RSV Rotation Greiz gegen SC Kleinostheim endet 8:16

RSV Rotation Greiz gegen SC Siegfried Kleinostheim endet 8:16

Greiz. Der Tabellenführer war auch in Greiz nicht zu bezwingen. Zum Saisonauftakt waren die Greizer mit 13:14 in Kleinostheim unterlegen. Nun zu Beginn der Rückrunde, bei der die Stilarten gewechselt werden, ergaben sich andere Kampfpaarungen und neue Möglichkeiten. Obwohl die Ringer des RSV Rotation Greiz diesmal sechs der zehn Einzelkämpfe gewannen, ging der Mannschaftserfolg nach einem spannenden – vier Kämpfe endeten nur mit einem oder zwei Punkten Unterschied und brachten den siegreichen Greizern so nur je einen Mannschaftspunkt – und teilweise hochklassigen Kampfabend doch mit 8:16 Punkten an den SC Siegfried Kleinostheim. Die Zuschauer sahen einen fairen und spannenden Wettkampf mit vielen deutschen Spitzenringern und einigen internationalen Koryphäen. Der Greizer Trainer Tino Hempel kam trotz der deutlichen Niederlage folgerichtig nicht umhin sein tapfer und vorbildlich um jeden Punkt kämpfendes Team zu loben. Bei den Gästen saß neben dem langjährigen Erstligatrainer Gerhard Weißenberger der Olympiazweite von Barcelona und zweifache Weltmeister Rifat Yildiz auf der Trainerbank.
Obwohl diesmal keine Vorkämpfe durchgeführt werden konnten, war die Veranstaltung trotz der Corona – Beschränkungen wie in Greiz üblich wieder einmal hervorragend besucht.

Bei Greiz stand nach fast zwei Jahren wieder der Georgier Zurab Matcharashvili (57 kg/g) im Team. Er traf auf den Freistilspezialisten Niklas Stechele, der in der Vorrunde gegen Ghenadie Tulbea nur 2:4 verloren hatte. Dass der Westendorfer auch im griechisch-römischen Stil ein Ass ist, bewies er schon zum Auftakt, als er schon nach 16 Sekunden 2:0 in Führung ging, aber vor allem. als ihm praktisch mit dem Halbzeitgong eine Viererwertung zum 6:2 gelang. Der Georgier war nun gefordert mehr zu riskieren, mit einer Kopfschleuder kam er zum 6:6 und in der letzten Minute zum 8:6 Sieg. (Mannschaftsstand: 1:0)

Sebastian Wendel (130 kg/f) traf auf einen illustren Gegner. Der Türke Süleyman Karademiz belegte bei den Olympischen Spielen in der 97 kg-Klasse den fünften Rang. Das ist in seinem Falle besonders erwähnenswert, weil er im Normalfall wie auch in Greiz nur 95 kg auf die Waage bringt, während seine Gegner wohl für den Jahreshöhepunkt bis zu 10 Kilogramm Gewicht machten. Die nächst leichtere olympische Klasse ist mit 86 kg allerdings auch schon etwas entfernt. Karadeniz dessen Vorfahren, wie sein Name besagt, wohl am Schwarzen Meer gelebt haben, wurde 2020 in der 92 kg-Klasse Europameister und 2021 in der 97 kg-Klasse Zweiter. Sebastian Wendel hielt sich den Verhältnissen entsprechend gut, war aber dann den Beinangriffen des Gegners nicht mehr gewachsen. Nach 0:11 zur Pause, war der Kampf in der vierten Minute beim Stande von 0:15 verloren. (1:4)

