RSV Rotation Greiz gegen ASV Schorndorf

RSV Rotation Greiz gegen ASV Schorndorf endet 13:14

PROLOG oder An Stelle eines Vorwortes
Ich habe etwas gezögert mit der Erarbeitung meines Berichtes über den Kampf gegen Schorndorf (nicht nur weil ich zwei Tage in Folge bei Nachwuchsturnieren in Werdau weilte und dann am Feiertag noch mal Training war). Nein, ich wusste einfach nicht, wie ich es schreiben sollte! Schon vor mehr als 50 Jahren hatte ich erste Berichte über die Greizer Ringermannschaft geschrieben. Nach dem Aufstieg in die DDR-Liga (Freistil) nahm dies dann stark zu. Die Berichte waren aber sehr sehr kurz, gingen kaum über die Nennung des Gesamtergebnisses hinaus – kein Papier und damals hatten wir auch noch in der Region genügend Clubsportler, die international erfolgreich waren. Damals war in den Zeitungen fast kein Platz für den amateurhaften Regionalsport. Das änderte sich mit der Wende in Deutschland, die mit der Renaissance des Greizer Ringkampfsportes einherging, schlagartig. Genügend Papier für Druckerzeugnisse war plötzlich da und fast in jeder Familie gab es noch ein Zeitungsabonnement. Eine nicht mehr existierende Regionalzeitung brachte nach dem ersten Saisonsieg 1991 in der 2.Bundesliga eine Ringkampfszene auf dem Titelblatt. Heute haben die sozialen Medien viele Informationsaufgaben übernommen – nicht immer zur Freude der älteren Generation.
Kritisiert wird man ja als Autor immer. Seltsamerweise kaum von Fachleuten denen man Kenntnis der Problematik zutraut. Dabei ist dies gerade interessant und hilfreich. Und Fehler macht man immer wieder. Im Vorjahr habe ich zwei Ringer aus dem Aschaffenburger Raum verwechselt – keine Reaktion. Ein guter Bekannter hat mal gesagt: „Die Greizer Ringer sind schon gut, aber nicht so gut, wie du sie machst.“ Da mag ja was dran sein. Natürlich, wenn man mehrmals in der Woche mit diesen Leuten arbeitet, freut man sich mit ihnen und verliert den Maßstab vielleicht etwas aus den Augen. Wenn ich aber lese wie eine regionale Fußballmannschaft in den Medien dargestellt wird -neudeutsch heißt das heute gehypt – oder wie unzählige Fachleute seit Jahren positive Aspekte in den Auftritten der „Mannschaft“ sehen – bin ich ja ein Waisenknabe.

Im Bezug auf den Ringkampfabend am 1.Oktober war ich mir nun nicht sicher, wie ich das darstellen sollte. Der Fakt: Greiz hatte den zweiten Heimkampf der Saison verloren. Trotzdem war es für mich von der Qualität und der Dramatik her der wohl beste Ringkampfabend, der jemals in Greiz stattgefunden hat. Der Gegner scheint zwar über nicht ganz so viele Aufstellungsmöglichkeiten zu verfügen wie Titelverteidiger Burghausen, sein Ziel, das Erreichen der Finalkämpfe, wird aber von Fachleuten als sehr aussichtsreich bewertet. Um beim Fußballvergleich zu bleiben: Eine Zweitligamannschaft – einen Viertligisten aus der Region möchte ich nicht benennen, obwohl die finanziellen Verhältnisse zum Widerpart wohl vergleichbar wären (damit es nicht wieder einen shitstorm gibt: ich sprach von Verhältnissen nicht von Summen) – traf auf Borussia Dortmund und hat nach Verlängerung und Elfmeterschießen 13:14 verloren. Und das lag nicht am Glück, oder weil die Profis nicht wollten – beim Fußball passiert das meist bei Schneetreiben in der kalten Jahreszeit. Nein, die Greizer Halle war warm und fast 600 begeisterte Zuschauer sorgten für hervorragende Wettkampfbedingungen. Das es weniger als gegen Markneukirchen waren, lag wohl an der damaligen Niederlage und den fehlenden Gästefans. Was man aber von den Greizer Anhängern und Funktionäre hörte, waren sie trotz der Niederlage von der Leistung der Greizer Mannschaft begeistert. Jeder, der nicht dabei war, hat etwas verpasst.

Wie lief es nun auf der Matte? Der Greizer Trainer Tino Hempel hatte die Mannschaft weiter verjüngt und an Stelle von Martin Obst den gerade 19 Jahre alt gewordenen Emil Thiele aufgeboten.

