RSV Rotation: Superkampf zum 85. Vereinsjubiläum

2.Bundesliga Nord: RSV Rotation Greiz gegen FC Erzgebirge Aue endet 18:11
Martin Obst (rot) gewinnt mit technischer Überlegenheit gegen Willi Wendel.

RSV Rotation Greiz gewinnt gegen den FC Erzgebirge Aue mit 18:11

GREIZ. Greiz war zum 85. Vereinsjubiläum im Ringkampfhoch. Trotz Schulferien kamen mehr als 700 Zuschauer in die Ringerhalle und sie brauchten ihr Kommen nicht bereuen. Hochklassige und spannende, ja dramatische Kämpfe brachten gegen das starke Team des FC Erzgebirge Aue am Ende unter dem Jubel der begeisterten Zuschauer einen kaum für möglich gehaltenen 18:11 Erfolg und damit den sechsten Sieg in Folge.
Die Greizer etablierten sich damit im Führungstrio der Tabelle der 2.Bundesliga Nord. Sie traten bis auf die 61 kg-Klasse mit der erwarteten Mannschaft an. Die Gäste verzichteten mit Brian Bliefner auf einen ihrer ehemaligen Luckenwalder und ließen den Slowaken Robert Olle Gewicht machen. Ein Fehler, wie sich herausstellte.

Wieder einmal hatte der RSV Rotation Greiz durch Vladimir Codreanu (57 kg/f) einen Kampfbeginn nach Maß. Der Ex-Lugauer Kirk Reimer, immerhin schon zweimal Medaillengewinner bei deutschen Männermeisterschaften, wurde durch Beinangriffe, einen Achselwurf und Bodentechniken schon in der ersten Halbzeit mit 16:0 bezwungen (Kampfstand:4:0)
Vor Lukasz Konera (130 kg/g) stand die Aufgabe gegen den fast 30 kg schwereren 12-maligen deutschen Meister Nico Schmidt so wenig wie möglich Punkte abzugeben. Zur Pause führte der 38-jährige zehnmalige WM-Teilnehmer aus Aue zwar schon 7:0, doch der Pole rettete am Ende bei seiner 0:11 Niederlage einen Mannschaftspunkt. (4:3)

Mit Dustin Nürnberger feierte der dritte A-Jugendliche in dieser Saison sein Debüt in der ersten Mannschaft (61 kg/g) Zwar wäre er beinahe gegen den neunmaligen Freistilmeister Emanuel Krause aus Luckenwalde in Führung gegangen, doch dann demonstrierte dieser seine Klasse und siegte in der zweiten Minute mit 16:0 (4:7)

Auf den frischgebackenen polnischen Meister Sebastian Jezierzanski (98 kg/f) wartete eine sehr schwere Aufgabe, traf er doch auf den amtierenden U23-Vizeeuropameister eine Gewichtsklasse höher Mateusz Filipczak. Ein taktisches Gefecht mit dem Ziel, das Risiko zu minimieren war die Folge. Der Auer ging 1:0 in Führung, als er bei einer 30 Sekunden Strafe punktete, doch der Greizer glich noch in der ersten Hälfte aus. Im zweiten Durchgang gab es zwei 30 Sekunden-Strafen, der Greizer machte den letzten Zähler zum 2:2 und sicherte sich so den Siegpunkt (5:7)

Vladimir Gotisan (66 kg/f) musste sich mit dem sich geschickt verteidigenden Vizemeister Philipp Herzog auseinandersetzten, der den Moldawier mit seinen Angriffen nicht gefährden konnte, aber wenig Punkte zuließ. Kurz vor Ultimo stand es 6:0, doch in buchstäblich letzter Sekunde fixierte der Greizer seinen Gegner auf der Matte und holte mit dem 8:0 den dritten Punkt. (8:7)

Nach der Pause musste Tom Linke (86 kg/g) gegen den Ungarn Gabor Madarasi antreten. Und wieder ging ein hochklassiger Fight, bei dem sich die Aktionen der Gegner egalisierten – auch im Bodenkampf gelang kein Punkt- an einen Greizer Kämpfer. Die einzige Wertung fiel durch eine Verwarnung in der vierten Minute zu Gunsten von Linke, der dann das Kunststück fertigbrachte, gegen den zweieinhalb Minuten um den Ausgleich kämpfenden Ungarn nicht in die Defensive gedrängt zu werden. (9:7)

