Lucas Kahnt

Greiz. Bei seinem ersten Start bei einer internationalen Meisterschaft hätte es für den Greizer Ringer Lucas Kahnt kaum schlechter kommen können. Bei den U23-Europameisterschaften in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje traf er in der Gewichtsklasse 74 kg im freien Stil bereits in der ersten Runde am Dienstag auf den großen Favoriten in dieser Gewichtsklasse. Der Vertreter Rußlands in dieser Kategorie war der russische Meister der Männer von 2020 Chermen Valiev. Die U 23-EM ist nur eine Zwischenstation für den Osseten aus Wladikawkas, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien im Kaukasus. Das Ziel des 23-Jährigen ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen, am besten schon in diesem Jahr. Dass er das Zeug zur Nummer Eins in seinem Land hat, bewies er mit seinem Meisterschaftssieg 2020, als er im Finalkampf den Weltmeister von 2019 David Baev bezwang, der übrigens auch in Wladikawkas lebt und trainiert, allerdings in einem anderen Sportklub.
Bereits beim Kampfbeginn konnte der Russe den Greizer mit einem Beinangriff überraschen. Der gab dadurch zwar keinen Punkt ab, geriet aber in die Fesselung zur Beinschraube, die sein Gegner drei mal ausführte und so schnell 0:6 führte. Mit 1:7 ging es in die Pause. Dann gab es wieder einen der typischen überfallartigen Beinangriffe des Russen, dem er eine Rolle am Boden folgen ließ. Der erste internationale Auftritt des Greizers ging so mit 1:11 verloren, Der Russe bezwang nacheinander seine Gegner aus Aserbaidschan, Rumänien, Georgien und Armenien und holte sich nach dem Vizeweltmeistertitel von 2019 mit dem Europameistertitel in diesem Jahr die zweite Medaille bei der U23.
Für den Greizer ging es am Mittwoch in der Hoffnungsrunde gegen den Aserbaidschaner Ashraf Ashirov weiter, der bereits im April für sein Land bei den Europameisterschaften der Männer gestartet war. Der schnelle Aserbaidschaner punktete mit Beinangriffen und kam schließlich auch mit Rollen am Boden zum 11: 0 Erfolg. Der Sieger bezwang danach den Rumänen und unterlag im Kampf um Bronze gegen den Georgier Gamkrelidze mit 1:3. Lucas Kahnt hatte als einer der Jüngsten im Feld die bisher einmalige Chance gegen international erprobte Sportler Erfahrungen zu sammeln. Das Los darf aber beim nächsten mal durchaus etwas günstiger ausfallen.

Die zweite Vertreterin aus Thüringen, die am Mittwoch auf die Matte trat, war die für den KSC Apolda startende Anne Nürnberger. In der Gewichtsklasse 59 kg besiegte sie im ersten Kampf die Türkin Elvira Kamaloglu sicher mit 3:0. Im zweiten Kampf traf sie ebenfalls auf die Favoritin, die moldawische Welt- und Europameisterin der Frauen der Vorjahres Anastasia Nichita, und unterlag erwartungsgemäß mit 0:10. Am Donnerstag hat sie die Chance nach einem Erfolg über die bezwingbare Serbin Anna Fabian den Kampf um die Bronzemedaille gegen die Ukrainerin Solomiia Vinnyk zu erreichen.
Mit Eyleen Sewina (65 kg) greift am Donnerstag die zweite Greizer Vertreterin in die Kämpfe ein. Allerdings trifft auch sie auf eine Sportlerin aus Rußland. Die Dritte der russischen Meisterschaften der Frauen, Dinara Kudaeva wird ihre Kontrahentin sein.

Erhard Schmelzer