RSV Rotation Greiz: Spitzenreiter von der Matte gefegt

2.Bundesliga Nord: AVG Markneukirchen gegen RSV Rotation Greiz endet 6:22
Der für Greiz kämpfende polnische Meister Sebastian Jezierzanski (blaues Trikot) bezwang Lukasz Dublinowski mit 10:0 Punkten.

AV Germania Markneukirchen verliert gegen den RSV Rotation Greiz mit 6:22

MARKNEUKIRCHEN/GREIZ. Aus dem traditionellen Vogtlandderby in Markneukirchen wurde nach dem sonnabendlichen Greizer Sieg über Lübtheen ein Kampf um die Tabellenspitze.
Aus Greizer Sicht rechnete man mit einem knappen Sieg. Doch was dann am Sonntagabend in der engen Markneukirchner Halle mit der kleinen Matte geschah, ist mit Worten kaum zu beschreiben.
Der Spitzenreiter gewann gerade einmal zwei der zehn Kämpfe und wurde – in bester Aufstellung – beim Greizer 6:22 Erfolg förmlich von der Matte gefegt.
Im engen Vereinsheim drängten sich 400 Zuschauer. Mehr als jeder Dritte war aus Greiz zu diesem lange und mit Spannung erwarteten Derby , bei dem es um die Tabellenspitze ging, angereist. Gerade die Zuschauer, die ihre Mannschaft lautstark und mit Sprechchören anfeuerten, schienen mit ihren Anfeuerungen die Initialzündung für das Geschehen auf der Matte gewesen zu sein.
Danach schien es für die Greizer Sportler kein Halten mehr gegeben zu haben.
Beide Mannschaften brachten vier Ausländer auf die Matte, die Gastgeber nutzten außerdem noch die Möglichkeit, den Deutsch-Polen Dublinowski einzusetzen und stützten sich neben Routinier Andre Backhaus auf vier an den Sportschulen Leipzig und Frankfurt/Oder ausgebildete junge Sportler.
Die Greizer Trainer Tino Hempel und Swen Lieberamm hatten ihr Team gegenüber dem Vortag auf zwei Positionen verändert. Für Brian Tewes rückte Florian Crusius ins Team, der polnische Meister Sebastian Jezierzanski ersetzte Sebastian Wendel.

Im Auftaktkampf traf Nachwuchsringer Dustin Nürnberger (57 kg/g), der am Vortag das Signal auf Sieg stellte, auf den erstligaerfahrenen Russen Valerij Borgoiakov. Der ehemalige russische Auswahlringer wurde seiner Favoritenstellung gerecht und führte schon 8:0, als der Greizer wegen einer Platzwunde am Kopf aufgeben musste. (Mannschaftsstand aus Greizer Sicht: 0:4)

Eine schwierige Aufgabe stand vor Sebastian Jezierzanski (130 kg/greco) beim ersten Kampf nach seiner Hochzeit. Der mittlere der Dublinowski-Brüder, Lukasz, wog nicht nur 12 kg mehr, der Modellathlet stand äußerst passiv eingestellt mit sehr tiefer Kampfstellung auf der Matte und wartete auf einen Fehler des angreifenden Greizers. Attraktives Ringen war so nicht möglich. Der Greizer erkämpfte taktisch klug Punkt für Punkt, ohne dem Gegner eine Konterchance einzuräumen und siegte unterstützt von „Rot passiv“-Chören seiner Anhänger 10:0. (4:3)

Dass das Leben eine Gewichtsklasse höher viel schwerer ist, erfuhr Vladimir Codreanu (61 kg/f), denn der Hofer Roman Walter führte durch blitzschnelle Beinangriffe nach 90 Sekunden 6:4. Danach startete der Greizer eine Aufholjagd, die er gegen den nachlassenden DM-Fünften mit einem schwer erarbeiteten 15:7 Sieg beendete. (4:6)

Lukasz Konera (98 kg/g) hatte mit dem 2-Meter-Hünen Franz Richter einen der veranlagtesten deutschen Nachwuchsringer zum Gegner. In einem Kampf auf Augenhöhe konnte der Greizer am Boden punkten, den Juniorensportler im Schlussspurt zweimal von der Matte drängen und so 5:1 gewinnen. (4:8)

