21. Oktober 2020

Nach 210 Tagen kämpfen Greizer Ringer wieder

RSV Rotation Greiz II gegen WKG Weißwasser/Cottbus
125kg Freistil: Sebastian Wendel, (rotes Trikot) RSV Rotatin Greiz gegen Steffen Nagorka, WKG Weißwasser/Cottbus 4:0/TÜ/16:0/05:07

Lange wurde der Saisonauftakt herbeigesehnt. Doch in den letzten Tagen und Stunden überschlugen sich die – meist schlechten – Nachrichten.

Prolog 1: Bundesligist Witten zieht sein Team zurück / Daniel Sartakov ringt nun für Neuss

Am Sonnabend, den 3.Oktober 2020, sollte auch das etwas dezimierte Feld der Ringer-Bundesliga in die Saison starten. Am Donnerstag traf es aber dann schon einen der verbliebenen 17 Vereine. Der KSV Witten meldete, dass am Mittwoch ein Sportler seiner Mannschaft positiv auf das Covid19-Virus getestet worden ist. Da alle Personen, die mit dem Getesteten in Kontakt standen, in Quarantäne mussten, musste der Bundesligaauftakt in Witten abgesagt werden. Der KSV Witten war nicht mehr in der Lage eine komplette Mannschaft zu stellen. Man versuchte in Abstimmung mit den Gegnern die ersten beiden Saisonkämpfe zu verlegen.
Am Freitag schien der Versuch gescheitert, bzw. die Wittener Funktionäre hatten es sich anders überlegt. Der Deutsche Ringer-Bund meldete den Ausstieg des KSV Witten aus der Ringer – Bundesliga 2020. Die für Freitag angekündigte Pressemitteilung des Vereins erschien bis zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht.
Am Freitag um 24 Uhr, lief allerdings ein viel wichtigerer Zeitabschnitt aus. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten Bundesligavereine Sportler anderer Vereine, die ihren Start in diesem Jahr abgesagt haben, unter Vertrag nehmen und beim DRB für die Saison anmelden. Interessant für die RSV-Anhänger: Unter den nun durch den plötzlichen Rückzug der Wittener für andere Vereine frei werdenden Ringern befinden sich zwei Sportler, die im Vorjahr für den RSV Rotation Greiz kämpften. Mateusz Wolny, der früher schon einmal für Witten tätig war, meldete sich bereits im Frühjahr zum Ligakonkurrenten Red Devils Heilbronn ab. Als Heilbronn – wie die Greizer – auf den Saisonstart verzichteten, wechselte er – der DRB hatte auf Grund der Corona – Krise seine Regeln geändert – nach Witten. Auch Daniel Sartakov, der als leistungsorientierter Sportler keine Saison verpassen wollte, ging zu Witten. Am Freitag waren plötzlich die Wittener Ringer wieder für einige Stunden auf dem Markt. Diese konnten sich bis Freitag 24 Uhr einen neuen Verein suchen. Diese Chance nutzte der KSK Neuss, wie Witten in Nordrhein-Westfalen beheimatet, und verpflichtete Sartakov. Bereits am Sonnabend bestritt dieser seinen ersten Kampf für seinen neuen Verein und bezwang Maximilian Otto vom Aufsteiger Wrestling Tigers Rhein/Nahe 16:0.

Prolog 2: Jeden Tag ändert sich etwas in Bezug auf die Pandemie

Am Freitag kurz vor 20 Uhr erhielt der RSV Rotation Greiz eine Mitteilung von Dr.Joachim Kühn, dem Präsidenten des Ringer-Verbandes Sachsen, unter dessen Regie der Greizer Ringerverein seine Wettkämpfe durchführt, mit Handlungsempfehlungen auch für Landesligamannschaften:
„Aktuelle Informationen für Sachsen/Einreisende aus Risikogebieten
Einreisende aus Risikogebieten sind seit dem 8. August zu einem Corona-Test verpflichtet. Für Einreisende, die sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, gilt ab dem 15. September 2020, dass sie innerhalb von zehn Tagen nach Einreise einen Anspruch auf kostenlose Testung haben (lt. Rechtsverordnung des Bundes zur Anspruch auf bestimmte Testungen). Die Bestimmungen der Sächsischen Corona-Quarantäne-Verordnung bleiben unberührt von den Anordnungen des Bundesministeriums für Gesundheit bestehen.
Handlungskonsequenz für die Vereine, die in ihren Mannschaften Ringer aus Risikogebieten einsetzen wollen
Bis auf Polen sind derzeit sämtliche Nachbarländer von Deutschland als Risikogebiete eingestuft. Die amtlichen Bekanntmachungen sind einzuhalten. Folglich sind bei einem Einsatz insbesondere tschechischer und ungarischer Ringer negative Corona-Tests vorzuweisen. Fortlaufende Aktualisierungen auch hinsichtlich der Quarantänebestimmungen sind zu beachten.“

