Aus der Historie des Greizer Ringersportvereins Rotation

Pia Büttner zu: 70 Jahre RSV Rotation Greiz/Mohlsdorf aus dem Jahr 2001

Wir bedanken uns bei den Sponsoren des RSV Rotation Greiz e.V.


Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges standen auch die Ringer vor einem schwierigen Neubeginn. Die Sportsperre in der Anfangsphase war das eine, fehlendes Gerät das andere. In den Notzeiten des Krieges war beispielsweise das Ringerpodium verheizt worden.
Am 26. Oktober 1946 wurde in Zeulenroda (damals zum Kreis Greiz gehörend) ein Kulturausschuß gebildet, dem auch Vertreter des Sports angehörten. Bereits am 1. November 1945 erfolgte die Einsetzung von Martin Böttcher in Greiz als Leiter des Sportamtes, dem unter anderem die Erfassung der Vermögens- und Inventarwerte der liquidierten Vereine des Reichsbundes (Thüringer Volkszeitung vom 12. November 1945) unterlag wie auch die Organisation sportlicher Aktivitäten auf breiter Ebene.
Bereits am 18. November 1946 fand der erste Ringkampf nach dem Krieg statt. Gegner war die Leipziger Mannschaft, die mit 9 : 5 von den Greizer besiegt wurde.
Dazu heißt es unter anderem in der Zeitung Thüringer Volk vom 20. November 1946: … war für die Greizer Ringer der erste Kampf nach dem Krieg… Wenn man bei schwierigen Griffen auch bemerkt, dass die Kraft doch bei einigen etwas nachgelassen hat, so ist das durch Eifer und Aufopferung wettgemacht worden.
Damit war ein neuer Anfang für Ringergeschehen in Greiz gemacht, es fanden wieder Vergleichskämpfe statt und die Zuschauer strömten zahlreich wie in den dreißiger Jahren in die Jahnturnhalle.
1946/47 gab es 18 Kämpfe, wovon 15 gewonnen wurden, einer endete unentschieden und nur zwei Kämpfe mussten die Greizer Ringer verloren geben gegen ihre alten Rivalen aus Leuna.
Im Jahr 1948 sah das Resultat ähnlich aus. Von 20 Kämpfen wurden 16 gewonnen, 1 unentschieden und drei verloren, wobei sie sich diesmal den Zella-Mehlisern gleich zweimal geschlagen geben mussten.
Innerhalb der DDR waren die Ringer aus Greiz eine der rührigsten Sektionen und auch mit der erste Verein, der einen Vergleichskampf mit einer Westberliner Mannschaft durchführte. Dieser wurde am 22. November 1949, fast auf den Tag genau drei Jahre nach dem Neubeginn, gegen Lurich mit 5 : 3 verloren.
Von Jahr zu Jahr steigerten sich die Aktivitäten und Sportveranstaltungen des Ringervereins. So verzeichnete man im Jahr 1949 bereits 29 Kämpfe. Mit 21 Siegen, vier Unentschieden und vier Niederlagen setzte sich dabei die Erfolgsserie fort. Hinzu kamen wertvolle Titel für Greizer Ringer, wobei vor allem ein Name immer wieder auftaucht: Kurt Hoffmann. Er wurde in diesem Jahr nicht nur Meister im Mittelgewicht, sondern belegte in der gleichen Gewichtsklasse auch den 2. Platz bei den Gesamtdeutschen Meisterschaften in Hamburg, wobei er im Entscheidungskampf gegen Gocke (Dortmund) nur knapp unterlag.
Im Sommer 1949 fand auch eine erste Großveranstaltung auf dem Platz der Greizer Stadthalle statt. Dabei traten sich eine Thüringer Landesauswahl und eine Mannschaft aus Hessen gegenüber, den Kampf entschieden die Thüringer mit 6 : 2 für sich, wobei in ihren Reihen auch vier Greizer Ringer antraten und zum Erfolg beitrugen.
Da nach wie vor die Nachwuchsarbeit im Verein eine große Rolle spielte, wurde auch in diesem Bereich viel geleistet und zwei DDR-Jugendmeistertitel für Schleicher und Becker im Jahre 1949 waren Ausdruck für die geleistete gute Arbeit und Lohn der Mühen.
In diesem Jahr schafften es die Greizer Ringer, Sieger der Oberliga-Gruppe Süd zu werden und errangen damit erstmals die Berechtigung zur Teilnahme an den Gesamtdeutschen Meisterschaftskämpfen. 1950 gab es so sechs Kämpfe gegen Vereine aus dem westlichen Teil Deutschlands, wovon immerhin zwei gewonnen werden konnten. Demgegenüber standen ein Unentschieden aber auch drei Niederlagen.

