Jugend des RSV Rotation: In Neapel floss der Schweiß

Jugend des RSV Rotation: In Neapel floss der Schweiß
v.l. Anton Golle, Boualem Derradji, Dustin Nürnberger, Norman Heisig, Lucas Kahnt und Erhard Schmelzer Foto: Francis Weinhold

Zum zweiten Mal reiste eine Delegation ostdeutscher Ringer in den Sommerferien zum Trainingslager nach Italien – Auch die Jugend des RSV Rotation war vertreten

NEAPEL/GREIZ. Zum zweiten Mal reiste eine Delegation ostdeutscher Ringer in den Sommerferien zum Trainingslager nach Italien. Eingeladen zur Trainingsmaßnahme für Kadetten und Junioren im freien Stil hatte mit Michele Liuzzi einer der italienischen Auswahltrainer. Eine Woche lang wurde am Fuße des Vesuvs zweimal täglich mit Sportlern aus zahlreichen europäischen Ländern trainiert. Angereist waren neben den Gastgebern die Nationalteams von Frankreich, Schweden, Ungarn, Finnland, Österreich sowie zahlreiche europäische Vereinsmannschaften und sogar Vertreter aus Nordirland, Puerto Rico und Australien. Fast die Hälfte der Teilnehmer waren Sportlerinnen. Zusammen mit Trainern und Betreuern waren 280 Personen in die Hauptstadt der Region Kampanien gekommen.
Der RSV Rotation Greiz wurde durch Dustin Nürnberger, Boualem Derradji, Lucas Kahnt, Norman Heisig sowie Anton Golle vertreten. Die Temperaturen waren etwas erträglicher als im Vorjahr, obwohl die 30 Grad- Celsius-Marke regelmäßig überschritten wurde. Das in zwei Gruppen organisierte Training in einer nicht überdimensionalen Trainingshalle wurde durch zahlreiche Lüfter erträglich gestaltet. Ständig wechselnde Gegner sowohl beim Technik-, als auch beim Kampftraining sorgten für ungewohnte Anspannung. Der Aussage eines Greizers: „Hier geht es schon anders zu als an der Sportschule Jena“, sollte dabei auch selbstkritisch bewertet werden.

Die Greizer Ringer, die in der am 19.August beginnenden Mannschaftskampfsaison in der ersten und zweiten Vertretung des RSV kämpfen werden, mussten an ihre Grenzen gehen um zu bestehen. Zwar wäre diese Belastung ein paar Wochen später im Bezug auf die beginnenden Mannschaftskämpfe effektiver gewesen, doch auch so war der sportliche Nährwert erheblich. Vor allem die französischen Ringer sorgten durch ständige Angriffsaktionen für Bewegung auf den Matten. Und auch die spezielle Erwärmung der Mädchen des schwedischen Vereinsteams aus Helsinborg – weitab eines kontrollierenden Trainers – war eine Augenweide. Eine Woche später konnten zwei Schwedinnen bei den Europameisterschaften die verdienten Medaillen abholen. Am Donnerstag stand ein ganztägiger Ausflug in einen Freizeitpark in dem nördlich von Neapel gelegenen Giugliano auf dem Programm, der durch große Wasserflächen und viele Attraktionen für Entspannung und frische Kräfte für die abschließenden Trainingskämpfe am Freitag sorgte.

Trotz einiger kleiner Pannen lief organisatorisch das meiste nach Plan. Im Süden sieht man einige Sachen eben etwas entspannter. Sah man das winzige Organisationsteam, konnte man sich wundern, wie alles reibungslos ablief. Natürlich bestand auch jedes Essen im Hotel – außer dem kleinen südländischen Frühstück – aus einem Gang Pasta. Allerdings ist nicht jeder Vogtländer an neapolitanische Spaghetti mit Muscheln und Meeresfrüchten gewöhnt.

Übrigens: Neapel, Capri und die Amalfiküste waren einmal die Traumziele deutscher Touristen. Schon Goethe weilte 1786 mehr als fünf Wochen in Neapel und der Umgebung. Heute fällt dem aus dem Norden angereisten Besucher zuerst das Müll- und dann das Parkplatzproblem auf. Die eigentliche Stadt Neapel hat knapp eine Million Einwohner, zusammen mit den umliegenden Orten sind es drei bis vier Millionen. Nur das Stadtzentrum und die touristisch interessanten Orte sind nicht von Müllsäcken überhäuft. Die unübersichtlichen, sich windenden Auffahrten zu den Schnellstraßen scheinen bevorzugte Orte zur Müllentsorgung zu sein, was noch auf einen gewissen Respekt vor der Polizei schließen lässt, auch wenn diese kaum sichtbar ist.
Auf der Straße läuft der Verkehr auch ohne Polizei flüssig. Die Regeln – auch die der Vorfahrt – sind nicht ohne weiteres zu durchschauen. Der Parkplatzmangel zwingt immer wieder zum Halt an unübersichtlichen Stellen in engen Einbahnstraßen, der dann denn Verkehrsfluss weiter behindert. Nicht wenige Fahrzeuge sind durch Kratzer und Beulen gekennzeichnet. Die Neapolitaner nehmen es locker, unser Busfahrer hat in dieser Woche nicht einmal die Contenance verloren.
Auch die manchmal über der Stadt aufziehenden Rauchschwaden, die auf Brände hinzudeuten scheinen, bringen die Einheimischen nicht aus der Ruhe. Mitte der Woche war aber plötzlich der Gipfel des Vesuvs in Rauchwolken gehüllt. War der Vesuv erstmalig seit 1944 wieder ausgebrochen? Ein deutsches Nachrichtenmagazin sprach jedoch von Busch- und Waldbränden an den Flanken des Vesuvs. Der neapolitanische Schriftsteller Roberto Saviano, weltbekannt geworden durch sein Buch „Gomorrha“, sagte hingegen, die Mafia lege gezielt Feuer, um Platz für neuen Müll zu schaffen: „Der Vesuv ist in den vergangenen Jahren zu einer riesigen Müllkippe geworden. Jetzt nutzt man die Hitze dieses Sommers als Alibi und zündet den Müll an.“

Fazit: Den internationalen Ringern hat es trotz allem in Neapel gefallen. Im nächsten Jahr soll es ein Wiedersehen geben.

Erhard Schmelzer @02.08.2017

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