Greizer Ringer gewinnen Thüringenderby in Artern

2.Bundesliga Nord Ringen: AC Germania Artern gegen RSV Rotation Greiz endet 10:18
Mit blitzschnellen Beinangriffen bezwingt der Greizer Vladimir Gotisan (blaues Trikot) Steve Brylla aus Artern mit 18:2 Punkten.

2.Bundesliga Nord Ringen: AC Germania Artern gegen RSV Rotation Greiz endet 10:18

THALHEIM/GREIZ. Es war ein Superkampftag. Vier Mannschaftskämpfe trugen die drei Ringerteams des RSV Rotation Greiz in der Jugend-, Regional- und 2.Bundesliga aus. Mit vier eindrucksvollen Siegen kehrte man aus dem nur in den oberen Lagen verschneiten Erzgebirge zurück. Im direkten Vergleich gegen die Gastgeber – bei der Jugend war eine Kombination von Thalheim und Lugau der Gegner – gewannen die Greizer 18 von 30 Einzelkämpfen und setzten ihren Siegeszug gegen namhafte Konkurrenten fort. Im Fokus des Interesses stand natürlich der Vergleich des Zweiten der 2.Bundesliga Nord aus Greiz gegen den Dritten, den Ringerverein Thalheim. Mit dem 22:8 Erfolg gelang dem RSV der neunte Sieg in Folge und eine eindrucksvolle Revanche. Seit der 11:15 Heimniederlage Anfang Oktober gegen Thalheim wurden alle Mannschaften der Staffel bezwungen. Der Motor der Greizer Mannschaft läuft nun rund, wie auch an der Höhe der Ergebnisse unschwer zu erkennen ist.

Auf Wunsch der Gastgeber begann Dawid Takunov, der auf Vladimir Gotisan (66 kg/frei) traf. Im Vorkampf war der Thalheimer nicht am Start, sondern erkämpfte bei der polnischen U23-Meisterschaft den dritten Platz. Der Greizer zeigte gleich nach dem ersten Runterreißer mit einer Rollenserie, wer Chef auf der Matte war. 10:0 nach 90 Sekunden. Auch als der gute Kampfrichter Robert Reitmeir aus dem bayerischen Aichach eine Wertung übersah, verließ ihn seine fast provozierend wirkende stoische Ruhe gegen den sich äußerst geschickt verteidigenden Gegner nicht. Mit einem Blick auf die Zeitanzeige änderte er seinen Kampfplan und siegte in 5:21 Minuten mit 17:0. (Stand aus Greizer Sicht:4:0)

Sven Cammin (57 kg/greco) ging gegen den 12 Jahre jüngeren Valentin Heinert schnell 6:0 in Führung. Der Nachwuchsringer, der sein Leistungspotential mit einem Kopf-Hüft-Schwung, der vier Punkte einbrachte andeutete, hielt zwar dagegen, musste aber gegen einen sehr gut aufgelegten Greizer, der seine Stärken im Bodenkampf ausspielte, in der dritten Minute eine 5:22 Niederlage einstecken. (8:0) Sebastian Wendel (130 kg/frei) traf nach zwei Jahren wieder auf den zweimaligen deutschen Vizemeister Radoslaw Dublinowski, der nichts von seiner ringerischen Qualität verloren hat und den Greizer in die Defensive drängte. Zwei Verwarnungen und ein technischer Punkt brachten den 3:0 Sieg des Deutsch-Polen. (8:2)

In der Vorrunde hatte Vladimir Codreanu (61 kg/frei) den Rumänen Ion Donu mit 12:4 nach einem großartigen Kampf bezwungen, diesmal setzte er noch einen drauf. Nur schade, dass von den Greizer Ringkampfanhängern nur die mitgereisten Fans den Kampf des Jahres erleben konnten. Im Bestreben seine 2:0 Führung auszubauen wurde der Greizer zweimal vom ehemaligen Dritten der Junioren-EM gekontert und lag 3:4 zurück. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Mit einem Einsteiger brachte der Greizer seinen Gegner in die Brücke und gewann auf Schultern, dachten die Greizer Fans. Doch der Kampfrichter hatte ein Foul gesehen und abgepfiffen. Eine Minute vor Schluss führte der Rumäne mit einem Punkt, der Thalheimer Anhang tobte. Was dann geschah, ist kaum mit Worten wiederzugeben. Als ob es um sein Leben ging, stürzte der Greizer nach vorn, riss Donu zu Boden, drehte ihn auf den Rücken, drückte die Brücke ein und gewann, was keiner mehr geglaubt hatte, neun Sekunden vor Schluss auf Schultern. „Freistilringen vom Feinsten!“, kommentierte mit Altmeister Johannes Wrensch einer der weiß, von was er spricht. (12:2)