Erste Zeit großer sportlicher Erfolge

Doch gab es im Jahr 1950, genau am 10. September auch den bis dahin größten Erfolg zu verzeichnen. Die Mannschaft wurde zum 1. Mal DDR-Mannschaftsmeister. Den Titel errangen die Ringer im Kampf gegen ihren langjährigen Kontrahenten Leuna und mit Riesenjubel wurde der verdiente Lohn für jahrelanges intensives Training gefeiert. Doch nicht nur die Mannschaft beeindruckte durch ihre geschlossene Leistung, es gab auch wieder Einzel-Titel, insgesamt vier. Bei den Männer errangen Jugold (Fliegengewicht), Lohr (Federgewicht) und Hoffmann (Mittelgewicht) die DDR-Meistertitel, bei der Jugend war es Schleicher (bis 45 kg), der all seinen Kontrahenten das Nachsehen gab.
Von den 29 Kämpfen, die 1950 stattfanden, wurden 22 siegreich beendet, es gab ein Unentschieden und sechs Niederlagen.
Auch im Jahr darauf standen die Greizer Ringer wieder vor großen Aufgaben. Bereits zum Jahresbeginn, am 6. Januar absolvierten sie in Bremen den Ausscheidungskampf gegen die Bremer SV, der mit 5 : 3 verloren wurde. Aber der Rückkampf am 8. Januar, also nur zwei tage darauf, endete mit einem 6 : 2 Sieg, womit die weitere Teilnahme an den Kämpfen um die Deutsche (Gesamtdeutsche Meisterschaft) gesichert war.

Auch die Jugendmannschaft machte wieder mit tollen Leistungen auf sich aufmerksam, nicht zuletzt durch ihren Titel als Thüringer Jugendmeister.
Die Statistik für 1951 besagt, das 20 Kämpfe stattfanden, die mit 13 Siegen, drei Unentschieden und vier Niederlagen verbucht wurden.
1952 verstärkt der Leipziger Bruno Finzel die Greizer Mannschaft. Wieder war es ein überaus erfolgreiches Jahr. Zum zweiten Mal in Folge wurden die Greizer DDR-Mannschaftsmeister im Ringen, wobei Mannschaftsführer Rudi Gebhardt großen Anteil an dem Erfolg hatte. In den Nachkriegszeit war er der erste, der sich um den Neuaufbau der Mannschaft bemühte.
Im Vergleich zu 1951 fanden ein Jahr später fast die doppelte Anzahl Kämpfe statt, 39 waren es an der Zahl. 30 davon wurden siegreich beendet, es gab vier Unentschieden und fünf Niederlagen. Unter der großen Anzahl befinden sich aber auch elf Vergleichskämpfe gegen führende westdeutsche Vereine, die mit einer erfolgreichen Bilanz abgeschlossen wurden. Acht Siegen standen nur drei Niederlagen gegenüber.