Schon der erste Kampf versprach viel und übertraf die Erwartungen noch bei weitem. Der 26-jährige Rumäne Razvan Kovacs (57 kg/f) hat zwar international schon viele Erfahrungen gesammelt, die Favoritenrolle nahm aber sein Widersacher, der deutsche Meister Horst Lehr, ein, der bei EM und WM jeweils Bronzemedaillen gewann. In einem superschnellen Gefecht stand es zur Halbzeit 1:1, der deutsche Meister hatte Sekunden vor dem Pfiff ausgeglichen. Dann baute der Rumäne die Führung auf 5:1 aus. Zu Beginn der letzten Minute fiel die Entscheidung bei einer phantastischen Grifffolge: Angriff – Gegenangriff – Gegenangriff. Kovacs führte sensationell 9:1. Würde gar der dritte Mannschaftspunkt noch gelingen? Doch der deutsche Meister kam mit einer Zange fast aus dem Stand noch zum 8:3 (Mannschaftsstand: 2:0)

Alin Alexuc-Ciurariu (130 kg/g) und der deutsche Meister Jello Krahmer hatten beide bei der WM im September gekämpft. Der EM-Dritte von 2020 aus Schorndorf war diesmal unplatziert ausgeschieden, doch gerade bei den Schwersten muss das nicht viel bedeuten. Krahmer ging auch 1:0 in Führung. Doch nach der Pause holte der Rumäne auf und kam zum 1:1. Da im Bodenkampf keiner punkten konnte, bedeutete das einen weiteren Siegpunkt für Greiz. (3:0)

Was Tigran Minasyan (61 kg/g) zu leisten in der Lage ist, wusste noch keiner. Gegen Markneukirchen kam der Zweimalige U23-EM-Dritte kampflos zum Sieg, Sein Gegner Georgios Scarpello stammt aus der südbadischen Talentschmiede Tennenbronn und vertrat in den letzten Jahren Deutschland bei Junioren und U23. Der Kampf war Sekunden nach dem Anpfiff beendet. Minasyan knallte seinen Gegner mit einem Kopf-Hüft-Schwung auf die Matte und Kampfrichter Wolfgang Spänle aus Bruchsal pfiff ab. (7:0)

Der erstmals in der Bundesliga eingesetzte Emil Thiele (89 kg/f) traf auf den deutschen Auswahlringer Ertugrul Agca. Der deutsche Meister von 2019 hatte in diesem Jahr bei der DM gegen Emils Bruder Erik im Finale mit 0:4 verloren. Emil war also durch den Bruder und dem Vater, dem ehemaligen Auswahltrainer Sven Thiele, der wiedereinmal in Greiz war, bestens auf den Gegner eingestellt. Agca, der bei den Junioren zweimal EM-Dritter war, hat türkische Wurzeln und trainiert regelmäßig in Ankara mit den türkischen Auswahlringern. Der Bundesliganeuling hielt sich sehr gut. Nach einer Aktivitätszeit gab er erst kurz vor der Pause eine Zweierwertung ab. Kurz vor Schluss stand es nach einer weiteren Aktivitätszeit und einem darin erfolgten Beinangriff 0:7. Aber bei den nur zwei erhofften Verlustpunkten blieb es nicht. Vier Sekunden vor Schluss musste der Greizer noch einmal von der Matte: 0:8 (7:3)

Im letzten Kampf vor der Pause traf Moritz Langer (66 kg/f) auf den 8 Jahre älteren Bulgaren Georgi Vangelov, einen absoluten Weltklasseringer. Der Olympiafünfte von Tokio wurde in diesem Jahr Dritter bei er EM und Fünfter bei der WM. Der deutsche DM-Fünfte wehrte sich tapfer, musste aber nach Beinangriffen und Beinschrauben in der fünften Minute eine 0:16 Niederlage einstecken. Zur Halbzeit des Kampfabends stand es 7:7

Der dienstälteste Greizer Akteur Igor Besleaga (86 kg/g) geriet nach 100 Sekunden gegen den in Witten vom Altmeister Adam Juretzko trainierten deutschen Vizemeister Nico Brunner durch einem Armdrehschwung 0:2 in Rückstand. Zur Halbzeit hatte sich der Greizer mit enormen kämpferischen Aufwand 3:2 in Front gebracht obwohl ihm am Boden keine Wertung gelang. Nach der Pause dann eine kämpferische Meisterleistung des Moldawiers gegen einen zunehmend nachlassenden Gegner. 20 Sekunden vor Schluss stand der von rhythmischen „Igor, Igor“ – Rufen begleitete vorzeitige 18:2 Erfolg des Greizers fest. (11:7)

