Eyleen Sewina: Bei Vizeeuropameisterin geht es im Leistungssport zielgerichtet weiter

Greiz. Am Donnerstag standen für Eyleen Sewina vom RSV Rotation Greiz bei den U23-Europameisterschaften im Ringen in der nordmazedonischen Hauptstadt Skopje ihre ersten beiden Kämpfe auf dem Programm. In der Gewichtsklasse bis 65 kg bezwang sie zum Auftakt die Russin Dinara Kudaeva nach einem spannenden Kampf mit 2:0. Im Viertelfinale musste sie sich allerdings Katarina Zelenykh, der Weltcup-Dritten aus der Ukraine, geschlagen geben. Da die Ukrainerin das Finale erreichte, konnte Eylen Sewina deshalb am Freitag die Kämpfe in der Hoffnungsrunde mit dem Ziel, die Bronzemedaille zu erringen wieder aufnehmen. Erste Gegnerin war hier die Weißrussin Viktoria Dzehtsiarenka. Die Studentin aus Berlin begann sehr konzentriert und engagiert und konnte sich so optische Vorteile erarbeiten. Mitte der ersten Runde wurde die Weißrussin zu aktiverer Ringweise aufgefordert. Gegen die nun etwas offensivere Kontrahentin gelang Eyleen ein Runterreißer. Mit dieser 2:0 Führung ging es in die Halbzeit. Nach der Pause gelang ihr trotz spektakulärer Gegenwehr noch einmal die gleiche Aktion. Doch die sichere 4:0 Führung war durch eine einzige Aktion der Gegnerin dahin. Mit einer Aktion, die man meist bei den Männern im griechisch-römischen Stil sieht, ging die Weißrussin 37 Sekunden vor Schluss 4:4 in Führung. Doch Eyleen behielt die Nerven und kam in dieser prekären Situation schon nach 16 Sekunden gegen die sich wieder entschlossen wehrende Weißrussin mit dem dritten Runterreißer wieder zur 6:4 Führung. Bundestrainer Christoph Ewald rief: „Noch 14 Sekunden!“ In den letzten Sekunden erhielt Eylen zwar noch eine Verwarnung, doch der Kampf um die Bronzemedaille am Abend war erreicht.
Gegnerin hier war eine alte Bekannte. Gemeinsam standen 2018 Eyleen Sewina und die gleich alte Türkin Asli Demir bei der Siegerehrung bei den Junioren-Europameisterschaften 2018 in Rom auf dem Siegerpotest. Das Mädchen aus Greiz war Vizemeisterin geworden, die Türkin hatte – allerdings ohne gegeneinander gekämpft zu haben – einen der beiden dritten Plätze belegt. Nun trafen sie direkt aufeinander. Nur eine konnte eine Medaille erringen. Die Türkin ist eine sehr erfahrene Sportlerin, die seit 2015 ihr Land regelmäßig bei internationalen Meisterschaften vertritt. Beim an Stelle der Weltmeisterschaften der Frauen im vergangenen Dezember ausgetragenen Weltcup in Belgrad, hier nahmen allerdings die starken Japanerinnen und US-Amerikanerinnen nicht teil, wurde sie Fünfte.
Die Türkin begann sehr couragiert, führte schon nach 13 Sekunden mit 1:0. Als Eyleen Sewina Mitte der ersten Halbzeit mit einer Zeitstrafe belegt wurde, bewies sie ihre Fähigkeit sofort zu reagieren und kam postwendend zum 1:1 Ausgleich. Die Türkin konterte und drängte sie wieder von der Matte, doch wieder kam die Greizerin zum 2:2 Gleichstand, der nach den etwas speziellen Ringkampfregel, wobei bei Gleichstand zuerst die höhere und dann die später erzielte Wertung die höhere Priorität besitzt, die Führung bedeutete. Die kampfstarke Türkin versuchte nun das Blatt mit einer Armklammer zu wenden, wurde aber unsanft auf den Rücken befördert: 6:2 für die Deutsche. Die Türkin gab aber nicht auf. Eyleen erhielt die nächste Verwarnung und wurde Sekunden später zum dritten mal von der Matte gedrängt: 6:3. Würde sie die letzten 100 Sekunden überstehen? In dieser schwierigen Situation gelang ihr eine spektakuläre Aktion, die durchaus in den Jahresrückblicken unter „Best moves of the year“ auftauchen könnte. Mit einem doppelten Beinangriff hob sie ihre Gegnerin hoch, die im hohen Bogen auf dem Boden landete und sich völlig überrascht schultern ließ. Eyleen Sewina hatte bei den U 23 Europameisterschaften die Bronzemedaille erkämpft. Wie bei den Junioren-Europameisterschaften 2018 war sie die erfolgreichste deutsche Starterin.

Erhard Schmelzer