Am Ende hatten die Erzgebirger die Nase vorn

RSV Rotation Greiz wird vom FC Erzgebirge Aue mit 12:15 bezwungen

GREIZ. Der in der Vorrunde so erfolgreiche RSV Rotation Greiz bleibt auch beim zweiten Kampf der Rückrunde ohne Sieg. Vor der wiederum imponierenden Kulisse von 743 Besuchern – darunter zahlreiche Auer Schlachtenbummler – unterlagen die Greizer auf heimischer Matte mit 12:15 Punkten gegen den FC Erzgebirge Aue. Nur im Spitzenkampf der Staffel Nordwest Mainz gegen Heilbronn kamen mit knapp 800 Zuschauern mehr Ringkampfinteressierte. Im Vorkampf in Aue hatten die Greizer mit 19:10 gewonnen. Beide Teams gewannen fünf Kämpfe. Am Ende entschieden Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage. Die Besucher in der Greizer Halle sahen faire und fast immer hochklassige Kämpfe. Unter den 20 Kämpfern befanden sich drei WM-Teilnehmer, die alle zum Sieg kamen. Beide Mannschaften setzten jeweils vier ausländische Ringern ein.

GREIZ. Der in der Vorrunde so erfolgreiche RSV Rotation Greiz bleibt auch beim zweiten Kampf der Rückrunde ohne Sieg. Vor der wiederum imponierenden Kulisse von 743 Besuchern – darunter zahlreiche Auer Schlachtenbummler – unterlagen die Greizer auf heimischer Matte mit 12:15 Punkten gegen den FC Erzgebirge Aue.
Nur im Spitzenkampf der Staffel Nordwest Mainz gegen Heilbronn kamen mit knapp 800 Zuschauern mehr Ringkampfinteressierte. Im Vorkampf in Aue hatten die Greizer mit 19:10 gewonnen. Beide Teams gewannen fünf Kämpfe. Am Ende entschieden Kleinigkeiten über Sieg und Niederlage.
Die Besucher in der Greizer Halle sahen faire und fast immer hochklassige Kämpfe.
Unter den 20 Kämpfern befanden sich drei WM-Teilnehmer, die durchweg zum Sieg kamen.
Beide Mannschaften setzten jeweils vier ausländische Ringern ein.