Rasul Galamatov (61 kg/f) musste sich mit dem etwas größeren Ilir Sefai auseinander setzen, der im Vorkampf eine Gewichtsklasse höher von Zhargal Damdinov mit 18:2 bezwungen wurde. Der Kampf dauerte nur 71 Sekunden. Dann stand der Schultersieg des Gästeringers nach einer Beinschleuder fest. Der Greizer hatte seinen Gegner mit dem linken Arm aufgezogen, der deutlich größere Kleinostheimer hatte aber nun gerade über dessen linken Arm gegriffen und diesen nun selbst nach oben gezogen. Der Griff, der nun folgte, heißt zwar Beinschleuder, wichtig ist dabei aber vor allem die Arme des Gegners zu blockieren und zu beherrschen, bevor man einen Fuß zwischen die Beine des Gegners schiebt und einhackt. Und der Vorteil der Beherrschung lag eindeutig beim Gästeringer, der zwar kurz vom Greizer in die Brücke gestellt wurde (4 Punkte), seine Fesselung aber nicht löste und nun den Greizer in einer unentrinnbaren Fesselung hatte. Die Reaktionen der Gäste ließ darauf schließen, dass sie hier nicht unbedingt mit vier Punkten gerechnet hatten. (1:8)

Zum ersten mal stellte sich Vizeweltmeister Alex Szöke (98 kg/g) in Greiz vor. Erst bei der letzten Gelegenheit bei der Qualifikation in Sofia auf den Olympiazug aufgesprungen kämpfte sich der Ungar in Tokio in den Kampf um die Bronzemedaille, wo er allerdings unterlag. Neun Wochen später klappte es allerdings mit der WM-Silbermedaille in Oslo. Sein Gegner Jan Zirn erlernte das Ringen im württembergischen Baienfurt, wurde bei der Jugend und den Junioren deutscher Meister. Seine besten internationalen Erfolge waren Bronze bei der Junioren-WM und der fünfte Rang bei der U23-EM. Nach 90 Sekunden musste Zirn zu Boden, die Rolle des Ungarn führte zum 3:0, der folgende Ausheber klappte nicht mehr. Nach der Pause brachte der Ungar seinen Gegner zu Boden (5:0), doch wieder klappte der Ausheber nicht. Als Zirn noch einmal zu Boden musste, gelang es ihm ohne Punktverlust auf die Beine zu kommen. Der Ungar kämpfte weiter, schien schon den Gegner im Stand von hinten unter Kontrolle zu haben, doch der amtierende deutsche Vizemeister entzog sich geschickt dem weiteren Punktverlust. In dieser Gewichtsklasse schienen mehr als zwei Punkte für Greiz möglich gewesen zu sein. (3:8)

Dawid Karecinski (66 kg/g) musste sich mit dem zweiten Westendorfer, dem dreimalige deutschen Meister Christopher Kraemer, auseinandersetzen. Die Startphase ging mit leichten Vorteilen an den Polen, der nach 90 Sekunden die Chance als Obermann im Bodenkampf bekam (1:0). Nach der ersten Rolle am Boden (3:0) ließ er sofort die zweite folgen, hatte aber Pech. Da sein Gegner aus der Nase blutete (Trainer Yildiz war auf die Matte gestürmt) musste der unauffällig pfeifende Luckenwalder Schiedsrichter Thomas Hausmann die Aktion abpfeifen. Die regelgerecht folgende zweite Chance am Boden brachte nichts ein. Nach der Pause kam Kraemer zur Resultatsverbesserung von 3:1. (4:8)

Kulminationspunkt des Vorkampfes war der Vergleich von Ergün Aydin und Christoph Henn in der 80 kg-Klasse. Der umstrittene 4:2 Sieg des Kleinostheimers sicherte den Gastgebern den Mannschaftserfolg. Nun trafen beide wieder im freien Stil aber in der Gewichtsklasse 86 kg aufeinander. Henn war der einzige deutsche Sportler der Gäste, der noch nie das deutsche Auswahltrikot bei einer internationalen Meisterschaft trug. In der Bundesliga Ost konnte er aber als einer von vier Sportlern alle Kämpfe für sich entscheiden. (Der Greizer Greco-Spezialist Alin Alexuc – Ciuariu gehört ebenfalls zu diesen illustren Kreis) Für Ergün Aydin war das sicher eine große nervliche Belastung, die er aber bravourös bestand. Der Kampf war taktisch geprägt, beide rangen engagiert, scheuten aber das allerletzte Risiko. Trotzdem kamen interessante Angriffs- und
Verteidigungsaktionen zu Stande. Zur Halbzeit führte der Greizer nach einer 30-Sekunden-Strafe des Gegners mit 1:0. Ein Beinangriff am Mattenrand und eine weitere 30-Sekunden-Strafe des Gegners brachten den hart erkämpften aber verdienten 3:0 Erfolg. (6:8)

