RSV Rotation Greiz: – Spektakulärer Saisonauftakt in der Bundesliga

Der RSV Rotation Greiz bezwingt im ersten Heimkampf der Saison den TSV Westendorf mit 27 : 2

GREIZ. In der Vorschau zum ersten Kampf einer Greizer Ringermannschaft nach fünfzehn Jahren in der höchsten deutschen Leistungsklasse wurde die letzte Auseinandersetzung der Vogtländer mit den Bayern vom TSV Westendorf benannt, die 1999 in der 2. Bundesliga mit einem 27:6 Erfolg endete.
Gleichzeitig wurde erwähnt, dass ein solches Resultat diesmal auf keinen Fall zu erwarten sei.
Am Ende war es auch so; der Erfolg fiel mit 27:2 allerdings noch höher aus und hatte damit sensationellen Charakter.
Während der 27:8 Erfolg des deutschen Meisters Burghausen in Pausa auch in dieser Höhe erwartet wurde, ist die 5:18 Niederlage der Nürnberger in Hallbergmoos eine weitere Sensation des ersten Kampftages. (Extrabericht folgt)


Greiz übernimmt dadurch sogar vor dem deutschen Meister Burghausen die Tabellenführung. Zweiundzwanzig Mannschaften eröffneten am Samstag in drei Staffeln die neue Bundesligasaison, Aue beginnt eine Woche später und hat dabei Greiz zu Gast.
Mit 900 Zuschauern hatte Greiz damit nicht nur Rekordbesuch in der neuen Halle zu verzeichnen, sondern konnte bundesligaweit auch auf die meisten Zuschauer verweisen.
Mit 863 Besuchern lag der ASV Mainz 1888 zwar nur knapp dahinter, doch dort handelte es sich um das Stadtderby gegen den SV Alemannia Mainz-Nackenheim.
In Greiz hingegen waren die Westendorfer Gäste, auch auf Grund der dort noch andauernden Schulferien, leider nur mit insgesamt 20 Personen angereist.
Trotzdem kam es in der Ringerhalle in Aubachtal vor zahlreichen Vertretern der politischen Prominenz, der langjährigen oder auch erst kürzlich akquirierten Sponsoren sowie Mitarbeitern von Presse, Funk und Fernsehen (Extrabericht folgt) zu einem hochklassigen Wettkampf.
Die Spannung fehlte zwar etwas, denn die tapfer kämpfenden Gäste kamen erst im letzten Kampf zu ihren Punkten.
Wenn man doch ein kleines Manko bei dieser großartigen Veranstaltung finden will, kommt man zur Vorstellung der gegnerischen Mannschaft für die Zuschauer.
Der RSV hat ein sehr umfangreiches Saisonheft herausgegeben, das aber gerade bei der Vorstellung des Westendorfer Teams etwas vage blieb. Deshalb hier noch etwas Grundlegendes: Die bayerischen Schwaben traten mit acht Sportlern an, die das Ringen in Westendorf erlernt haben.
Zur gleichen Zeit kämpften zwei weitere Westendorfer Mannschaften in den bayerischen Ligen. Drei der acht meist noch jungen Bayern (Niklas Stechele/57 kg, Simon Einsle/75 kg und Steve Masuch/80 kg) vertraten Deutschland schon bei internationalen Meisterschaften des Nachwuchsbereiches, zwei weitere (Heiß/86 kg, und Jürgens/98 kg) wurden deutsche Meister in Nachwuchsbereich und verpassten internationale Starts nur knapp.
Maximilian Goßner/75 kg konnte außerdem zwei Medaillen bei den DM der Männern erkämpfen. Schmerzlich vermisst wurden allerdings mit dem Ukrainer Murazi Mchedlidze und dem Österreicher Daniel Gastl zwei internationale Spitzenkönner.
Die Greizer hatten ihre Mannschaft gegenüber dem Vorjahr natürlich verändert. Neben den beiden Pause-Rückkehrern Vladimir Codreanu und Daniel Sartakov standen Alexander Grebensikov, der Pole Dawid Karecinski und der Rumäne Alin Alexuc-Ciurariu neu im Team, das in diesem Jahr, nachdem Swen Lieberamm wieder hauptsächlich bei Luftfahrt Berlin tätig ist, allein von Tino Hempel unter Assistenz von Konstantin Sommer betreut wird.

