29. September 2020

Vier Siege in nur 104 Sekunden

Norman Heisig erringt Silbermedaille bei deutschen Meisterschaften
Finalkampf Norman Heisig (blau) - Sebastian Schmidt (KSV Schriesheim)

Norman Heisig erringt Silbermedaille bei deutschen Meisterschaften

HÖRSBACH. Nach Toni Stade und Eyleen Sewina ist nun Norman Heisig der dritte Silbermedaillengewinner bei Deutschen Meisterschaften vom RSV Rotation Greiz in diesem Jahr. Der Obergrochlitzer erkämpfte bei den nationalen Titelkämpfen der Jugend Altersklasse B im unterfränkischen Hösbach mit dem zweiten Platz den bisher größten Erfolg seiner bisherigen noch jungen Laufbahn. Der im August 2000 in Greiz geborene Gymnasiast, mehrfacher Thüringer und Mitteldeutscher Meister uns Sieger zahlreicher Turniere, war erstmals bei deutschen Titelkämpfen startberechtigt.
Für die Delegation der Greizer Ringer wurde die Fahrt ins klimatisch günstiger gelegene Rhein-Main-Gebiet zu einem Ausflug in den Frühling, auch wenn nicht alle Blütenträume reiften. Die Trainer Andreas Mattern und Siegfried Lippke hatten drei Sportler aufgeboten, denen man etwa gleichgroße Chancen eingeräumt hatte, im vorderen Drittel zu landen.

Dieses Ziel erreicht diesmal nur Norman Heisig. Dabei muss man berücksichtigen, dass es bei diesen Titelkämpfen keinen Verein gab, der mehr als eine Medaille erkämpfen konnte, d.h. die 30 Medaillen gingen an 30 Vereine, was für die Ausgeglichenheit bei der Nachwuchsarbeit im deutschen Ringkampfsport spricht. Durch eine Superleistung kam Norman Heisig in der Gewichtsklasse 42 kg, in der auch Dustin Nürnberger und 17 weitere Kontrahenten kämpften, ins Finale. Erster Gegner war am Freitagabend Jan Beckmann vom VFL Tegel. Nach 40 Sekunden hatte der Berliner die erste Runde 0:6 verloren, in der zweiten lag er nach 10 Sekunden auf den Rücken. Am Sonnabendmorgen folgte nach einem Freilos Stefan Krumbholz, der beim deutschen Mannschaftsmeister ASV Mainz 88 vom ehemaligen deutschen Meister Cengis Cakici trainiert wird. Kaum hatte der auf dem Trainerstuhl Platz genommen, musste er das Feld schon wieder räumen, da sein Schützling nach 15 Sekunden eine Schulterniederlage hinnehmen musste. Den einzigen Poolkampf der über die volle Kampfzeit lief, absolvierte der Greizer gegen Quinten Butler vom Hösbacher Nachbarverein Damm. Der dunkelhäutige Sohn eines US-Soldaten hatte zwei Kämpfe allein durch Kontergriffe klar gewonnen.

Hier ging Norman Heisig etwas vorsichtiger zu Werke, gewann die erste Runde 2:0 und die zweite, nachdem er den einzigen Punkt in der Vorrunde abgegeben hatte, 2:1. Der nächste Gegner hieß Danny Loritz , kam von der WKG Untere Nahe im Rheinland. Dieser Kampf wurde zu einem weiteren Highlight. Der Greizer griff sofort an, der Gegner wollte sich mit einem Griff zum Kopf verteidigen, Norman riss wie im Lehrbuch seinen Kopf nach oben und hatte seinen Widerpart im Griff, der im hohen Bogen auf die Schultern segelte. Die Kampfrichter zogen einstimmig, die im freien Ringkampf seltene 5 als höchste im Ringkampfsport zu vergebende Wertung.

Dieser Kampf dauerte 29 Sekunden. Im Poolfinale stand der Lübtheener Fabian Schmidt bereit, der ebenfalls vier klare Siege vorweisen konnte. Wer einen spannenden Vergleich erwartet hatte, wurde enttäuscht. Der Mecklenburger griff an, indem er nach vorn sprang. Norman drehte ihn im Sprung, so dass er auf dem Rücken landete. Alles dauerte ganze 10 Sekunden. Im Finale stand nun der ein Jahr ältere Nordbadener Sebastian Schmidt (KSV Schriesheim) bereit, der im Vorjahr den vierten Platz belegte. Der hatte sich intensiv vorbereitet, besucht zweimal wöchentlich das Vereinstraining und fährt mit seiner Mutter zweimal zum 30 km entfernten Stützpunkttraining des Landesverbandes. Er war auf die Minute topfit und hatte bereits in der zweiten Runde mit einem 5:0 und 6:0 Sieg Dustin Nürnberger aus dem Turnier geworfen. Hier fand der Greizer seinen Meister. Mit schnellen überfallartigen Beinangriffen ging der Nordbadener 3:0 in Führung. Zwar bot sich für Norman durch einen Beinangriff noch einmal die Chance zum Ausgleich, doch er konnte sie nicht nutzen.

Der zweite Abschnitt ging mit 0:2 verloren. Trotz der abschließenden Niederlage hat Norman Heisig eine Superleistung vollbracht. Er gewann fünf seiner sechs Kämpfe, benötigte für seine vier Schultersiege nur 104 Sekunden. Die anderen beiden Greizer kamen zwar nicht in die Medaillenränge, enttäuschten aber keineswegs. Auch sie trafen auf die späteren Meister und zeigten bei ihren Niederlagen guten Ringkampfsport. Dustin Nürnberger hätte seinen ersten Kampf gegen Alexander Rauch (Taisersdorf) durchaus gewinnen können, kam aber durch einen Fehler ins Hintertreffen. Auch Lucas Kahnt (38 kg) kam nicht unter die ersten Zehn, was vor allem am Freitagskampf lag. Kurz nach dem Wiegen noch nicht wieder richtig fit führte er im ersten Kampfabschnitt gegen Erwin Semke (Lahr) kurz vor Schluss 1:0, musste aber noch den Ausgleich hinnehmen und gab die Runde ab. Die zweite Runde ging mit 3:6 verloren. Der sehr starke Orlando Gutmann (Hof), gegen den er noch nie gewinnen konnte, versuchte zwar mit unfairer Härte zum Sieg zu kommen, wurde aber nach konzentrierter Leistung mit 2:1 und 1:0 besiegt. Im weitaus stärkeren Pool kämpfend kam dann das Aus durch einen der stärksten Ringer der Meisterschaft, den alten und neuen Meister Johannes Voegele (Adelhausen), dem aber beim 2:0 und 1:0 alles abverlangt wurde.

Trainer Andreas Mattern, der den größten Anteil am Erfolg hatte, zog eine positives Fazit: Viele Favoriten wurden hier gestürzt. Einer unserer drei Sportler kam durch. Daran haben alle, die jahrelang mit Norman trainiert haben, ihren Anteil. Die Vorbereitung lief bei ihm wirklich nicht optimal. Nach einem Zehenbruch bei der Hausarbeit warfen ihn immer wieder verschiedene Krankheiten zurück. Buchstäblich im letzten Augenblick wurde er erst fit. Sein Erfolg wird den anderen Auftrieb geben.

Erhard Schmelzer @24.03.2013

Mehr vom RSV Rotation Greiz

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen