt. √úbrigens mu√üte jeder, der aufgenommen werden wollte, das 18. Lebensjahr √ľberschritten haben.

Bekanntestes Mitglied des Vereins vor der Jahrhundertwende war Franz Linke. Er gewann Wettk√§mpfe im Ringen, z. B. im August 1896 in Werdau, einen Wettlauf von K√ľnzel’s Lokal (Lehmgrube) bis zur Schl√∂tenm√ľhle, k√§mpfte aber auch gegen Zirkusathleten. So besiegte er im Oktober 1895 einen Herrn Esser vom Zirkus Immans und erhielt daf√ľr einen Preis von 100 Mark, zu der Zeit ein f√ľrstlicher Lohn. Linke muss wohl ein gro√ües Talent gewesen sein. So setzte er selbst Pr√§mien bis zu 100 Mark aus f√ľr denjenigen, der ihn besiegen w√ľrde. So geschehen z. B. am 18. Januar 1897 im ‚ÄěGasthof zum Wolfen“ in Langenwetzendorf.

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