1953 war die Greizer Ringerequipe wieder bei den Kämpfen um die Gesamtdeutsche Meisterschaft vertreten. Diesmal wurden sie DDR-Vizemeister, auch bedingt durch das systematische Training der Schwerpunktmannschaft Leuna, dem die Greizer nur ihren Siegeswillen und ihr Talent entgegensetzen konnten.
Doch im Einzelbereich gab es einige Titel für die Ringer der ostthüringischen Kleinstadt. So errangen Büttner und Schaarschmidt zwei DDR-Jugendmeistertitel, bei den Männer gab es gar drei frischgebackene DDR-Meister, darunter zwei Doppelmeister (Hoffmann und Becker), die den Titel im klassischen sowie freien Stil erkämpfen, sowie Bruno Finzel im Weltergewicht im klassischen Stil. Und auch bei den gesamtdeutsche Meisterschaften gab es gute Platzierungen zu vermelden, Kurt Hoffmann und Gerhard Lohr belegen jeweils dritte Plätze und stehen mit auf dem Siegertreppchen.
Bei fast allen Final-Kämpfen von Turnieren in der DDR waren Greizer Ringer beteiligt und stellten oftmals den Sieger. Insgesamt gab es auch wieder fünf Vergleichskämpfe zwischen Ost und West, die in freundschaftlicher Atmosphäre und sportlich verliefen.
Von den 29 Kämpfen im Jahre 1953, entschieden die Greizer Ringer 23 für sich, zwei Begegnungen endeten unentschieden und viermal mussten sie sich einer stärkeren Mannschaft beugen.
1954 waren die Ringer aus Greiz überlegener Gruppenmeister der Gruppe Süd. Beim Kampf um die DDR-Meisterschaft in Suhl kam es jedoch zum Kampfabbruch wegen einer Fehl-Entscheidung im Fliegengewicht. Die Mannschaft verlor die Nerven und mußte eine längere Sperre in Kauf nehmen. So kam es, dass es 1954 lediglich große Erfolge bei Einzelmeisterschaften zu verzeichnen gab. Finzel und Hoffmann wurden DDR-Meister im Welter- bzw. Mittelgewicht, Lohr erkämpfte im Federgewicht den Titel des DDR-Vizemeisters. Auf Grund seiner großen sportlichen Erfolge wird Kurt Hoffmann 1954 die Auszeichnung Meister des Sports verliehen.

Auch 1954 setzte sich, nicht nur statistisch gesehen, die Erfolgsserie der Ringermannschaft fort. Es gab insgesamt 24 Kämpfe, davon 18 Siege, fünf Niederlagen und ein Unentschieden.
1955 tritt vor allem Jugendmannschaft in den Vordergrund, sie wird überlegener Sieger der Bezirks-Jugendmannschaftsmeisterschaft und belegt punktgleich mit dem Sieger Stahl Eisleben den 2. Platz bei DDR-Jugend-Meisterschaften.
Die Reservestaffel führt zahlreiche Vergleichskämpfe durch, um die Jugendringer auf die Oberliga-Mannschaft vorzubereiten und Wettkampfluft schnuppern zu lassen.
In diesem Jahr gibt es 28 Kämpfe, davon 22 Siege, ein Unentschieden und fünf Niederlagen. In dieser Statistik ist jedoch lediglich ein Kampf der Oberliga-Mannschaft gegen Leuna enthalten.
Kurt Hoffmann wird 1955 bereits zum 9. Mal DDR-Meister, aber er erringt auch den Turniersieg beim großen Werner-Seelenbinder-Ringen.
Das Jahr 1956 wartet wieder mit schweren Oberliga-Kämpfe auf. Der freie Stil ist die schwierigere Stilart für die BSG Rotation, dennoch erkämpfen sie den 2. Platz in der Gruppe Süd hinter Motor Artern. Im klassischen Stil lassen sie sich den Gruppensieg nicht nehmen und sind somit berechtigt zur Teilnahme an den Endkämpfen. Nach Niederlagen gegen Leuna und Suhl bleibt ihnen der 3. Platz, doch zeichnet sich die Mannschaft weiter durch ihre ungebrochene Kampfkraft und Moral aus.
Erstmals wird 1956 in Greiz ein internationaler Vergleichskampf auf Vereinsbasis ausgetragen. Gast ist die dänische Mannschaft Hif Husum, in spannenden Kämpfen siegen die Greizer schließlich mit 5 : 3. Auch 1956 war für den Greizer Ringkampfsport wieder ein sehr erfolgreiches Jahr. Von Anfang Januar bis Ende Oktober 1956 gab es insgesamt 18 Kämpfe, die mit elf Siegen, zwei Unentschieden und fünf Niederlagen die positive Bilanz des Greizer Ringskampfsports fortsetzten.

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