Eine Sportart im Wandel der Zeit

Deutscher Ringerbund feiert sein 100jähriges Bestehen

Großer Aderlass

Was war geschehen? Die Sportvereinigung Fortschritt war bei der Zentralisierung des Sportes in der DDR zu kurz gekommen und suchte noch einen geeigneten Standort. Greiz, die „Perle des Vogtlandes“, mit guten Ringern, Turnern und Fußballern konnte die Lösung sein. Liesenfeld nahm mit den Fortschrittlern Verhandlungen auf, die aber von der BSG-Leitung hintertrieben wurden und nicht zum Erfolg führten. Die SV Fortschritt ließ sich schließlich in Weißenfels nieder.
Sportleiter Liesenfeld bekam bald die Quittung für seine Aktivitäten. Die zentrale Leitung der Sportvereinigung Rotation lehnte seine Wiederwahl als Abteilungsleiter der Ringer in Greiz ab. Ihm wurde verwehrt, sich der Wiederwahl zu stellen. So einfach war die „sozialistische“ Demokratie.
Wieder war ein unersetzbarer Funktionär aus politischen Gründen kaltgestellt. Der Aderlass ging aber noch weiter. Viele Sportler gingen in den Westen. Schon damals erhielten die besten von ihnen lukrative Angebote. Und in Greiz gab es nun einmal viele gute Ringer. Aber auch Funktionäre wie Kurt Ditscherlein, Vereinsmitgründer 1931, zog es in den Westen. Die Politisierung des Ringkampfes in Greiz war sicher ein Grund dafür.
Ab 1956 setzten dann die „Delegierungen“ ein. Die besten Sportler wurden zuerst zum Sportklub Rotation Leipzig, der bald in den SC Leipzig umgewandelt wurde geschickt, später war der Sportclub Motor Jena Ziel der jugendlichen Ringkämpfer. Zirka 40 Nachwuchskämpfer gingen dadurch dem Greizer Ringkampf verloren, die meisten rangen nie wieder für ihre Heimatstadt.
Die nächsten Jahre seien nur kurz skizziert. 1956: Die verstärkte Greizer Mannschaft besiegt die dänischen Gäste von HIF Husum mit 5:3 Punkten. 1957 bestritt man zwei internationale Freudschaftsvergleiche. Der gegen Sparta Malmö (Schweden) ging mit 3:5 verloren, gegen Tatran Teplice (CSSR) wurde mit 6:2 gewonnen. Letzterer fand vor 3000 Zuschauern als Freiluftveranstaltung beim Parkfest in Auerbachtal statt.
Ein herber Verlust für die Greizer war die Abmeldung von Bruno Finzel, der bis zum September 1957 den Greizern die Treue hielt und erst dann dem Drängen des Verbandes nachgab. Er startete für den Rest seiner Laufbahn für seine Heimatstadt Leipzig.
In der Oberliga Gruppe A wurde nur der vorletzte Platz belegt. Die große Zeit der Greizer Ringer näherte sich vorerst ihrem Ende.

Abstieg des Greizer Ringkampfsports

Durch die Reduzierung der Oberliga im Jahr 1958 auf eine Gruppe mit sechs Mannschaften, mussten im Mai Auf- und Abstiegskämpfe um den Klassenerhalt der Oberliga durchgeführt werden. Die Wettkämpfe wurden in Dessau augetragen und Greiz ging gegen Traktor Viernau und Chemie Bitterfeld ungeschlagen als Sieger hervor. Die Zugehörigkeit zur Oberliga konnte damit noch einmal gesichert werden. Auch internationale Vergleiche standen wieder auf dem Programm. Allerdings konnte in beiden Vergleichen, die in Berga und Greiz ausgetragen wurden, gegen eine Auswahl des Bezirkes Wroclaw (Polen) kein Sieg errungen werden. Fliegengewichtler Bernd Weder wird in den Olympiakader für Rom 1960 aufgenommen.