Der RSV Rotation Greiz hat für die Saison 24 Wettkampf-Lizenzen erworben. Darunter befinden sich auch ausländische Sportler, die sich aber ständig in Deutschland aufhalten und deshalb hinsichtlich der Pandemie – Bestimmungen wie Deutsche behandelt werden. Auch für alle anderen Vereine der Vorrundengruppe B dürften sich keine Probleme ergeben. Etwas anders sieht es bei den Gegner der Gruppe A aus, auf die die Greizer in der Finalrunde treffen. Dort kämpfen die stark eingeschätzten Teams aus Werdau und Lugau mit Sportlern aus Ungarn, Tschechien und Polen.

Freundschaftlicher Nachwuchsvergleich gegen AC 1897 Werdau

Am Sonnabend fiel dann der Startschuss zur neuen Saison in Greiz – natürlich aus Gründen der Pandemie – bereits um 16 Uhr. In einem freundschaftlichen Vergleichskampf trafen einige Greizer Nachwuchssportler auf ihre Gäste aus Werdau. Zu Siegen kamen auf Greizer Seite Pauline Hessel, Leon Weller, Isa Elzhuev und Arthur Reim. Zu den Geschlagenen gehörten Chiara Weber Finn-Luca Vogel, und Askap Meschidov.

Landesligasieg mit Aufwand wie bei einem Bundesligaduell
RSV Rotation Greiz II – WKG Grün-Weiß Weißwasser/Cottbus 23 :12

Seit dem Sonnabend gehört die Coronapause beim Ringkampf in Deutschland der Vergangenheit an. Von den 26 Bundesligavereinen sind immerhin noch 16 an den Start gegangen. Auf Grund der Pandemie-Bestimmungen scheinen mehrere Vereine auf den Start ihrer ausländischen Sportler verzichtet zu haben. Auch die Hygienevorschriften wirkten sich aus. So konnten dem Saarlandduell Hüttigweiler gegen Riegelsberg nur 120 Besucher beiwohnen. Bei der Jugendliga in Greiz waren mehr Zuschauer. Bundesligarekordbesuch konnte Aufsteiger Kleinostheim mit 500 Besuchern feiern. Allerdings musste Kleinostheim dazu in die Unterfrankenhalle nach Aschaffenburg umziehen, die ein Fassungsvermögen von 4 200 Personen hat.

In Greiz wurde die durch das Hygienekonzept zugelassene Besucherzahl nicht erreicht. Trotz der Beschränkungen kamen allerdings ungefähr 200 Besucher um endlich wieder einmal Ringkampfsport zu erleben. Dafür mussten sie aber doch schon einige Einschränkungen in Kauf nehmen. So wurde nicht nur die Matte mehrmals desinfiziert sondern zwischen den Kämpfen sogar die ganze Halle, so dass alle Zuschauer durch einen Nebeneingang die Halle verlassen mussten, um sie dann wieder nach einer gehörigen Pause durch den Haupteingang zu betreten.
Das Verhalten der Zuschauer kann vorbildlich genannt werden und sollte in dieser für den Verein schwierigen Situation entsprechend gewürdigt werden. Der Verein konnte sich trotz der Umstände über eine gelungene Veranstaltung freuen, zu der die Jugendabteilung nicht unwesentlich beigetragen hatte. Allerdings entsprach der Aufwand, der betrieben werden musste, der eines Bundesligakampfes mit einer vierstelligen Besucherzahl. Die Vereinsleitung bedankt sich deshaöb bei allen Helfern und Zuschauern.

