RSV Rotation Greiz: Greizer kommen in Aue mit blauem Auge davon

2.Bundesliga Nord: FC Erzgebirge Aue gegen RSV Rotation Greiz
Im Spitzenkampf bezwingt der Greizer Vladimir Codreanu (blaues Trikot) den ehemaligen deutschen Auswahlringer Emanuel Krause mit 13:8

FC Erzgebirge Aue gewinnt gegen den RSV Rotation Greiz mit 18:11

AUE/GREIZ. Im Vorjahr kam der spätere mit dem Staffelsieger Greiz punktgleiche Tabellenzweite FC Erzgebirge Aue in Greiz mit 23:5 unter die Räder. Diesmal erwischte es den RSV Rotation Greiz im vorletzten Saisonkampf im Erzgebirge mit 11:18.

Auf den ersten Blick könnte man denken, dieses Ergebnis hätte einen gewissen Beigeschmack. Haben die Greizer nach dem verteidigten Staffelsieg die Zügel schleifen lassen? Dem war aber nicht so.
Nach einer unglaublichen Siegessserie mit 14 Kämpfen ohne Niederlage in Folge kam nun viel Negatives zusammen. Was den Mannschaftsverantwortlichen im bisherigen Saisonverlauf unter Einsatz aller möglicher Mittel gelungen war, eine Mannschaft auf die Beine zu stellen, die nur schwer zu bezwingen war, schlug diesmal fehl.

Nach den Langzeitausfällen von Sven Cammin und Boris Eisenstein sagten diesmal Lukasz Konera, der als dritter RSV-Ringer in dieser Saison an einem Kampftag zum Traualtar schritt, und wegen eines Trainingslagers in Russland der um einen Stammplatz in der polnischen Auswahl kämpfende Sebastian Jezierzanski ab.

Tom Linke, Lehramtstudent an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität in Greifswald, hat samstags regelmäßig Lehrveranstaltungen. Der lange verletzte Thomas Leffler war nicht von seinem Polizeidienst loszueisen, auch Konstantin Sommer war dienstlich gebunden.
Auch der mit zehn Siegen in Folge sich in hervorragender Form befindliche Daniel Sartakov sollte wegen Atemwegsproblemen eine Pause bekommen.
Als am Freitagabend feststand, dass der schwer erkältete Dustin Nürnberger das Gewichtmachen auf die 57 kg abbrechen musste, drohte dem RSV sogar eine 0:40 Niederlage, weil nicht einmal neun Gewichtsklassen besetzt werden konnten.
Mit letztem Einsatz und jahrelanger Erfahrung im Ringkampfsport gelang es den Trainern Tino Hempel und Swen Lieberamm ein Team auf die Beine zu stellen, dass die Startbedingungen erfüllte und dem RSV somit eine empfindliche Strafe ersparte.

Dass dieses umgestellte und in fünf Gewichtsklassen aufgerückte Team gegen die in stärkster Aufstellung angetretenen Gastgeber vom FC Erzgebirge nur 11:18 unterlag, ist ein weiterer Beweis sowohl für die individuelle Leistungsfähigkeit der einzelnen Sportler als auch für deren Teamfähigkeit.
Dabei hätte es noch viel enger werden können. Dustin Nürnberger (57 kg/g) trat mit Übergewicht auf die Waage, so dass die Gastgeber durch Kirk Reimer kampflos zu den Punkten kamen. (Mannschaftsstand aus Greizer Sicht: 0:4)
Da der angesetzte Kampfrichter Rene Wenzel den nach vorn verlegten Kampfbeginn nicht mitbekommen hatte, leitete das Auer Vereinsmitglied Andy Friedemann aus Weißwasser die ersten Kämpfe bis zum Eintreffen des regulären Kampfleiters.

Pech hatte Sebastian Wendel (130 kg/f), der auf den fast 30 kg schwereren zwölfmaligen deutschen Meister Nico Schmidt traf. Mit zwei Punkten in Rückstand liegend, erhielt der Greizer die dritte 30-Sekunden-Strafe. Doch erst Bruchteile von Sekunden nach dem Pfiff des Schiedsrichters kam Wendel zur parallelen Beherrschung des Gegners. Die 0:3 Niederlage hätte sich also beinahe in einen 2:2 Sieg verwandelt. (0:6)

Die Auseinandersetzung zwischen Vladimir Codreanu (61 kg/f) mit dem dreimaligen Männermeister Emanuel Krause bot Spitzenringkampf in allen Belangen. Der Greizer ging in Führung, gab diese nur kurz aus der Hand, um sich mit einem tollen Achselwurf weiter abzusetzen. Beide kämpften jeden Angriff bis zur Entscheidung aus und erhielten mehrmals Szenenapplaus von den 290 Besucher, unter denen sich auch Greizer Anhänger befanden.