Joel Wrensch (71 kg/f) traf auf Saba Bolaghi. Der 32-Jährige aus der Gegend von Darmstadt galt vor einem Jahrzehnt als eine der größten deutschen Hoffnungen im freien Ringkampf. Doch nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei der EM 2011 in Dortmund in der 66 kg-Klasse widmete er sich lukrativeren Kampfsportarten. Seit einiger Zeit wieder im Ringkampf aktiv hatte er in der Vorrunde nur einen Kampf bestritten und dabei Lucas Kahnt mit 10:0 bezwungen. In der 71kg-Klasse dürfte er in der Bundesliga auch heute noch kaum zu bezwingen sein. Vor allem seine blitzschnellen Beinangriffe waren von Joel Wrensch kaum zu parieren. In der letzten Kampfminute
stand der 15:0 Sieg des Gästeringers fest. (6:12)

Igor Besleaga (80 kg/g) traf auf seinen moldawischen Landsmann Alexandrin Gutu, den man in der 75 kg-Klasse erwartet hatte. Beide schenkten sich nichts, trotzdem kamen keine zielführenden Aktionen zu Stande. Vor allem der Kleinostheimer trat etwas zu theatralisch auf, dürfte aber mit seinem Stil die Zuschauer in der heimischen Halle begeistern. Die Entscheidung fiel durch zwei angeordnete Bodenrunden (2:0), aus denen der Greizer aber keinen weiteren Vorteil ziehen konnte. (7:12)

Auch beim Kampf zwischen Christian Fetzer (75 kg/g) und Artur Tatarinov ging es knapp zu. Der ehemalige Juniorenmeister aus Traunstein erkämpfte mit dem fünften Platz bei der U23-EM sein international bestes Ergebnis. Der für Greiz kämpfende Routinier aus Württemberg konnte sich in der ersten Kampfhälfte leichte Vorteile erarbeiten, konnte aber seine 1:0 Führung am Boden nicht ausbauen. Die Entscheidung fiel kurz nach der Pause, als der Greizer seinen Kontrahenten von der Matte drängen konnte (2:0). Tatarinov konnte nur noch 90 Sekunden vor Schluss auf 2:1 verkürzen. ((8:12)

Zum letzten Kampf hatten die Gäste gegen Lucas Kahnt (75 kg/f) den erfahrenen 33-jährigen Türken Yakub Gör aufgeboten, der erstmals 2011, damals zusammen mit Saba Bolaghi in der 66 kg-Klasse, in Dortmunder bei einer EM rang. Zwei Jahre später gewann er Silber bei der EM. 2014 in Taschkent wurde er Vizeweltmeister, 2015 in Las Vegas WM-Dritter. Zwei Jahre später in Paris wurde er Fünfter. In diesem Jahr konnte er noch das bestbesetzte türkische Turnier (Yasar Dogu) in der 74 kg-Klasse für sich entscheiden. Lucas Kahnt kam mit der Außenseiterrolle gut zurecht, entzog sich immer wieder geschickt – wenn auch im letzten Moment – den Angriffsversuchen des Routiniers. Erst kurz vor der Halbzeitpause wurde er mit einem Beinangriff erwischt, dem sich zwei Beinschrauben anschlossen. So stand es zur Pause 0:7. Die zweite Runde sah ähnlich aus, erst 11 Sekunden vor Schluss hatte der Favorit den 16:0 Vorsprung herausgearbeitet. Die Gästestaffel hatten mit 8:16 gewonnen.