Die Besetzungsprobleme des Greizer Ringervereins in der 57 kg-Klasse sind bekannt. Der fünfzehnjährige Greizer Nachwuchsringer Maximilian Böttger (57 kg/g) stellte sich zum zweiten Mal in den Dienst der Mannschaft. Durch seinen Einsatz, der bei der Punktwertung für die Aufstellung, die die 28-Punkte-Grenze nicht überschreiten darf, mit Minus 2 Punkten berechnet wurde, leistete er einen immensen Anteil bei der Gestaltung des Teams. Der Greizer Plan ging hier auf. Die Auer wohl in der Befürchtung, Codreanu könnte hier starten, brachten ihren ehemaligen polnischen Vizeeuropameister Marius Los, der zwar ohne Kampf vier Punkte holte, aber dadurch schon 5 der 28 Auer Mannschaftspunkte verbrauchte. (Mannschaftsstand: 0:4)
Dass Greiz daraus am Ende trotzdem keinen Vorteil ziehen konnte, lag vor allem im Ausgang von vier Kämpfen begründet. Drei davon folgten nun gleich aufeinander. Der mazedonische WM-Teilnehmer Magomedgadji Nurov (130 kg/f) traf auf den mehrfachen polnischen Meister Mateusz Filipczak. Beide schienen gleichstark, riskierten in der ersten Hälfte aber nichts. Erst als er 0:2 zurücklag, kam der Greizer zum ersten Doppelpunkterfolg. Der Auer lag aber trotzdem 24 Sekunden vor Schluss 4:2 vorn. Erst da öffnete der physisch noch etwas stärker als sein Gegner wirkende gebürtige Dagestaner seine Trickkiste und beendete einen Beinangriff mit einem in dieser Gewichtsklasse nicht alltäglichen Wurf der vier Punkte einbrachte. Sein 6:4 Sieg brachte nur einen Mannschaftspunkt, ein einziger Kampfpunkt mehr hätte die Punktausbeute verdoppelt. Etwas mehr Angriffslust hätte hier nicht geschadet. (1:4)
Für Vladimir Codreanu (61 kg/f) ist das Gewichtmachen für diese Klasse leichter als im 57 kg-Limit, dafür sind die Gegner stärker. Und wenn diese dann wie der viermalige Medaillengewinner bei Männermeisterschaften und amtierende Bronzemedaillengewinner Philipp Herzog zu einer extrem defensiven Taktik greift, wird es noch schwerer. Der ständig attackierende Greizer führte zur Halbzeit 3:0, musste dann aber nach einem Knöchelgriff – der einzigen Angriffsaktion des Auers – eine 2 abgeben. Trotzdem gab er sein Ziel, 4 Punkte zu holen, nicht auf. Nach gut fünf Minuten, als er nach einem Einsteiger sogar die Chance zum Schultersieg hatte, waren beim 10:2 drei Mannschaftspunkte im Sack. Mit einer Kopfrolle wollte er noch mehr erreichen, doch er kam nicht durch und Herzog kam zu einer leicht erkämpften parallelen Beherrschung, es stand 10:4 und es gab nur zwei Punkte für Greiz. Der Greizer kämpfte vorbildlich und scheiterte mehrmals nur hauchdünn mit weiteren Angriffen. (3:4)
Der amtierende DM-Dritte in der 97 kg-Klasse Rolf Linke – übrigens der Bruder des ehemaligen Greizers Tom Linke – stellte Thomas Leffler (98 kg/g) vor die äußerst schwierigen Aufgabe, gegen einen deutschen Spitzenringer das fehlende Körpergewicht von mehr als 10 Kilogramm zu kompensieren. Wie der Thüringer Polizist diese Aufgabe löste, nötigt Bewunderung ab. Technische Punkte fielen nicht. Auf Grund von Verwarnungen führte erst der Greizer, dann beim 1:1 – durch die letzte Wertung – der aus Stralsund stammende Gästeringer. Thomas Leffler versuchte mit aller Macht, den Kampf noch zu drehen. Am Ende fehlte nicht viel, das bestätigten auch Auer Fachleute. Der junge Kampfrichter aus Luckenwalde, Vladislav Grigorjew, entschied sich aber nicht für eine weitere Bestrafung des Auers, der so den Mannschaftspunkt holte. Es spricht für die Fairness des Greizer Teams und der Zuschauer, dass nach Ende dieses dramatischen Mannschaftskampfes über die Leistung des Schiedsrichters nicht diskutiert wurde. (3:5)