Am Ende holte sich der Moldawier mit 13:8 den siebzehnten Sieg im siebzehnten Saisonkampf. (2:6)
Um die Startberechtigung der Mannschaft zu sichern, war Daniel Sartakov (98 kg/g) zwei Gewichtsklassen aufgerückt und hatte die Stilart gewechselt. Er traf auf den 20 kg schwereren Rolf Linke, dem Bruder des Greizers Tom Linke, der klar das Geschehen auf der Matte bestimmte. Im Standkampf entzog sich der Greizer zwar den Attacken des gebürtigen Stralsunders, im Boden half bei diesem Gewichtsunterschied auch der größte Einsatz nicht.

In der dritten Minute stand die Schulterniederlage bei 0:8 fest. (2:10)
Routinier Florian Crusius (66 kg/g) machte mit Nachwuchsringer Max Seidler wenig Federlesen und schulterte ihn mit einem verkehrten Kopf-Hüft-Schwung schon nach 35 Sekunden. (6:10)
Martin Obst (86 kg/f) musste sich wie im Vorkampf mit seinem Trainingspartner Willi Wendel auseinandersetzen und kam fast nur mit Einserwertungen zum 10:1 Erfolg. (9:10)
Der zum vierten Mal in der ersten Mannschaft eingesetzte Joel Wrensch (66 kg/f) war gegen den deutschen Vizemeister Philipp Herzog krasser Außenseiter, zog sich aber, offensiver als in der Regionalliga ringend, hervorragend aus der Affäre. Die Gastgeber hatten hier mehr als einen 12:3 Sieg erwartet. (9:13)

Auch der gesundheitlich angeschlagene Toni Stade (86 kg/g) konnte – eine Gewichtsklasse höher eingesetzt – trotz schnellen Rückstandes gegen den ehemaligen ungarischen Auswahlringer Gabor Madarasi eine entscheidende Niederlage vermeiden. Der Greizer unterlag hauptsächlich durch Rollen am Boden mit 0:9. (9:16)

Auch Brian Tewes (75 kg/g) konnte sich gut auf den diesjährigen EM-Teilnehmer Krisztian Jäger einstellen. Im Standkampf entzog er sich geschickt den Angriffen des Ungarn und am Boden wurde er bei seiner 0:7 Niederlage nur einmal gerollt. (9:18)

Zum Abschluss gab es noch einmal zwei Mannschaftspunkte, als Vladimir Gotisan (75 kg/f) mit seiner unglaublichen Technik bereits zur Pause mit 6:0 gegen Brian Bliefner führte. Nach der Pause trat der ehemalige Luckenwalder offensiver auf, konnte selbst punkten, unterlag aber dem in dieser Saison noch unbezwungenen Greizer mit 3:9.

Der letzte Heimkampf dieser Saison findet am Samstag auf Grund der Saisonabschlussfeier bereits um 16 Uhr in Greiz statt. Gegner ist der KFC Leipzig. Die zweite Mannschaft trifft ab 14 Uhr auf den SV Auerbach.

Stimmen zum Kampf:

Sören Ullrich (Abteilungsleiter Ringen beim FC Erzgebirge): „Obwohl die Greizer Mannschaft ersatzgeschwächt antrat, haben wir schöne Kämpfe mit guten Leistungen von beiden Seiten gesehen. Respekt vor Sebastian Wendel, der trotz des Gewichtshandicaps gut mitgehalten hat.“

Swen Lieberamm (Trainer RSV): „Trotz der Niederlage haben unsere Sportler eine gute Leistung gezeigt. Unter den gegebenen Voraussetzungen bin ich mit der Mannschaft voll zufrieden. Es ist durchaus möglich, den einen oder anderen Sportler bei Bedarf einmal eine Klasse höher einzusetzen. Nächste Woche steht das Signal wieder auf Sieg.“

Erhard Schmelzer @11.12.2016

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