Eine Rolle am Boden und eine Verwarnung brachten Lukasz Konera (98 kg/greco) einen hart erkämpften 3:0 Sieg über den erst 19-jährigen Recken Alexander Tyschkowski. (14:2)

Alexander Grebensikov, der in der Anfangsphase dominierte, liegt Brian Tewes (66 kg/greco) nicht so recht. In der vierten Minute führte der DM-Dritte aus Torgelow 3:0. Die Schlussminuten gehörten dem Greizer, der allerdings nicht mehr zu Punkten kam. (14:4)

Wieder einmal musste Thomas Leffler (86 kg) im freien Stil aushelfen. Thalheim musste zwar Benjamin Opitz ersetzen, brachte aber mit dem Hessen Alexander Hast einen Vizemeister der Junioren. Der Greizer, ausgebildet in der anderen Stilart, hatte im Jugendbereich ab und an auch im freien Stil gekämpft (Dritter in Kleinostheim). Diese Erfahrung und seine Stärken im Bodenkampf brachten schon in der ersten Runde einen 19:3 Erfolg. (18:4)

Tom Linke (86 kg/greco) traf auf die Nummer Eins der Tschechen Petr Novak. Der bei der WM in Las Vegas gegen den alten und neuen Weltmeister gescheiterte Prager bestimmte den Kampf, kam aber selbst im Bodenkampf gegen einen sich clever Verteidigenden zu keiner technischen Wertung. Der 3:0 Sieg resultierte aus Verwarnungen. (18:6)

Toni Stade (75 kg/greco) hatte Pech, als er sich aus der angeordneten Bodenlage befreien und aufstehen wollte. Gegen den fast schon stehenden, aber noch nicht stabilen Greizer kam der kampfstarke Tobias Löffler im Nachsetzen zu einer Viererwertung. Mehr als eine Resultatsverbesserung auf 1:4 war für den Greizer Kapitän nicht mehr möglich. (18:8)

In der Vorrunde hatte Daniel Sartakov (75 kg/frei) gegen den Polen Arkadiusz Szeja 5:6 verloren, ein Sieg war also durchaus möglich. Die ersten schnellen Angriffe des Greizers brachten nichts ein. Dann konterte er einen Beinangriff des U23 EM-Zehnten zum 2:0 und setzte zur Rollenserie an. Beim Stande von 8:0 verletzte sich der Thalheimer an der Schulter und musste den Kampf aufgeben.
Der 22:8 Erfolg gibt in keiner Weise die Ausgeglichenheit und Klasse der Kämpfe wieder. Bei Thalheim stachen die vier ausländischen Asse, die nur zwei Punkte erkämpften, diesmal nicht. Die Greizer haben ihre Position hinter Tabellenführer FC Erzgebirge Aue gefestigt und freuen sich schon auf den nächsten Großkampftag. Bereits am Samstag stellen sich alle drei Teams in der Sporthalle an der Eisbahn vor. In der 2.Bundesliga kommt es dabei zu einem besonderen „Kracher“, dem Vogtlandderby gegen die WKG Pausa/Plauen.

Stimmen zum Kampf:

Tino Hempel (Trainer RSV): „Phantastische Kämpfe einer tollen Mannschaft mit einem überragenden Vladimir Codreanu. Besser konnte die Einstimmung auf das Vogtlandderby nicht sein.“

Dr. Holger Hähnel (1.Vorsitzender Thalheim): „Wir hatten nach einigen Ausfällen gegen eine Lauf habende Greizer Mannschaft eine Niederlage befürchtet. Wir haben tolle und faire Kämpfe gesehen. Das Resultat gibt das Geschehen nur bedingt wieder.“

Erhard Schmelzer @21.11.2015