Der Greizer Ringerverein kann stolz auf seine Mannschaft sein. Gegen die wohl stärkste Mannschaft der Staffel wurden sechs Siege erkämpft. Ob es für die Kleinostheimer in der Endrunde bis ganz nach oben reicht – oder ob Köllerbach, Burghausen, Schorndorf oder Heilbronn doch noch einen Tick stärker sind, wird sich noch erweisen. Beide Vereine setzten drei EU-Sportler ein, die Greizer dazu noch einen Nicht-EU-Bürger (Matcharashvili), während bei den Gästen der seit längerer Zeit in Deutschland lebende Albaner Ilir Sefai startete. Der qualitative Unterschied bestand bei der Besetzung der „deutschen“ Plätze. Hier wurden auf Greizer Seite vier Sportler aufgeboten, die das Ringen in Greiz erlernt haben. (Joel Wrensch, der zwar in Pößneck aufgewachsen ist, dessen Eltern, ein Teil der Großeltern und die Onkel jahrelang im Greizer Verein aktiv waren, sollte man dazurechnen). Die Gäste hatten sich hingegen mit routinierten Sportlern aus dem gesamten Bundesgebiet verstärkt, die fast durchgängig in der nationalen Spitze mitringen und Deutschland regelmäßig in den einzelnen Altersklassen bei internationalen Meisterschaften vertraten oder noch immer vertreten. Selbst der einzige international noch nicht eingesetzte Gästeringer, der wie die Greizer mit -2 Ringerpunkten bewertete Christopher Henn, stammt vom benachbarten Konkurrenzverein Hösbach. Greiz schöpfte dadurch die 28 möglichen Ringerpunkte mit 21 nicht annähernd aus, Kleinostheim (26) hätte hingegen kaum stärker aufstellen können.

Erhard Schmelzer

Einzelergebnisse:

StilartGewichtIstNameIstNamePunkteWertungZeit
Gr.-röm.5756,8Zurab Matcharashvili N (5)56,8Niklas Stechele (3)1:0PS 8:606:00
Freistil6160,9Rasul Galamatov N4 (-2)60,8Ilir Sefai N6 (1)0:4SS 4:201:11
Gr.-röm.6665,9Dawid Karecinski EU (5)65,4Christopher Kraemer (3)1:0PS 3:106:00
Freistil7170,6Joel Wrensch (1)70,9Saba Bolaghi (1)0:4TÜ 0:1505:03
Gr.-röm.8079,6Igor Besleaga EU (5)79,1Alexandrin Gutu EU (5)1:0PS 2:006:00
Freistil8683,9Ergün Aydin (2)83,6Christoph Henn (-2)2:0PS 3:006:00
Gr.-röm.75A73,6Christian Fetzer (2)73,8Artur Tatarinov (2)1:0PS 2:106:00
Freistil75B74,8Lucas Kahnt (-2)74,9Yakup Gör EU (5)0:4TÜ 0:1605:49
Gr.-röm.9896,9Alex Grergö Szöke EU (7)97,8Jan Zirn (3)2:0PS 6:006:00
Freistil13096,3Sebastian Wendel (-2)95,2Süleyman Karadeniz EU (5)0:4TÜ 0:1503:46

Aktuelle Tabelle

PlatzMannschaftAnz.K.Plus:MinusDifferenz +:?
1SC Kleinostheim698:5345 10:2 
2AV Germania Markneukirchen697:6730 10:2 
3KSC Germania Hösbach679:6811 6:6 
4RSV Rotation Greiz683:79  4 6:6 
5RV Lübtheen675:97-22 2:10 
6FC Erzgebirge Aue652:120-68 2:10