In Westendorf konnte der ursprünglich für die 57 kg-Klasse vorgesehene Russe German Doev zwei Klassen höher nicht überzeugen. Trainer Tino Hempel entschloss sich deshalb, den in der Vorrunde starke Kämpfe abliefernden Alexander Grebensikov (66 kg/f) ins Rennen zu schicken, der auf den ungarischen WM-Teilnehmer Mate Krasznai traf. Zur Halbzeit führte der Greizer 1:0, doch dann drehte der Ungar auf. Auf der Wiegeliste war der Greizer mit genau zwei Kilogramm weniger verzeichnet. Das erscheint wenig, täuscht aber wieder einmal über die wahren Gegebenheiten hinweg. Während der eine mit seinem Normalgewicht auf die Matte ging, hatte der andere sein Körpergewicht gegenüber der Weltmeisterschaft, dort startete er in der 67 kg-Klasse, noch einmal um ein Kilogramm reduziert. Der ungarische Verband hatte in der Vorbereitung auf die WM alle Register gezogen und monatelang intensiv trainiert. Trotzdem wog der Auer einen Monat vor der WM noch 70 kg, der Greizer kämpfte damals äußerst erfolgreich im 61 kg-Limit. Die Gewichtsproblematik und die Trainingsintensität zahlte sich in der zweiten Kampfhälfte für Aue aus, als Krasznai gegen den nachlassenden Greizer groß aufrang, Punkt für Punkt erkämpfte und 16:1gewann. Damit gingen die Gastgeber mit einem 3:9 Rückstand in die Pause.
Nicht der erwartete Franco Büttner trat gegen gegen Martin Obst (86 kg/f) an, der Auer Trainer Björn Schöniger hatte sich selbst aufgestellt. Das hatte zwei Gründe. Erstens sollte das Comeback des sich im Vorkampf gegen Martin Obst verletzenden Franco Büttner nicht ausgerechnet gegen dessen alten Widersacher und Trainingskameraden in Luckenwalde erfolgen, zweitens, und dieser Punkt überwog, hätte das Auer Team mit Büttner die 28- Punkte-Grenze klar überschritten. Der sechsunddreißigjährige Auer Trainer, in seiner aktiven Zeit mehr im griechisch-römischen Stil zu Hause, war gegen den Greizer wie erwartet chancenlos und unterlag noch in der ersten Kampfhälfte 15:0. (7:9)
Vladimir Gotisan (71 kg/f) hatte sich in Führung liegend in Hallbergmoos ohne Zutun seines Gegners verletzt und musste den Kampf aufgeben. Nun knapp sechs Wochen später, ließ er es sich nicht nehmen, obwohl nicht alle Blessuren ausgeheilt waren, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen und auf die Matte zurückzukehren. Er beherrschte William Stier eindeutig und hatte am Ende den für drei Punkte nötigen 8:0 Sieg erkämpft. Die Frage, wie hätte ein fitter Gotisan gekämpft, blieb freilich unbeantwortet. (10:9)
Zum ersten Mal war der für die 80 kg-Klasse vorgesehene polnische Spitzenringer Mateusz Wolny in der Greizer Halle. Allerdings als Zuschauer, noch immer gesundheitlich angeschlagen, konnte er nicht mitwirken. Greiz nominierte den Nachwuchssportler Ron Watzek (80 kg/g), der auf den erfahrenen Francis Weinhold traf. Im Standkampf hielt sich der Greizer ganz gut, im Bodenkampf konnte der ehemalige Bronzemedaillengewinner bei den Männern, der aus Pausa stammt, seine Technik ausspielen. Er siegte noch in der ersten Kampfhälfte mit 15:0. (10:13)
Der vierte Kampf, der anders hätte ausgehen können, war der von Dawid Karecinski (75 kg/g), der auf Krisztian Jäger traf. Als der Kampfrichter in der zweiten Minute gerade den Arm hob, um dem ehemaligen ungarischen Auswahlringer eine Verwarnung zu geben, gelang diesem ein Wurf über den Oberarm, der vier Punkte einbrachte und den Kampf entschied.Der Greizer kam durch eine Verwarnung noch auf 1:4 heran, doch im anschließenden Bodenkampf gelang ihm keine Aktion. Der Studentenweltmeister von 2014 brachte sein Team uneinholbar mit 15:10 in Front.
Die zahlreichen Gästefans skandierten: „Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ als Daniel Sartakov (75 kg/f) zum Abschluss auf die Matte ging. Gegen den Ex-Luckenwalder hatte der Greizer in diesem Jahr bei der deutschen Meisterschaft die Bronzemedaille erkämpft. Obwohl der Gästeringer in Führung ging, konnten die Greizer Zuschauer noch einmal eine hervorragende kämpferische Leistung bewundern. Auch wenn der Mannschaftskampf nicht mehr zu gewinnen war, gab der Greizer alles und kam nach Beinangriffen zum 4:1 Sieg.
Am Ende hieß es 12:15. Das Duell gegen die Erzgebirger endete wie der Vorkampf, diesmal zum Leidwesen der Greizer mit einem Auswärtssieg.

Weitere Ergebnisse des Tages:

SV Siegfried Hallbergmos – SV Wacker Burghausen 6:19
WKG Pausa/Plauen – TSV Westendorf 16:14
kampffrei: SV Johannis Nürnberg

Erhard Schmelzer @10.11.2018

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