RSV Rotation Greiz: Greizer Ringer ziehen den Grizzlys die Zähne

Der Kampf des RSV Rotation Greiz gegen den SV Johannis Nürnberg endet 24:10


GREIZ. Am Samstagabend mussten die drei stärksten bayerischen Vereine in der Ringer-Bundesliga im erzgebirgisch-vogtländischem Raum antreten. Nur in der Greizer Ringerhalle gab es einen Heimsieg zu feiern. Der RSV Rotation Greiz beendete die englische Woche, wie er sie begonnen hatte, mit einem klaren Erfolg. Der Vorjahreszweite SV Johannis Nürnberg wurde mit 24:10 Punkten geschlagen nach Hause geschickt.
Vor nun schon langer Zeit wollte sich der traditionsreiche fränkische Verein ein neues Image zulegen. Man entschied sich für den Namen Johannis Grizzlys und startete von nun ab mit einem Logo, das den Kopf eines Grizzlybären mit weit aufgerissenen Rachen zeigte. Diese Logo zierte sowohl die Trainingsanzüge als auch die Vorderseite der Ringertrikots der Gäste in Greiz. Diesmal blieb die einschüchternde Wirkung aus, nach zehn Kämpfen jubelte das Team mit der Silhouette des Oberen Schlosses auf dem Trikot. Die Greizer hatten den Grizzlys die Zähne gezogen und sieben der zehn Kämpfe gewonnen.
In Bezug auf die Greizer Niederlage am Mittwoch in Hallbergmoos kann man von einer Duplizität der Ereignisse sprechen. Während in Oberbayern für die Greizer manches schief lief, ein Kampf wegen Verletzung aufgegeben werden musste, erlebten die Nürnberger im thüringischen Vogtland Ähnliches.
Dabei hatten beide Teams kurz vor Schluss der Vorrunde einige Probleme. Bei den Gastgebern ist der am Knie verletzte Deutsch-Pole Mateusz Wolny noch immer nicht einsetzbar und Publikumsliebling Vladimir Gotisan betreute zwar die Mannschaft, konnte aber nach seiner Schulterverletzung von Hallbergmoos selbst nicht mitwirken. Johannis-Präsident Dino Noth vermisste sogar drei Spitzenringer: „Der dreifache Europameister Soner Demirtas bereitet sich mit der türkischen Nationalmannschaft auf die WM vor, U23-Europameister Zoltan Levai ist verletzt und Deniz Menekse war dienstlich beschäftigt.“
In Greiz wurden diesmal „nur“ 687 Zuschauer gezählt, Es mag darüber spekuliert werden, woran das lag. Diesmal gab es keinen Vorkampf. Der Mittwochskampf in Hallbergmoos ging mit 10:22 klar verloren. Beim Rekordbesuch gegen Pausa/Plauen waren zahlreiche Gästefans dabei, die diesmal fehlten. Übrigens, auch die 687 Ringkampfanhänger in Greiz bedeuten beim dritten Heimkampf zum dritten Mal Tagesrekord bei allen Bundesligastaffeln. Auf Platz zwei lag mit 450 Besuchern wiederum Kleinostheim in der Nordweststaffel.
Wer den Weg in die Greizer Ringerhalle gescheut hatte, verpasste einiges. Schon der erste Kampf zwischen Vladimir Codreanu (57 kg/f) und dem 22-Jährigen Marcel Sandeck bot Ringkampf vom
Feinsten. Dass man in den letzten drei Jahren nichts von dem Nürnberger gehört hatte, lag an zwei langwierigen Erkrankungen. In Greiz brachte er den Favoriten mehrmals heftig in Bedrängnis.
Beide Sportler erhielten vom fairen Publikum Szenenapplaus. Am Ende gelang dem erfahrenen Greizer, beim Stande von 13:5, doch noch der erhoffte Schultersieg. (Mannschaftsstand: 4:0)
Die Gastgeber kamen durch den zehnfachen Männermeister Rumäniens Alin Alexuc-Ciurariu (130 kg/g) zu einem weiteren wichtigen Sieg. Der 15 kg leichtere Tobias Nendel ging zwar mit einem Konter 2:0 in Führung, doch dann marschierte der Bukarester Polizist nur noch vorwärts, sammelte Punkt auf Punkt und hatte zu Beginn der fünften Minute die zum Kampfabbruch nötigen 15 Punkte Vorsprung herausgearbeitet. (8:0)
Alexander Grebensikov (61 kg/g) lieferte sich mit dem Türken Tolgahan Karatas ein verbissenes Duell, bei dem technische Punkte anfangs Mangelware waren, dafür aber Verwarnungen wegen passiver Ringweise oder Fouls dominierten. Erst in der letzten Kampfminute konnte der Greizer mit offensiven Aktionen den wichtigen 12:2 Vorsprung herausarbeiten. (11:0)
Wieder einmal musste sich Sebastian Wendel (98 kg/f) den Angriffen eines starken ausländischen Ringers erwehren. Am Montag hatte der Tschetschene Akmed Bataew den für die WM nominierten Sven Thiele (Burghausen) im Nachholekampf 10:1 besiegt. Der Greizer verteidigte sich geschickt, behielt bis zum Ende die Übersicht und unterlag 0:12. (10:3)
Für den seit Hallbergmoos angeschlagenen moldawischen Publikumslieblings Vladimir Gotisan kam Abdul Galamatov (66 kg/f) zu seinem ersten Bundesligaeinsatz. Seinem Gegner, dem Bulgaren Stoyan Iliev fehlten zwar die großen internationalen Erfolge, der 30-Jährige ist allerdings mit 92 Siegen und 19 Niederlagen der erfahrenste und erfolgreichste Bundesligaringer der Nürnberger. Der Greizer wollte unbedingt gewinnen, griff sofort an, wurde gekontert und fand sich in der Brücke wieder. Als der Leipziger Kampfrichter Ronald Hartenstein ein Foul des Angreifers sah und in der Brückenposition abpfiff, zog er sich heftige Kritik der Gäste zu. Der Bulgare zog weiter seine Kreise und der konditionell bedingt stark nachlassende Greizer kam um eine 2:17 Niederlage in der fünften Minute nicht herum. Zur Halbzeit führte Greiz mit 11:7.
Im Kampf von Thomas Leffler (86 kg/g) gegen Marc Pöhlmann fiel die Entscheidung nach genau einer Minute. Beide Sportler stießen mit den Köpfen so unglücklich zusammen, das der Nürnberger kurze Zeit später den Kampf bei 0:11 aufgeben musste(15:7)
Dawid Karecinski (71 kg/g) erkämpfte im fünften Kampf seinen fünften Sieg. Sein Gegner war der italienische EM-Dritte Jacopo Sandron, der diesen Erfolg allerdings in der 60 kg-Klasse errungen hatte. Zwei Gewichtsklassen höher war er vor allem im Bodenkampf überfordert und unterlag in der fünften Minute mit 0:16. (19:7)
Martin Obst (80 kg/f) traf zwei Tage vor dem Beginn eines Trainingslagers in Sotschi auf Alexander Michael und machte gegen den sonst in der zweiten Mannschaft kämpfenden Gegner kurzen Prozess. Hauptsächlich mit seinen typischen Beinangriffen punktete er in Serie und hatte kurz vor der Halbzeit seine 15 Punkte bereits auf dem Konto. (23:10)
Mit Vizemeister Tim Stadelmann hatte Daniel Sartakov (75 kg/f) einen sehr starken Widerpart. Beide kämpften auf Augenhöhe, keiner konnte sich absetzen. Entscheidend eine Angriffsaktion des Greizers 30 Sekunden vor Schluss, das ihm schlussendlich einen 4:3 Sieg und dem heftig protestierenden Gästetrainer die gelbe Karte einbrachte. (24:7)
Zum Schluss kamen die enttäuschten Nürnberger zu einer Resultatsverbesserung als der ehemalige Auswahlringer Sven Dürmeier Toni Stade (75 kg/g) mit 8:0 bezwang.