Zum Auftakt der Landesliga gegen die zweite Mannschaft des RSV Rotation Greiz war die WKG Weißwasser/Cottbus angereist, die aber auf den Einsatz ihrer Cottbuser Sportler verzichtete. Wie angekündigt hatten die Oberlausitzer im Gegensatz zum Vorjahr ein weitaus stärkeres Team mitgebracht. Allerdings konnten sie eine der neun Gewichtsklassen nicht besetzen, so dass Joel Wrensch (72 kg/frei) im eigentlich vorgesehenen letzten Vergleich kampflos zu vier Punkten kam.
Den Auftakt machte der erstmals in der zweiten Mannschaft eingesetzte Isa Elzhuev (54 kg/frei). Er traf auf den gleichaltrigen deutschen Vizemeister von 2019, Hauke Richter. Der unerfahrene Greizer schlug sich tapfer, ging sogar 2:1 in Führung, musste aber nach einem Kopf-Hüft-Schwung des Leipziger Sportschülers eine Schulterniederlage hinnehmen. (Mannschaftsstand: 0:4)
Sebastian Wendel (125 kg/frei) musste erst einmal sich und Gegner Steffen Nagorka auf Betriebstemperatur bringen. Dann sammelte er Punkt um Punkt und konnte durch Abreißer und Beinangriffe nach fünf Minuten einen 16:0 Sieg feiern. (4:4)
Ibrahim Galamatov (57 kg/gr.-röm) überraschte Erik Pilz mit einem auf diese Stilart umgewandelten Achselwurf und siegte bereits nach 48 Sekunden auf Schultern. (8:4)
Die Gäste kamen noch einmal zum Ausgleich, als Lars Melcher Hamsat Juschaev (96 kg/gr) in der fünften Minute bei 10:0 Führung schulterte. Auch hier war ein allerdings wie aus dem Lehrbuch gezogener Kopf-Hüft-Schwung die Ursache. (8:8)
Den schönsten Kampf des Abends zeigte Rasul Galamatov (61 kg/frei), der auf den 31-jährigen Routinier Olaf Noack traf. Der Greizer nutzte seine Schnelligkeitsvorteile konsequent von der ersten Sekunde an ein und baute seine Führung durch viele verschiedene Techniken aus. Schon vor der Halbzeit stand sein 16:0 Sieg fest. (12:8)
Nori Opiela (87 kg/frei) traf auf Markus Mückisch, der wie eigentlich alle Weißwasseraner Sportler nicht verleugnen konnte, dass er sich beim griechisch-römischen Kampfstil wohler fühlt. Dem Jenaer Sportschüler, der in Altenburg das Ringen erlernt hatte, gelangen immer wieder doppelte Beinangriffe, die manchmal sogar vier Punkte einbrachten. Nach sechs Minuten lag der Greizer mit 13:0 in Front. (15:8)
Auch Drin Abdullahu (66 kg/gr-röm) zeigte sich nach langer Wettkampfpause gut in Form. Benito Kleinfeld hatte zwar seit dem Vorjahr 5 Kilogramm Muskelmasse zugelegt, hatte aber technisch wenig entgegen zu setzen. Nach einem Kopf-Hüft-Schwung gelang dem Greizer nach zwei Minuten eine vielversprechende Fassung am Boden, die sogar zum 16:0 ausbaufähig gewesen wäre. Der Greizer nutzte diese Chance zwar nicht, kam dafür aber kurz vor Schluss mit einem sehr attraktiven Wurf über die Brust zum 17:0. (19:8)
Pechvogel des Abends war Ron Watzek (79 kg/gr-röm), der in der dritten Kampfminute gegen Oliver Pilz mit 4:3 führte, sich aber dann verletzte und den Kampf aufgeben musste. (19:12)
Am Ende konnte sich die zweite Greizer Mannschaft über einen 23:12 Sieg freuen. In der nächsten Woche geht es zur WKG Gelenau II/Chemnitz, die in Thalheim mit 7:23 unterlag. In der Gruppe A siegte Aue II in Lugau hoch mit 27:4.

Erhard Schmelzer

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