RSV Rotation Greiz gegen AV Germania Markneukirchen

RSV Rotation Greiz gegen AV Germania Markneukirchen endet 10:17

Den Saisonauftakt hatten sich die Greizer Ringkampfanhänger etwas anders vorgestellt. Zwar gab es hochklassigen Ringkampf, dramatische Kämpfe mit vielen technischen Leckerbissen auf beiden Seiten zu sehen, der Sieger hieß aber am Ende Markneukirchen. Unter den rund 1000 Zuschauern weilte neben Prominenz aus Politik und Wirtschaft auch die Spitze des Deutschen Ringer-Bundes. Nach einer Veranstaltung in Gera hatten DRB-Präsident Jens-Peter Nettekoven und Vizepräsident Günther Maienschein zusammen mit dem Thüringer Verbandspräsidenten Bela Olah den Weg nach Greiz gefunden. Nettekoven zeigte sich am Ende begeistert von der Veranstaltung in Greiz: „Das war eine großartige Werbung für den Ringkampfsport. Ich komme gern wieder.“

Vor dem Bundesligakampf war noch ein freundschaftlicher Vergleichskampf der Frauen zwischen Eyleen Sewina und Gerda Barth aus Aue statt. Beide international erfolgreiche Athletinnen demonstrierten, dass der Ringkampf im weiblichen Bereich, der auch in Greiz stark im Aufwind ist,
sich hinter dem der Männern nicht verstecken muss.

Der amtierende rumänische Meister Razvan Kovacs (57 kg/f) stand erstmals für Greiz auf der Matte. Er lieferte sich mit dem Türken Mehmet Yüce ein Gefecht mit blitzschnellen Angriffen. Dominierte der Gästeringer in der ersten Hälfte leicht und führte 1:0, wurde er dann bei einem Beinangriff gekontert und lag nach einem Aufreißer 1:4 zurück. Im Bestreben das Kampfergebnis nochmal zu wenden gelang ihm ein sehenswerter Angriff, den der Greizer aber wiederum mit einem technischen Kabinettsstückchen konterte und 6:2 gewann. (Mannschaftsstand: 2:0)
Der wegen dem Gewinn der WM-Bronzemedaille geehrte Alin Alexuc-Ciurariu (130 kg/g) brachte gleich WM-Schwung auf die Matte und führte bereits nach 25 Sekunden gegen den deutschen Vizemeister und EM-Fünften Franz Richter 1:0. Zwar fielen keine technischen Punkte mehr, am Ende siegte der Rumäne gegen einen nie aufsteckenden Gegner 3:0. (4:0)
Überraschenderweise gewann er zweite Greizer Neuzugang, der Armenier Tigran Minasyan (61 kg/g), kampflos, da laut Aussage der gegnerischen Mannschaftsleitung ihr in diese Gewichtsklasse vorgesehener türkische Sportler kein Visum erhalten hatte. (8:0)
Martin Obst (89 kg/f), der nach zwei Jahren wieder im Team stand, hatte sich vor Beginn des Kampfes in einer bewegenden Rede an die Zuschauer gewandt und sich für die Unterstützung durch den RSV in dieser Zeit bedankt. Er traf – gegenüber seinem deutschen Meistertitel im Mai zwei Gewichtsklassen höher kämpfend – auf den Deutschpolen Patryk Dublinowski, der gegenüber dem Vorjahr acht Kilogramm zugelegt hatte. Dublinowski, dem in der ersten Hälfte ein Knöchel griff und eine Einserwertung zum 3:0 gelangen, entzog sich immer wieder erfolgreich den Angriffsversuchen des Greizers. Dagegen entschied der Gästeringer in der fünften Minute mit einer Viererwertung aus dem Stand und einer folgenden Bodentechnik den Kampf zum 9:0. (8:3)
Moritz Langer (66 kg/f), der 21-jährige Neuzugang, der in Rostock das Ringen erlernt und nun in Leipzig Sportwissenschaft studiert, traf auf den Türken Münir Aktas, einen zwölf Jahre älteren durch unzählige Kämpfe auf internationalen Matten erfahrenen Ringer, der in diesem Jahr die Bronzemedaille bei der EM erkämpfte. Schon in der ersten Minute ging der Türke mit einer Viererwertung in Führung. Nach einer Beinschraube führte der Türke nach 80 Sekunden schon 6:0. Doch nach einem Beinangriff fand sich der Türke nach einem geschickten Konter des Greizers in der Brücke wieder und agierte fortan etwas vorsichtiger. Am Ende siegte der EM-Dritte 11:2 gegen einen einen großartigen Einstand feiernden Moritz Langer, der noch kurz vor Schluss einen gefährlichen Angriff startete. Zur Halbzeit führte Greiz mit 8:6.
Der erfahrene Moldawier Igor Besleaga (86 kg/g) sollte nun gegen den in Deutschland weitgehend unbekannten Italiener Luca Dariozzi den Vorsprung ausbauen. Doch es kam anders. Zwar ging der Moldawier nach einer Verwarnung des Gegners 1:0 in Führung, am Boden gelang aber keine Technik. Nach der Pause musste der Moldawier in den Bodenkampf (1:1) und versuchte nun
durch vorwärts bewegen eine weitere Wertung zu verhindern. Kampfrichter Manuel Senn, der in Personalunion auch Vizepräsident Bundesligen des DRB ist, erkannt das als Foul an, das mit zwei Punkten bestraft wird. Der Italiener führte nun ohne eine eigene Technik durchgebracht zu haben mit 3:1. Der Moldawier setzte nun noch mal alle auf eine Karte so dass sein Gegner (ohne Punktverlust) noch einmal zu Boden geschickt wurde. Unter dem Jubel der Zuschauer gelang ihm eine Rolle und der Ausgleich zum 3:3, der normalerweise durch die letzte Wertung den Kampf zu Gunsten von Greiz entschieden hätte. Doch der Moldawier hatte eine Verwarnung erhalten und diese hat Vorrang. So ging der Siegpunkt zur Enttäuschung des Greizer Anhangs an den Gästeringer.
Der 38-jährige Christian Fetzer (71 kg/g) traf beim Kampf der Generationen auf den Juniorenmeister Marco Stoll. Der Junior überraschte eingangs als Untermann als er nach hinten unter Fetzer durchschlüpfte und zum 1:1 ausglich. Wenn der aufmerksame Kampfrichter bei den sofort folgenden Bodenaktionen nicht einen Beineinsatz des Markneukircheners erkannt hätte, wäre der Greizer deutlich in Rückstand geraten. Der Gästeringer ging zwar 2:1 in Führung doch dank einer phantastischen kämpferischen Leistung des Routiniers stand am Ende sein 8:2 Erfolg fest. (10:7)
Der dreifache deutsche Juniorenmeister Richard Schröder (80 kg/f) traf auf den Dagestaner Rasul Shapiev dessen nordmazedonischer Paß noch ganz neu ist. Sehenswert die Viererwertung des Gästeringers aus einer ganz tiefen Sägebockstellung des Greizers. Auch in der Folgezeit zündete der Sportler, der im Vorjahr noch für Rußland gestartet war, ein technisches Feuerwerk, dem sich der tapfer kämpfende Greizer kaum erwehren konnte. Erst 25 Sekunden vor Schluss stand der Überlegenheitssieg mit 15:0 fest. (10:11)
Lucas Kahnt (75 kg/f) hätte das Blatt noch wenden können, doch er kam mit dem unorthodox ringenden Tschetschenen Makhmad Dadaev nicht zurecht. Bereits die erste Bodenaktion ging beim Ausringen 0:2 verloren. Zur Halbzeit stand es 1:2. Beide kämpften verbissen, 30 Sekunden vor Schluss 2:3. Der letzte Angriff musste die Entscheidung bringen. Doch wie am Anfang ging die Wertung an den Gegner: 2:5. (10:13)
Nun lag die ganze Verantwortung bei Witas Behrendt (75 kg/g), der auf seinen Trainingspartner beim Bundesstützpunkt Frankfurt/Oder Maximilian Simon traf. Greiz brachte drei Siegpunkte für ein Unentschieden. Der Greizer Neuzugang wurde nach 70 Sekunden von der Matte gedrängt: 0:1. Im angeordneten Bodenkampf kam Simon durch eine Rolle zum 4:0. Zwar konnte der Greizer auf 1:4 verkürzen, doch dann war der Kampf nach vier Minuten beendet. Im Bestreben nun unbedingt punkten zu müssen, entblößte sich der Greizer zu sehr, lief in einen Armdrehschwung des Gegners und unterlag auf Schultern. Das Gästeteam hatte in Greiz mit 17:10 Punkten gewonnen.

