3. März 2021

Trotz Schulterniederlage gegen Weltmeisterin erkämpft Eyleen Sewina Rang fünf

Women´s Wrestling National Team of Germany
Women´s Wrestling National Team of Germany. Foto DRB

Etwas aufgeregt war Eyleen Sewina schon als sie zusammen mit der deutschen Mannschaft zum ,Grand Prix de France Henri Deglane“ nach Nizza flog. Immerhin war es ihr erster großer Ringerwettkampf seit ihrer Teilnahme an den Welt- und Europameisterschaften der Juniorinnen im Jahre 2018. Bei den Europameisterschaften gelang ihr mit dem Gewinn der Silbermedaille ein hervorragender Erfolg. Bei der Weltmeisterschaft landete sie zwar „nur“ auf Rang 9, doch Fachleute bescheinigten ihr eine starke Leistung. Im Folgejahr verhinderte eine Verletzung ihre Teilnahme an den internationalen Titelkämpfen der Altersklasse U23. Als der Neustart 2020 beginnen sollte, setzte bald die Corona-Krise das Stoppzeichen. Darunter litt sowohl ihr Studium an der Freien Universität Berlin als auch ihr Training am Bundesstützpunkt in Frankfurt an der Oder. Im Gegensatz zu anderen Sportlern ist es den Aktiven des Bundeskaders auch während des gegenwärtigen Lockdowns gestattet unter bestimmten Hygienebedingungen zu trainieren. Der Bundesstützpunkt in Frankfurt/Oder bietet mit seiner leistungsstarken Trainingsgruppe hervorragende Bedingungen.
Das Turnier in Nizza in der Altersklasse der Frauen entwickelte sich erwartungsgemäß zum bisher leistungsstärksten an dem sie teilnahm. Obwohl die Wettkämpfe bei den Frauen nur in den sechs olympischen Gewichtsklassen ausgetragen wurden, starteten 81 Sportlerinnen aus 12 Ländern. Der Wettkampf begann für Eyleen Sewina äußerst erfolgreich. In der Gewichtsklasse 68 kg traf sie auf 12 Kontrahentinnen unter denen sich auch die dreifache deutsche Meisterin Maria Selmaier befand, die jetzt für Apolda kämpft. Im ersten Kampf bezwang Eyleen die Türkin Vahide Nur Gok sicher mit 7:0. Im zweiten Kampf ging es gegen die Französin Kendra Dacher, die im Vorjahr bei der EM Platz sieben belegt hatte. Mit einem Beinangriff ging die Greizerin 2:0 in Führung, die sie bis zum Ende auf 4:0 ausbaute und sicher siegte. Die nächste Gegnerin war allerdings von einem anderen Kaliber. Die US-Amerikanerinnen waren mit einem Superteam angereist. In der Endabrechnung gewannen sie vier der sechs Gewichtsklassen, erkämpften dazu noch drei Silbermedaillen. Eyleens nächste Gegnerin im Halbfinale, die Weltmeisterin Tamyrah Mensah – Stock, hatte in der Vorwoche in Amerika das Kunststück fertiggebracht die eine Gewichtsklasse höher kämpfende viermalige Weltmeisterin Adeline Gray mit 4:0 zu bezwingen und war klare Favoritin. „In der ersten Runde konnte ich gut mitringen und glücklicherweise auch einen Beinangriff abwehren. In der zweiten Runde hat sie mich aber erwischt und ich musste beim Stande von 0:6 eine Schulterniederlage einstecken“, sieht die Berliner Studentin den Kampf realistisch. Mensah-Stock gewann dann im Finale mit 6:1 gegen ihre Landsmännin Molinari. Eyleen Sewina traf im Kampf um Bronze auf die Türkin Asli Demir, die vor einem Monat beim Weltcup in Belgrad den fünften Platz belegt hatte. Bei diesem Kampf war Eyleen im Rückblick nicht mit sich zufrieden: „Der Türkin gelang bei einer Angriffsaktion eine Vierer-Wertung. So lag ich kurz vor Schluss mit 5:6 in Rückstand, musste noch einmal angreifen, wurde gekontert und unterlag 5: 8.“ So verpasste sie zwar die Bronzemedaille knapp, aber auch der fünfte Platz ist aller Ehren wert. Interessant ist auch das Fazit der Sportlerin: „Insgesamt bin ich mit meiner Leistung zufrieden. Ich weiß nun, woran ich noch arbeiten muss. Die „Vier“ der Türkin war ein Fehler von mir, aber aus Fehlern lernt man und ich werde daran arbeiten. Es war nach einem Jahr Pause wieder mein erster Wettkampf und das habe ich auch gemerkt: Trainingswettkämpfe und wirkliche Wettkämpfe sind doch ein großer Unterschied.“
Maria Selmaier bezwang die Türkin Nazar Bekir 7:0, unterlag dann der Argentinierin Luz Vasquez mit 2:6. In der Hoffnungsrunde bezwang sie die Italienerin Laura Godino 6:0, schied aber nach einer 1:4 Niederlage gegen die spätere Dritte Asli Demir als Siebente aus. Die zweite Starterin aus Apolda, die aus Werdau stammende Anne Nürnberger (62 kg), musste gegen Macey Kilty (USA) und Aurora Campagna (Italien) Niederlagen einstecken und kam auf Rang 9. Insgesamt gelangen den 16 startenden deutschen Frauen der Gewinn von drei Medaillen.

Erhard Schmelzer

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