Zum Auftakt traf Routinier Vladimir Codreanu (57 kg/f) auf den fast zehn Jahre jüngeren Niklas Stechele, der 2:0 in Führung ging. Beide lieferten sich ein intensives Gefecht und kämpften jeden Angriff intensiv aus. Am Ende siegte der Greizer mit 8:2 Punkten. (Mannschaftsstand: 2:0)
Der EM-Dritte aus Rumänien Alin Alexuc-Ciurariu (130 kg/g), der etwas mehr als 120 kg auf die Waage brachte, war gegen den 30 kg leichteren Westendorfer Ersatzmann Felix Kiyek klarer Favorit. Erst einmal zu Boden gebracht, wurde der 19-jährige Bayer mehrmals am Boden gerollt. Mit einem attraktiven Wurf beendete der Greizer Neuzugang schon nach zwei Minuten seinen ersten Auftritt für den RSV mit 15:0. (6:0)
Der Mecklenburger Alexander Grebensikov (61 kg/g) begann sehr konzentriert Mit zwei Kopfschleudern überraschte er den stilartfremd kämpfenden Markus Stechele und führte nach einer folgenden Rolle bereits nach 35 Sekunden mit 10:0. Nach einer kurzen Verschnaufpause gelang ihm ein technisches Kabinettstückchen, das weitere 4 Punkte einbrachte. Ein Aufreißer beendete den Kampf schon nach 1,56 Minuten mit 16:0. (10:0)
Im Kampf zweier ehemaliger Nachwuchsmeister gab der etwas schwerere Sebastian Wendel (98 kg/f) den Ton an. Meist nach Beinangriffen brachte er seinen Gegner unter Kontrolle. Als dieser sein Heil in einem doppelten Beinangriff suchte, konterte der Greizer mit einem sehenswerten Hüftwurf, der kurz vor Schluss den 17:0 Endstand ergab.(14:0)
Zum Spitzenkampf des Abends sollte eigentlich der Vergleich des moldawischen Publikumslieblings Vladimir Gotisan (66 kg/f) gegen die gegenwärtige Nummer Eins der Bulgaren, Filip Novachkov, werden. Doch auch der dritte von fünf Kämpfen war bereits nach zwei Minuten zu Ende. Der Bulgare ging 2:0 in Führung und bekam mit der Absicht seinen Vorsprung ausbauen beide Beine des Greizers zu fassen. Eine Situation, die nur mit einem Punktgewinn des Gastes enden konnte. Doch der in Moskau als Trainer tätige Moldawier verteidigte sich mit Raffinesse, kam selbst in die Oberlage und brachte es fertig, seinen Gegner auf die Schultern zu legen. So war schon 5 Minuten vor 20 Uhr der völlig überraschende Halbzeitstand von 18:0 erreicht.
Mit Thomas Leffler (86 kg/g) und Michael Heiß standen sich zwei gleichwertige Kämpfer gegenüber, die sich kaum Vorteile erarbeiten konnten. Beide erhielten je eine Verwarnung wegen passiver Ringweise, aber auch im Bodenkampf blieben beide ohne Wertung. Die Entscheidung fiel als Heiß den 2:1 führenden Greizer von der Matte drängen wollte, von diesem aber in letzter Sekunde selbst ins Aus befördert wurde. Dem Bayern gelang nur noch die Resultatsverbesserung auf 2:3. (19:0)
Der polnische Neuzugang Dawid Karecinski (71 kg/g), der im Vorjahr für Pausa aktiv war, traf auf den Schweden Zakarias Tallroth. Der bärtige Schwede, der erst mit 30 Jahren zu Auswahl-Ehren kam, bestimmte die ersten vier Kampfminuten und ging durch zwei Passivitätsverwarnungen 2:0 in Führung. Doch der EM-Fünfte drehte den Kampf in nur wenigen Sekunden, brachte den Schweden zu Boden und kam durch eine Rolle zum 4:2 Erfolg. (20:0)
Martin Obst (80 kg/f) wurde bei seinem ersten Auftritt seit dem Gewinn des Vizeeuropameistertitel frenetisch gefeiert. Der agile 25.jährige Steve Masuch machte ihn das Leben sehr schwer. Erst in der letzten Sekunde einer 30 Sekundenstrafe kam der Greizer zur 1:0 Führung. Nach einer weiteren Angriffsaktion des Greizer, der er vier Rollen am Boden folgen ließ, musste der Bayer wegen einer Knöchelverletzung den Kampf beim Stand von 0:11 in der vierten Minute leider aufgeben. (24:0)
Rückkehrer Daniel Sartakov (75 kg/f) traf auf den 21-jährigen Simon Einsle, dem er sowohl hinsichtlich Technik als auch Schnelligkeit überlegen war. Am Ende stand ein 9.0 Sieg des Greizers. (27:0)
Am Ende des Kampfabends kamen die Gäste zu ihrem ersten Sieg. Toni Stade (75 kg/g) musste sich von Maximilian Goßner zwei Passivitätsverwarnungen aufbrummen lassen. Beim zweiten angeordneten Bodenkampf gelang Goßner eine Zweierwertung zum 0:4 Endstand. Der erste Bundesligakampf nach 15 Jahren in Greiz endete so für den RSV Rotation mit einem überraschend hohen 27:2 Erfolg.
Diesmal lief sehr viel für die vogtländischen Gastgeber. Das wird bei den weiteren Saisonkämpfen nicht immer der Fall sein.
Der nächste Kampf findet am Samstag, den 15.September in Aue statt.

Weitere Ergebnisse des Tages:

WKG/Pausa/Plauen – SV Wacker Burghausen 8:27
SV Siegfried Hallbergmos – SV Johannis Nürnberg 18: 5
kampffrei: FC Erzgebirge Aue

Stimmen zum Kampf:

Klaus Prestele (Trainer Westendotf): „Glückwünsche an die Greizer Mannschaft, die verdient gewonnen hat. Nach dem Ausfall von zwei unserer Ausländer haben wir nicht mehr mit einem Sieg in Greiz gerechnet. Wir haben vor einer großartigen Kulisse gekämpft. Unser Jüngster, Nicolas Stechele, hat gegen den erfahrenen Vladimir Codreanu sehr gut mitgerungen. Auch Steve Masuch hat gegen den großen Favoriten Martin Obst hervorragend begonnen, hoffentlich fällt er nicht länger aus.“


Tino Hempel (Trainer des RSV Rotation Greiz): „Wir haben heute ein dickes Ausrufezeichen gesetzt und können feststellen, dass wir bei der Verpflichtung unserer Athleten vieles richtig gemacht haben. Insgesamt war es eine großartige Veranstaltung.

Erhard Schmelzer @09.09.2018

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