Bereits am kommenden Samstag steht der nächste Heimkampf in Greiz an. Dann ist der ASV Schorndorf der Gegner. Am Sonntag muss Greiz dann schon wieder antreten, ab 17 Uhr beim KSC Germania Hösbach in der Nähe von Aschaffenburg.

Erhard Schmelzer

Ergebnisse:

StilartGewichtIstNameIstNamePunkteWertungZeit
Freistil5757Razvan-Marian Kovacs EU (5)56,9Mehmet Yüce EU (5)2:0PS 6:206:00
Gr.-röm.6160,1Tigran Minasyan N (7) 4:0KL 0:000:00
Freistil6665,7Moritz Langer (2)65,8Münir Recep Aktas EU (5)0:3PS 2:1106:00
Gr.-röm.7170,8Christian Fetzer (2)70,8Marco Stoll (2)2:0PS 8:206:00
Freistil75A74,9Lucas Kahnt (-2)74,8Mokhmad Dadaev N6 (1)0:2PS 2:506:00
Gr.-röm.75B74Witas Behrendt (1)74,6Maximilian Jo Simon (2)0:4SS 1:804:25
Freistil8079,4Richard Schröder (2)79,4Rasul Shapiev EU (5)0:4TÜ 0:1505:35
Gr.-röm.8683,5Igor Besleaga EU (5)82,8Luca Dariozzi EU (5)0:1PS 3:306:00
Freistil9884,5Martin Obst (1)92,4Patryk Dublinowski (1)0:3PS 0:906:00
Gr.-röm.130124,8Alin Alexuc-Ciurariu EU (5)117,7Franz Richter (-2)2:0PS 3:006:00