Der sechs Kämpfe pausierende Florian Crusius (66 kg/greco) setzte gegen den ehemaligen bulgarischen Juniorenauswahlringer Radoslav Vasiliev seine ganze Routine ein, kam eigentlich nur einmal in eine schwierige Situation, die er mit Übersicht löste. Die aus Verwarnungen und von der Matte Drängen resultierende 0:4 Niederlage des Greizers machte wieder eine Punktprognose des Markneukirchener Trainers Andy Schubert zunichte. (6:8)

Noch einmal wie im Vorkampf in Greiz wollte sich Altmeister Andre Backhaus nicht wieder von Martin Obst (86 kg/f) mit 15 Punkten Differenz von der Matte fegen lassen. Er hatte aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Der deutsche Meister behielt die Zügel fest in der Hand, begann wie die Feuerwehr und führte nach 7 Sekunden bereits 1:0. Dem Angriffswirbel hatte der zweimalige Europameister trotz größten Bemühens nichts entgegen zu setzen und musste diesmal schon nach 4:07 min mit 0:15 geschlagen die Matte verlassen. (6:12)

Nachdem der Bulgare Boycho Boychov, der im Vorjahr allerdings auch 0:9 unterlegen war, der Ausländerklausel zum Opfer fiel, setzte Schubert das Eigengewächs Justin Müller gegen Vladimir Gotisan (66 kg/f). Nachdem der Moldawier seinen noch der Juniorenklasse angehörenden Gegner zu Boden gebracht hatte, war noch nicht einmal eine Minute vergangen, bis Kampfrichter Ralf Schneider aus Lauffen am Neckar nach einer Rollenserie den Kampf beim Stande von 16:0 beendete. (6:16)

Und die Siegesserie der Gäste ging weiter. Tom Linke (86 kg/g) entzauberte den ehemaligen slowakischen Auswahlringer Marian Mihalik mit drei Runterreißern. Auch wenn der Routinier am Ende noch auf 6:3 herankam, war der Sieg des Greizers nie in Gefahr. (6:18)

Der Greizer Mannschaftssieg stand schon fest, als Toni Stade (57 kg/g) wie im Vorjahr auf Tim Bitterling traf. Damals entschied der Mannschaftskapitän mit einem 9:0 Erfolg den Kampf, diesmal siegte er mit einem geschickt geführten Kampf durch zwei Verwarnungspunkte und einer Rolle im Bodenkampf mit 4:0.

Anders sah die Situation bei Daniel Sartakov (75 kg/f) aus. Er hatte vor 12 Monaten in Markneukirchen gegen Andrzej Grzelak mit 2:11 verloren, sicher auch ein Grund für den Trainer, den ehemaligen polnischen Meister wieder aufzubieten. Zur Pause führte der Pole, der geschickt alle Angriffsversuche des Greizers blockierte 2:0. In der Pause von den Trainern anders eingestellt, setzte Sartakov nun mehr auf eine Schnelligkeit. Das zahlte sich aus, obwohl Grzelak zwischenzeitlich sogar 5:0 führte. In den letzten zwei Minuten punktete nur noch der Greizer, der durch die Erfolge der letzten Wochen enorm an Selbstvertrauen gewonnen hat. Mit Kontern auf Beinangriffe des Polen und eigenen Angriffsaktionen sammelte er Punkt für Punkt und siegte mit 8:5. Dabei übersah der gute Kampfrichter, der trotz der anfeuernten Fanblocks immer den Überblick behielt, sogar noch einen mustergültigen Konter von Sartakov.

Am Ende stand unter dem frenetischen Jubel der mitgereisten Greizer Ringkampfanhänger ein 22:6 an der Anzeigetafel. Nach zehn Monaten steht der RSV Rotation Greiz wieder an der Tabellenspitze der 2.Bundesliga Nord. Übrigens gewannen die zu Recht enthusiastisch feiernden Gäste auch den „Sängerkrieg“ gegen die „Neikirngner“.

Stimmen zum Kampf:

Andy Schubert (Trainer Markneukirchen): „Glückwünsche an die Greizer Mannschaft, die verdient gewonnen hat. Das Resultat ist zwar sehr hoch ausgefallen, aber es wird uns nicht umwerfen.“

Tino Hempel (Trainer RSV): „Die Mannschaft war bis in die Fingerspitzen motiviert. Alle hatten sich hervorragend auf diesen schweren Kampf vorbereitet. Wir haben ein tolles Team. Und unsere Fans gehören auch dazu. Bei uns kämpft jeder für jeden.“

Erhard Schmelzer @31.10.2016

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