Ringen: Lucas Kahnt mit Leistungssprung beim Kaderturnier

Philipp-Seitz Gedächtnisturnier SC Kleinostheim

20. Philipp-Seitz-Turnier in Kleinostheim – best besetztes Nachwuchsturnier

KLEINOSTHEIM/GREIZ. Am Sonntag stand mit dem 20.Philipp-Seitz-Turnier in Kleinostheim das wohl bestbesetzte deutsche Nachwuchsturnier im freien Ringkampf auf dem Ringkampfkalender. Da die meisten Greizer Starter am Samstag noch in der Regionalliga aktiv waren, musste die mehr als dreistündige Anreise am frühen Morgen durchgeführt werden.
Seit mehreren Jahren wird dieser Wettkampf in der Altersklasse der Junioren und A-Jugend als Sichtungsturnier des Deutschen Ringer-Bundes ausgeschrieben. Für alle Sportler, die sich Hoffnungen machen, Deutschland 2017 in der Nationalmannschaft zu vertreten, war also Erscheinen Pflicht. Da außerdem im Gegensatz zu den deutschen Titelkämpfen Aktive mit ausländischem Pass startberechtigt waren, schienen zahlreiche Gewichtsklassen besser als bei den deutschen Meisterschaften besetzt.

Wie schwer eine Niederlage bei einem Sichtungsturnier wiegen kann, bekam im Vorjahr Eyleen Sewina zu spüren, als sie eben auf Grund einer Niederlage bei einem solchen Wettkampf trotz deutschen Meistertitels nicht für die Europameisterschaft nominiert wurde.

Beim traditionsreichen Verein in der Nähe von Aschaffenburg traten bei den genannten Altersklassen sowie bei der B- und C-Jugend 382 Aktive aus 112 Vereinen an. Interessant dabei – auch im Bezug auf die angestrebten Umstrukturierungen im Bundesligabereich – ist die Tatsache, dass von den acht Erstligisten nur die im hinteren Feld platzierten Köllerbach und Mainz mehrere Sportlern am Start hatten. Nendingen und Adelhausen waren mit je einem Sportler angereist.
Von den zehn Mannschaften der 2.Bundesliga Nord hatten sieben Vereine Vertreter auf die acht Matten in Kleinostheim geschickt. Im Greizer Trikot gingen acht Sportler über die Waage. Erfolgreichster Staeter mit Platz vier war Lucas Kahnt (A-Jugend), der in der mit 34 Teilnehmern am stärksten besetzten 63 kg-Klasse antrat.
Er setzte sich in den letzten Minuten gegen den Mülheimer Mohammed Yildirim mit 6:3 und den Hessen Stefan Epereschi (Wolfshagen) mit dem gleichen Resultat durch. Der Köllerbacher Luca Theobald wurde mit 16:0 von der Matte gefegt. Im vierten Kampf gegen den zweimaligen deutschen Meister und EM-Starter 2015 David Brenn vom Jugendmannschaftsmeister Tennenbronn, der später Zweiter wurde, setzte es mit 5:7 die erste Niederlage. Der Südbadener Marcel Käppeler (Taisersdorf) gab seinen Kampf gegen den Greizer wegen einer Verletzung auf. Damit war der Kampf um den dritten Platz erreicht, der allerdings gegen den amtierenden Vizemeister Nils Klein (Köllerbach) mit 2:5 verloren ging. Trotzdem eine sehr starke Leistung des in Leipzig Trainierenden nach seiner Verletzung im Vorjahr. Turniersieger wurde der Daghestaner Schamil Gadshiev (Ladenburg), der Brenn bezwang.

Der für Thalheim startende Bruder von Lucas Maximilian Kahnt (Junioren/74 kg) konnte im Vierzehnerfeld die Bronzemedaille erringen. Nach zwei 10:0 Erfolgen gegen Alexander Mutz (Ehningen) und Fabian Stachowiak (Braunsbedra) bezwang er Denis Rubach (Nendingen) 10:5. Die einzige Niederlage gab es mit 4:8 gegen den späteren Zweiten Andre Winkler (Fachsenfeld). Im Kampf um Bronze bezwang er seinen Trainingspartner Muslim Kantaev (KFC Leipzig) klar mit 12:2.

