RSV Rotation: Martin Obst – der etwas andere Ringer

Titanen der Rennbahn in Brück 2015
Titanen der Rennbahn in Brück 2015 - Neben seiner Passion für den Ringkampfsport betreibt Martin Obst in Berlin den Pferdefuhrbetrieb Obst. Foto: Peter Tendler

Zum Saisonstart am 19. August wird der RSV Rotation auch den erfolgreichsten Ringer der letzten Saison, Martin Obst wieder begrüßen

GREIZ. Wenn am 19. August die neue Mannschaftskampfsaison der Ringer beginnt, werden die Greizer Ringkampfanhänger wieder den beliebtesten und erfolgreichsten Sportler der letzten Saison begrüßen: Martin Obst, der in allen Vorjahreskämpfen ohne Niederlage blieb, wird wieder mit von der Partie sein und für Spitzenringkampf stehen.
Die Greizer Zuschauer wissen, was sie an ihrem „Obsti“ haben. Der 1,70 m große Athlet mit dem Normalgewicht von 80 kg ist zwar viermaliger deutscher Meister, kommt aber ohne Starallüren aus und ist bei allen beliebt.

Die Anreise zu den Kämpfen ist aber nicht gerade kurz. Martin Obst kommt aus dem Berliner Stadtteil Pankow. Dort nicht weit von der nördlichen Stadtgrenze der Hauptstadt zum Land Brandenburg, in Buchholz, wuchs er auf. Heute betreibt er dort zusammen mit seinem Vater Dieter, seinem Bruder Roland und seiner Schwester Stefanie ein Fuhrgeschäft mit 25 Pferden.
Bei vielen Festveranstaltungen, Hochzeitsfeiern, touristischen Veranstaltungen oder Junggesellenfahrten wird ein Fuhrwerk des Pferdefuhrbetriebes Obst gemietet. Highlight bei vielen Festen ist die Fahrt mit dem historischen Pferdeomnibus. Die Firma existiert bereits in der fünften Generation. Der Urgroßvater zog 1925 von Wedding nach Buchholz. Die Familie hielt damals auch Kühe und Schweine. „Nach dem zweiten Weltkrieg hat der Urgroßvater mit dem Pferdefuhrwerk Schutt aus dem zerbombten Berlin transportiert“, erinnert sich der mehrfache Meister an Familiengeschichten, die er in seiner Jugend gehört hat.

Als Martin zehn Jahre alt war begann der 1986 Geborene zusammen mit Bruder Roland in Berlin –Karow bei der Trainerinstitution Mathias Ringel – Sascha Förster war auch schon dabei – mit dem Ringen. „Als Kinder mussten wir viel arbeiten, da konnten wir nicht immer zum Training gehen“, erinnert sich Martin Obst an seine Kindheit, die sich ein Jugendlicher heute kaum noch vorstellen kann. „Ab der 7.Klasse besuchte ich dann die Sportschule in Hohenschönhausen. Von dem damaligen Training bei Mario Sachs zehre ich noch heute. Als die Berliner Sportschule geschlossen wurde, trainierte ich ab der 9.Klasse in Luckenwalde.“
Nach dem Abschluss der 10.Klasse an der Sportschule erlernte er ebenfalls in Luckenwalde den Beruf eines Tischlers.

Gern erinnert er sich an die zwei Jahre bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Grundlage der Berufung waren seine Leistungen durch das heimische Training bei Luftfahrt Berlin unter Trainer Swen Lieberamm. „Ich fuhr jede Woche mit dem Zug von Berlin nach Schifferstadt in der Pfalz. Damals konnte ich mich voll auf meinen Sport konzentrieren. Bei der Militärweltmeisterschaft 2010 belegte ich Rang fünf. Nach der Bundeswehr stieg ich 2012 in das väterliche Geschäft ein. Und dabei ist es bis heute geblieben.“

Die großen Erfolge kamen erst zum Schluss

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Martin Obst, RSV Rotation Greiz

Martin Obst war ein „Spätzünder“. Zu DDR-Zeiten galt unter Spitzensportfunktionären die Regel, wer im Jugendbereich nicht vorn landet, schafft es auch im Erwachsenenalter auch nicht. Der Berliner ist das genaue Gegenbeispiel. Bei den Meisterschaften der C-, B- und A-Jugend war ein siebenter Platz das beste Resultat. Bei den deutschen A-Jugendmeisterschaften 2004 war er für die 58 kg-Klasse vorgesehen, schaffte das Gewicht nicht, startete im 63 kg-Limit. Meister wurde sein Freund und Trainingspartner in Luckenwalde Felix Menzel.
Martin landete auf Rang acht. Bei den Junioren war er mit Platz vier schon sehr nahe an den Medaillen. Ein Sportler aus der Trainingsgruppe in Luckenwalde erinnert sich an diese Zeit: „Martin hat immer vorbildlich trainiert. Bei den Meisterschaften standen aber immer andere auf den Treppchen. Die Trainer, die Medaillen nachweisen mussten, setzten auf andere Sportler. Langsam aber sicher wurde er aber immer besser.“
Mit 22 Jahren, 2008, gelang der Gewinn der ersten Meisterschaftsmedaille. Es war eine silberne. Er unterlag dem mit dem Ziel des Gewinns internationaler Medaillen für den DRB eingebürgerten Ukrainer Andriy Shyyka.
Doch schon 2009 war der Meistertitel greifbar. Im Halbfinale führte er bis 3 Sekunden vor Schluss gegen Shyyka, unterlag aber noch und wurde nur Dritter.
Auf den ersten Meistertitel musste er noch bis 2011 warten. In den Jahren 2015, 2016 und 2017 wurde er dann dreimal in Folge Meister. Er vertrat Deutschland bei Welt- und Europameisterschaften und der Olympiaqualifikation für Rio de Janeiro.

Nachdem er für Luftfahrt Berlin und Luckenwalde in der 1.Bundesliga gekämpft hatte, war er im Vorjahr beim RSV Rotation Greiz einer der Garanten für den Staffelsieg in der 2.Bundesliga.
Die Greizer werden nach der Strukturreform der Ringer auch in diesem Jahr wieder in der zweithöchsten deutschen Liga kämpfen.

Der „Chef“ aus Berlin wird im Greizer Trikot wieder mit dabei sein. Trotz einer Vielzahl von hochdotierten Angeboten von Erstligisten, hauptsächlich aus dem süddeutschen Raum, bleibt er dem RSV treu.

Die Greizer Zuschauer werden es dem Mann aus der Bundeshauptstadt mit dem ungewöhnlichen Beruf zu danken wissen.

Erhard Schmelzer @09.07.2017

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