17. Juli 2019

Eine Sportart im Wandel der Zeit

Deutscher Ringerbund feiert sein 100jähriges Bestehen

Tiefpunkt – Greiz hatte keine Staffel mehr

In Deutschland wurde speziell der klassische Stil betrieben, in der alten Ringerhochburg Greiz war es nicht anders. Die großen Erfolge der fünfziger Jahre wurden im griechisch-römischen Stil erzielt. Nun stand die Spezialisierung bevor. Was tun? Im Sommer 1963 kam der Ex-Greizer Aladar Hepner wieder in seine Heimatstadt zurück. Als Jugendlicher war er zum Sportclub Leipzig delegiert worden. Dort wurde er DDR-Fliegengewichtsmeister. Der SC Leipzig zählte in dieser Zeit zu den stärksten Freistilclubs der DDR. Der Greizer wurde in der Mannschaft zu einem hochklassigen Freistilringer ausgebildet. Nun in seine Heimatstadt zurückgekehrt, übernahm er von Otto Arndt das Traineramt der ersten Mannschaft. Eine Hinwendung zur freien Stilart zeichnete sich ab.

Ohne Erfolg

Aber noch kämpfte die Gruppenliga im gemischten Stil weiter. Greiz qualifizierte sich für die Aufstiegskämpfe zur DDR- Liga und musste Farbe bekennen. Man war für die Freistilstaffel eingeteilt worden und zog deshalb seine Mannschaft zurück.
Noch hatten die Anhänger der klassischen Stilart das Sagen im Verein. In der „Schwerathletik“, dem Mitteilungsblatt des Deutschen Ringerverbandes, las sich das in der Ausgabe August 1966 so: „Punktkämpfe der Bezirksliga Gruppe VII abgeschlossen: Nachdem die Mannschaft der BSG Chemie Pausa schon als Meister der Bezirksliga feststand, hat sich wie erwartet die BSG Rotation Greiz noch am letzten Kampftag vor dem SC Motor Jena II und dem SC Motor Zella-Mehlis II den zweiten Platz gesichert. Somit werden die BSG Chemie Pausa an den Aufstiegskämpfen zur DDR- Liga im klassischen Ringkampf teilnehmen, der SC Motor Jena II an den Aufstiegskämpfen im freien Ringkampf. Die BSG Rotation Greiz hat ihre Mannschaft für die Aufstiegskämpfe zurückgezogen, da in der Greizer Mannschaft der größte Teil der Sportler den klassischen Ringkampf bevorzugen.“

Die BSG-Leitung hatte die Mannschaft von der Aufstiegsrunde zurückgezogen, ohne ihre Sportler zu informieren. Die Mannschaft erfuhr erst aus der Fachpresse, dass sie nicht an den Aufstiegskämpfen teilnehmen darf. Dass der größte Teil der Greizer Sportler den klassischen Ringkampf bevorzuge, war nur die halbe Wahrheit. BSG-Leiter Kurt Hoffmann hatte schon oft gesagt: „Die Papierfabrik kann sich eine Mannschaft in der DDR-Liga nicht leisten.“

Missmutig

Ab 1969 wurde auch die Gruppenliga in verschiedene Stilarten geteilt. Von dieser Zeit, bis zur Bildung der ersten Verbandsliga nach der politischen Wende im September 1990, starteten die Greizer Ringer nun im freien Ringkampf. Viele ältere Greizer Sportler, die in ihrer Jugend hauptsächlich dem griechisch-römischen Ringkampf huldigten, hatten missmutig noch in Kauf genommen, in wechselnden Stilarten zu ringen. Als nun nur noch der freie Stil auf dem Programm stand, war das für sie ein Grund, die Ringerschuhe an den Nagel zu hängen.

Es gab gute Nachwuchsarbeit im Verein, Ulrich Beims wurde 1966 DDR-Jugendmeister und Dritter im gleichen Jahr bei der ersten Kinder- und Jugendspartakiade. Zwei Jahre später qualifizierten sich schon sieben Sportler für die zweite Spartakiade in Berlin. Fünf davon plazierten sich unter den ersten sechs. 1969 wurde das Trainingszentrum Ringen aus der Taufe gehoben. Als Übungsleiter waren Aladar Hepner und Herbert Tellbach tätig. Bald stellten sich bei Bezirks- und DDR-Spartakiaden weitere Erfolge ein. Größter Erfolg in dieser Hinsicht war die vierte DDR- Spartakiade in Berlin 1972, als Greiz 18 Kämpfer in der DDR- Hauptstadt an den Start brachte, die mit 25 Punkten den dritten Platz in der BSG-Wertung erkämpften. Der heutige Trainer des Bundesligateams, Andreas Mattern, gewann als erfolgreichster Teilnehmer eine Goldmedaille.

Im gleichen Jahr siegten die Männer zum zweiten Mal hintereinander in der Gruppenliga, scheiterten aber zum wiederholten Mal an IMO Merseburg in der Aufstiegsrunde. Seit zwei Jahren konnte Gera keine volle Mannschaft mehr für die Punktkämpfe stellen, so verstärkten drei Geraer Sportler (Roland Brückner, Roland Schnegaß und Paul Dinter) die Greizer. Die Rotationsstaffel gewann durch die Zugänge ungemein an Kampfkraft, DDR-Juniorenmeister Roland Schneegaß, in allen Wettkämpfen Sieger, wurde durch seine schnellkräftige und offensive Kampfweise zum Publikumsliebling. Trotz der Steigerung der Mannschaft in dieser Zeit, scheiterte man zweimal gegen IMO Merseburg in der Aufstiegsrunde. Merseburg besaß damals eine sehr starke Mannschaft mit vier, fünf ehemaligen Nationalkadern. Nach dem Aufstieg wurde von Merseburg der erste Platz in der DDR- Liga und ein Jahr später ein vorderer Platz in der Oberliga erkämpft.

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