Da schon in den Altersklassen des Jahres 2017 gekämpft wurde, starteten die Galamatov-Brüder und Joel Wrensch erstmals in neuen Altersklassen und hatten damit die erwarteten Schwierigkeiten. Rasul Galamatov (A/50 kg), der wieder wegen des Mannschaftskampfes in Thalheim am Abend zuvor innerhalb von 15 Stunden auch noch mehr als zwei Kilogramm abnehmen musste, traf erstmal auf drei tschetschenische Landsleute.
Den Nordbadener Daud Elembaev (Rohrbach) und Islam Kerimov (Nürnberg) bezwang er klar nach Punkten, der Hamburger Movlet Machmudov blockierte immer wieder seine Angriffe und siegte 10:4. Nun musste der DM-Dritte Fabian Widmann (Erbach) bezwungen werden, was nach 0:4 Rückstand auch gelang. Der zweimalige deutsche Meister und EM-Telnehmer Niklas Stechele ist klar die Nummer eins in Deutschland und zur Zeit kaum zu schlagen. Trotz aller Bemühungen unterlag der Greizer 0:11 und konnte nun nur noch mit einem 4:2 Sieg über Vizemeister Lasse Schuldt (Salzgitter) unter 22 Startern Rang fünf belegen.

Am nahesten am Turniersieg war Ibrahim Galamatov (B/34 kg) Nach zwei Siegen über den Köllerbacher Max Melcher (10:0) und Niklas Bock (KFC Leipzig/11) unterlag er dem späteren Fünften Thomas Eckardt (Tennenbronn) 3:4 und Turniersieger Danial Matcovschi (Freising) 1:2. Wenn er im Training besser mitgearbeitet hätte, wäre es ihm mehrmals nicht schwer gefallen, seine Gegner zu kontern.

Der DM-Fünfte Lucas Hanke (B-Jugend) kam mit Übergewicht zur Abfahrt, versuchte dann noch – im Endeffekt aber vergeblich – das 34 kg-Limit zu erreichen und musste nun in der 38 kg-Klasse starten. Im ersten Kampf des Turniers traf er auf den späteren Turniersieger Karamjeet Holstein (KFC Leipzig) und unterlag im lange ausgeglichenen Kampf am Ende auf Schultern. Nun konzentriert kämpfend schulterte er Gegner aus Westendorf, Belgien, Südafrika und Gailbach. Im Kampf um den zweiten Platz im Pool musste er sich gegen Leon Schetterer (Schwenningen) unglücklich 9:10 geschlagen geben. Im Kampf um Platz fünf unterlag er wie bei der DM Giovanni Comparetto (Köllerbach), diesmal 5:10. Als leichtester unter 17 Startern kämpfte er offensiv und engagiert, muss aber seine Beinangriffe effektiver beenden.

Die beiden erstmals bei den Junioren startenden Abdul Galamtov (60 kg) und Joel Wrensch (69 kg) unterlagen den Awtaev-Brüdern aus Essen-Dellwig 5:9 bzw. 1:11. Während Abdul vom Vizemeister und EM-Teilnehmer Florian Pohl aus dem Turnier geworfen wurde, unterlag Joel überraschend dem Berliner Halit Dedeoglu.

Beide schienen nicht in bester Verfassung gewesen zu sein und können im Normalfall stärker auftrumpfen. Norman Heisig (A/69 kg) verpasste den Sprung unter die besten Sechs knapp. Nach einer klaren Niederlage gegen den späteren Dritten Joshua Morodion (Tegel) bezwang er den Hamburger Petros Tomasyan 6:4, führte gegen den späteren Fünften aus Nordbaden Malik Gül schon 6:2, unterlag aber noch 6:6. Anton Golle (A/85 kg) wurde vom späteren Vierten Bekir Demir (Mainz) und dem Zweiten Jonas Schondelmaier (Tennenbronn) bezwungen.
Auch wenn bei je einem vierten, fünften, sechsten, siebenten und achten Rang die Medaillen – teilweise knapp – verfehlt wurden, konnten die acht Greizer Teilnehmer 15 von 34 Kämpfen gegen die deutsche Spitze siegreich gestalten. Vor allem bei den in Greiz trainierenden Sportlern wirkte sich der Mangel an gleichwertigen Trainingspartnern negativ aus.

Erhard Schmelzer @15.11.2016

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