Doch auch Negatives gibt es zu berichten. Im Jahre 1957 wurde das Kinderringen zugelassen, doch noch immer konnte in Greiz kein Kindertrainer gewonnen werden. Auch weniger Mannschaftskämpfe als früher wurden durchgeführt. Im Jahr 1959 war es dann soweit. Der Abstieg aus der Oberliga konnte nicht mehr abgewendet werden. Der Zentralismus der DDR- Sportführung hat zugeschlagen. Die Oberligastaffel bestand nur noch aus vier Mannschaften (DDR-Mannschaftsmeister Sportclub Motor Suhl/ZellaMehlis; Sportclub Chemie Halle; die gut unterstützte BSG Motor Artern sowie die BSG Rotation Greiz).

Es wurde ein Kampf David gegen Goliath. Die unter ganz anderen Bedingungen trainierenden Sportclubmannschaften waren nicht zu schlagen, selbst Artern war stärker. Greiz, seit dem zweiten Weltkrieg in der obersten Leistungsklasse, musste absteigen. Doch noch immer registrierte man mehr Begeisterung in Greiz, als bei den künstlich geschaffenen Clubteams, mit denen sich kaum einer identifizierte.

In Halle verloren sich 65 Zuschauer, während in Greiz 400 Fans die Niederlage gegen den alten Rivalen Zella-Mehlis miterlebten.

Auf organisatorischem Gebiet jedoch zeichnete sich Greiz noch immer aus. In der Sportschule wurde das bislang größte internationale Ringerturnier der DDR ausgetragen. Vertreter von sechs Nationen (Norwegen, Schweden, Dänemark, Österreich, Frankreich und beiden Teilen Deutschlands) waren bei dieser Freiluftveranstaltung am Start. Viele sahen sich später bei den Olympischer Spielen in Rom wieder. 2000 Zuschauer waren in der Sportschule „Kurt Rödel“ Zeuge der Wettkämpfe.

Bei den Jugendmeisterschaften gewann Bernd Schott die Meistertitel im freien, wie auch im klassischen Stil. Auch beim Werner-Seelenbinder-Turnier wurde er von 41 Teilnehmern Sieger. In der gleichen Gewichtsklasse belegte Bernd Weder den dritten Rang. Die größte Zuschauerkulisse haben die Greizer Ringer am 27. Juni 1959, als anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt Greiz 3000 Zuschauer die Gäste vom oberfränkischen Ring- und Stemmklub Rehau begrüßten.
Gerungen wurde auf einer Holztribüne, auf dem damaligen Karl-Marx-Platz.

Drei Länderkämpfe trägt die DDR-Auswahl 1960 in Greiz aus. Gegen Bulgarien und Rumänien verlor man, Schweden wurde besiegt. Zum ersten Mal rangen die Greizer Sportler in der DDR-Liga und kamen hinter Dynamo Dresden und der zweiten Mannschaft des SC Motor Jena auf Platz drei. In Irchwitz wurde 1961 eine Schulsportgemeinschaft mit einer Sektion Ringen gegründet, aus der in der Zukunft noch eine ganze Reihe erfolgreicher Ringer hervorkommen sollte.

In der DDR-Liga wurde Greiz Staffelsieger. Um in die Oberliga aufsteigen zu können, musste man sich gegen die BSG Aktivist Borna durchsetzen. In Borna wurde unentschieden gerungen, im Rückkampf in Greiz unterlag man 7:9 und schied aus. Erstmals wurde auch bei den Bezirksmeisterschaften kein erster Platz errungen. Vor allem auf organisatorischem Gebiet gab es Probleme. Hier mussten, da sich andere Sportfreunde nicht beteiligten, alle anfallenden Arbeiten von zwei Sportfreunden bewältigt werden. Dies waren Ernst Weder und Rudi Thümm1er. Trotzdem wird noch ein Länderkampf in Greiz organisiert, den die estnische Sowjetrepublik klar gewinnt.

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