Wie würde Routinier Christian Fetzer (71 kg/g) gegen den 14 Jahre jüngeren Rumänen Razvan Arnaut zurechtkommen? Die Zeit der großen Erfolge – 2005 wurde er Vizeeuropameister – liegt bei dem Greizer schon etwas zurück.Trotzdem wurde der Europameister des Vorjahres auf Herz und Nieren geprüft. Der Greizer ging 2:0 und 4:0 in Führung, der Schorndorfer konnte bis zur Halbzeit mit einem Armdrehschwung, bei dem der Greizer von der Matte musste, nur auf 4:1 verkürzen. Nach der Pause kam der Rumäne langsam etwas auf, obwohl der Greizer noch zum 5:1 kam. Zwei Verwarnungen und das zweimalige Drängen von der Matte brachte den Rumänen den 5:5 Ausgleich, der immer noch zum Greizer Siegpunkt gereicht hätte. Eine halbe Minute vor Schluss fiel dann die Entscheidung als der wieder einmal vorbildlich kämpfende Greizer noch einmal von der Matte musste und der WM-Teilnehmer zum kaum noch erwarteten 6:5 kam. (11:8)

Der Aalener Benjamin Sezgin weilte 2019 mit Burghausen letztmalig in Greiz, als er in 40 Sekunden Martin Obst „wegschrubberte“. Richard Schröder (80 kg/f) war also gewarnt. Der Greizer begann unbeeindruckt und kam nach einen Beinangriff schon nach 8 Sekunden zum 2:0.
Zur Halbzeit stand es 2:1, doch dann kam der zehn Jahre ältere zweimalige deutsche Meister immer besser auf und führte kurz vor Schluss 2:8. Mit einer blitzschnellen Aktion verkürzte der Greizer fast mit dem Schlusspfiff auf 4:8. (11:10)

Für Lucas Kahnt (75 kg/f) musste nun ein Sieg her sollte Greiz eine Siegchance behalten. Doch der ehemalige zweimalige Juniorenmeister, der Deutschland bei Kadetten und Junioren sechsmal bei WM und EM vertrat, ging 4:0 in Führung und baute seinen Vorsprung bis zur Halbzeit auf 5:0 aus. Schorndorf schien auf der Siegerstraße zu sein. Doch es kam erst einmal ganz anders. Mit unbändiger Kampfkraft, gestützt auf seine überragende Kondition, übernahm der Greizer immer mehr das Heft des Handelns in die Hand, kam zum 5:5 Ausgleich und unter dem Jubel der Zuschauer Sekunden vor Schluss mit einer Viererwertung zum 9:5.

Beim Stand von 13:10 musste nun Witas Behrendt (75 kg/g) gegen einen Weltklasseringer ins Rennen gehen. Der beim Armeesportclub in Kairo ausgebildete Ägypter Mahmoud Ibrahim Ghanem kämpft seit 2020 für Frankreich. Im August gewann er den Großen Preis von Deutschland im Finale gegen den eingebürgerten deutschen Ausnahmeringer Idris Ibaev. Bei der WM im September wurde er Fünfter. Da war der Greizer Neuzugang trotz seines Finaleinzuges bei den deutschen Meisterschaften ohne Chance. Der Gästeringer sammelte Punkt um Punkt und hatte noch vor der Pause das entscheidende 15:0 erreicht. So ging der Sieg doch noch mit 13:14 an die Gäste.

Erhard Schmelzer

Ergebnisse Einzel

StilartGewichtIstNameIstNamePunkteWertungZeit
Freistil5756,9Razvan-Marian Kovacs EU (5)56,7Horst Lehr (4)2:0PS 8:306:00
Gr.-röm.6160,1Tigran Minasyan N (7)60,6Georgios Scarpello (1)4:0SS 4:000:21
Freistil6665,9Moritz Langer (2)63,6Georgi Vangelow EU (5)0:4TÜ 0:1604:22
Gr.-röm.7170,8Christian Fetzer (2)68,6Razvan Arnaut EU (5)0:1PS 5:606:00
Freistil75A74,9Lucas Kahnt (-2)73,1Dawid Wolny (2)2:0PS 9:506:00
Gr.-röm.75B74Witas Behrendt (1)74,6Ibrahim Ghanem EU (5)0:4TÜ 0:1502:45
Freistil8079,6Richard Schröder (2)79,9Benjamin Sezgin (3)0:2PS 4:806:00
Gr.-röm.8682,8Igor Besleaga EU (5)85,8Nico Brunner (1)4:0TÜ 18:205:40
Freistil9897,7Emil Thiele (1)97,5Ertugrul Agca (3)0:3PS 0:806:00
Gr.-röm.130125,1Alin Alexuc-Ciurariu EU (5)128,3Jello Krahmer (-2)1:0PS 1:106:00

Aktuelle Tabelle

PlatzMannschaftAnz.K.Plus:MinusDifferenz +:?
1SV Wacker Burghausen244:1331 4:0 
2KSC Germania Hösbach239:1722 4:0 
3ASV Schorndorf233:1617 4:0 
4AV Germania Markneukirchen224:27-3 2:2 
5AC Lichtenfels221:31-10 2:2 
6RSV Rotation Greiz223:31-8 0:4 
7SC Kleinostheim214:37-23 0:4 
8SV Johannis Nürnberg215:41-26 0:4