Die Greizer sicherten sich mit dem 24:10 Erfolg den dritten Tabellenplatz und haben am nächsten Wochenende den schweren Gang zum ungeschlagenen Tabellenführer Burghausen vor sich.

Weitere Ergebnisse des Tages:

FC Erzgebirge Aue – SV Wacker Burghausen: 1 : 27
WKG Pausa/Plauen – SV Siegfried Hallbergmos: 8: 27
kampffrei: TSV Westendorf

Stimmen zum Kampf:

Matthias Baumeister (Trainer Johannis Nürnberg: „Wir wussten, dass es in Greiz schwer werden würde, vor allem da wir einige Ausfälle hatten. Mit einigen Entscheidungen des Kampfrichters war ich nicht einverstanden.“
Vladimir Gotisan, der diesmal zusammen mit Sebastian Kessel die Greizer Mannschaft betreute: „Nach dem Wiegen war ich vom Sieg überzeugt. Dass er so hoch ausgefallen ist, freut uns alle. Ich hoffe bald wieder selbst eingreifen zu können.“

Zuschauer: 687
Kampfrichter: Ronald Hartenstein

57kg Freistil: Vladimir Codreanu (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Marcel Sandeck, SV Johannis Nürnberg – 4:0/SS/13:5/03:42
61kg Greco: Alexander Grebensikov (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Tolgahan Karatas, SV Johannis Nürnberg – 3:0/PS/12:2/06:00
66kg Freistil: Abdul Galamatov (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Stoyan Iliev, SV Johannis Nürnberg – 0:4/TÜ/2:17/04:50
71kg Greco: Dawid Karecinski (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Jacopo Sandron, SV Johannis Nürnberg – 4:0/TÜ/16:0/04:24
75Akg Freistil: Daniel Sartakov (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Tim Stadelmann, SV Johannis Nürnberg – 1:0/PS/4:3/06:00
75Bkg Greco: Toni Stade (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Sven Dürmeier, SV Johannis Nürnberg – 0:3/PS/0:8/06:00
80kg Freistil: Martin Obst (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Alexander Michael, SV Johannis Nürnberg – 4:0/TÜ/15:0/02:55
86kg Greco: Thomas Leffler (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Marc Pöhlmann, SV Johannis Nürnberg – 4:0/AS/11:0/02:20
98kg Freistil: Sebastian Wendel (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Akhmed Bataev, SV Johannis Nürnberg – 0:3/PS/0:12/06:00
130kg Greco: Alin Alexuc-Ciurariu (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Tobias Nendel, SV Johannis Nürnberg – 4:0/TÜ/17:2/04:13

Erhard Schmelzer @07.10.2018

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