Nun wurde es noch dramatischer und der Aichaer Kampfrichter Robert Reitmaier wurde voll gefordert. Brian Tewes (66 kg/g) hatte mit Christoph Bast einen Gegner, der seine stärkste Zeit in der damaligen 60 kg-Klasse als Vizemeister hatte. Der intensive Kampf stand nach drei Minuten 0:0, dann 1:1. Als der Greizer zum Wurf ansetzte, sein Gegner versuchte zu kontern und beide außerhalb der Matte landeten, vergab der Kampfrichter vier Punkte für Rot. Das konnte zwar der Autor nachvollziehen, nicht aber ein Teil der Gäste. Es bildeten sich dann Ansammlungen von wild diskutierenden Personen beider Seiten auf der Matte, die dort nichts zu suchen hatten.

Der Kampfrichter hatte aber bei diesem von allen Sportlern sehr fair geführten Kampf bald wieder alles unter Kontrolle. Bast kam noch zur Resultatsverbesserung von 5:4. (10:7)

Martin Obst (86 kg/f) ist eine Bank, obwohl diese traditionelle Bezeichnung bei den Vorkommnissen in der internationalen Finanzwirtschaft heute von vielen nicht mehr positiv besetzt ist. Obwohl ihn der Berliner Willi Wendel, immerhin Fünfter der DM, vom Training in der Hauptstadt kennt, konnte dieser auch mit einer starken defensiven Einstellung nicht über die Runden kommen. Hauptsächlich durch Beinangriffe, mit denen Obst die Halle zum Toben brachte, stand es nach fünf Minuten schon 15:0 (14:7)

Daniel Sartakov (75 kg/f) konnte nun einigermaßen beruhigt ringen. Robert Olle ist aber schon lange nicht mehr in der Form, mit der er einst bei den Junioren Vizeeuropameister geworden war. Je länger der Kampf lief, umso dominanter wurde der Greizer, der sich blitzschnell den Angriffsversuchen des Slowaken entzog, um selbst durch Beinangriffe zu punkten. Als Hallensprecher Sascha Förster schon auf das näher rückende Kampfende hinwies, flog Olle nach einem doppelten Beinangriff durch die Luft und der Greizer hatte beim 18:1 den Sack zugebunden. (18:7)

Den letzten Kampf bestritt Mannschaftskapitän Toni Stade (75 kg/g), der es gegen den ungarischen EM-Teilnehmer Krisztian Jäger sehr schwer hatte und im Bodenkampf die Punkte zur 0:15 Niederlage abgeben musste. Trotzdem hatte ein sehr spannender Ringkampfabend, bei dem die Gastgeber drei völlig offene Kämpfe für sich entschieden hatten, für Greiz mit einem klaren Erfolg geendet.
Auch zur 85-Jahrfeier lag das Augenmerk auf der Zukunft. Gleich nach dem Schlusspfiff des Bundesligakampfes machte sich Sebastian Kessel mir sieben Nachwuchssportlern – darunter vier Regionalligaringer – auf die mehr als 400 km lange Tour zum Nachwuchsturnier ins nordbadische Kirrlach.

Stimmen zum Kampf:

Thomas Fähndrich, Präsident Greiz: „Es war eine prima Jubiläumsveranstaltung, an der viele Helfer ihren Anteil hatten. Der Bundesligasieg fiel etwas zu hoch aus. Mit den Siegen von Tom Linke und Brian Tewes konnte man nicht unbedingt rechnen. Die Mannschaft hat eine Superleistung gebracht. Und Martin Obst hat jetzt schon Kultstatus.“

Björn Schöniger, Trainer Aue: „Wir haben hervorragende Kämpfe gesehen. Nach der Pause hat der Kampfrichter etwas die Linie verloren. Es gab allerdings auch einige schwierige Situationen zu bewerten. An unserer Niederlage sind wir aber selbst schuld. Wenn Greiz, wie heute, die stärkste Aufstellung auf die Matte bringt, sind sie die Nummer eins der Staffel.“

Eyleen Sewina, die nach ihrem Turniersieg beim Brandenburg-Cup gerade noch rechtzeitig den Kampfbeginn miterlebte: „Die Stimmung in der Greizer Halle hat sich bis Frankfurt/Oder herumgesprochen. Einige Mädels wollen bald wieder nach Greiz kommen.“

Ehrengast Exweltmeister Uwe Neupert: „Wunderbare Atmosphäre in der Halle. Martin Obst ist der herausragende Ringer in einer vorbildlich kämpfenden Mannschaft.“

Erhard Schmelzer @16.10.2016