22. Oktober 2019

Ringen / AC Lichtenfels will die Bombe platzen lassen

2.Bundesliga Nord: RSV Rotation Greiz gegen RV Lübtheen endet 23:7
Die Greizer Fans feiern den Sieg über den RV Lübtheen

Am vergangenen Wochenende trafen sich die Bundesligavereine der Ringer im Sportzentrum der SG Darmstadt Arheilgen, um über Strukturen, Modalitäten und Regeländerungen für die kommende Saison zu beraten.

DARMSTADT. Schon im Vorfeld krachte es gewaltig, als Zweitligamannschaften Kämpfe absichtlich verloren, um den drohenden Aufstieg ins Oberhaus abzuwenden. Mit dem SV Blauweiß Untergriesbach steht auch ein Erstbundesligist vor den DRB-Rechstausschuss, der mit einem 0:36 vor eigenen Fans den Relegationskampf um den Klassenerhalt verlieren wollte, um in die 2. Bundesliga abzusteigen. Mit dem Urteil vom Samstag geht es für die Bayern nicht in Liga zwei, sondern gleich um mehrere Etagen weiter nach unten. Vor der Bundesligatagung in Darmstadt zogen der TSV Musberg (9. der 1. Bundesliga West) und die RWG Mömbris-Königshofen II (Staffelsieger der 2. Bundesliga Mitte) ihre Mannschaften zurück. Der KSK Konkordia Neuss (8. der 1. Bundesliga West) und der AC Lichtenfels (8. der 1. Bundesliga Ost) kündigten an, sich kommende Woche zu entscheiden, ob sie in der höchsten Kampfklasse verbleiben, oder ihre Teams ebenfalls zurück ziehen. Doch die genannten Mannschaften waren noch lange nicht das Ende der Fahnenstange, denn der Ringer- Bundesliga droht eine noch nicht dagewesene Krise. Eine regelrechte Bombe hält dabei der 2. Vorsitzende des AC Lichtenberg, Stefan Heinlein in den Händen. Dabei geht es um die Anmeldung der Athleten und deren Status, ob sie die Saison als Amateure, Geringverdiener, Selbstständige, oder Angestellte des Vereins bestreiten.

Der Vorstand des Deutschen Ringer- Bundes warnte die Bundesligisten schon seit mehreren Jahren, ihre Athleten, entsprechend ihrer Punktprämien, oder ihres Verdienstes einzuordnen und beim DRB, sowie den anderen Institutionen und Versicherungen anzumelden. Viele Vereine ließen den Status der Ringer prüfen und meldeten diese entsprechend an. Andere wiederum bestreiten die Saison grundsätzlich mit Amateuren. „Und das in der ersten Bundesliga, dass kann man nicht glauben, dass die Ringer wegen der guten Luft in Mainz, Luckenwalde, Leipzig, oder Nendingen ringen“, schüttelte DRB-Präsident Manfred Werner schon lange den Kopf über die das Verhalten einiger Vereine in den höchsten, deutschen Kampfklassen. Wikipedia: Ein Amateur (französisch, von lateinisch amator Liebhaber) ist eine Person, die im Gegensatz zum Profi eine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt, ohne einen Beruf daraus zu machen bzw. Geld für seine Leistung zu erhalten. Das deutsche Gesetz lasst dazu eine Lücke von 175 Euro monatlich, die ein Amateur erhalten darf. Die Finanzämter stellen eine Summe von jährlich knapp über 2000 Euro den Athleten frei.

„Doch dafür kommt wohl kein Weltmeister, oder Olympiasieger aus Bulgarien nach Deutschland“, schüttelt der 2. Vorsitzende des AC Lichtenfels den Kopf. Er sammelte eine lange Liste von Athleten, deren Prämien, Gehälter, Honorare er im Verlauf seiner Recherchen erfahren hat. „Und da hat jeder Einzelne weit über das erlaubte Budget hinaus verdient und ist von den Vereinen trotzdem wieder als Amateur gemeldet worden“, beklagt Heinlein die Unehrlichkeit vieler Funktionäre in dieser Frage, die im Verletzungsfall auch den Athleten großen Schaden zufügen, die dann nicht versichert sind. „Wir haben den querschnittsgelähmten Martin Kittner bei uns im Verein, nicht auszudenken, wenn der nicht versichert gewesen wäre“, so Heinlein, dessen Verein vergangenes Jahr den Zoll vor der Türe hatte. „Man hat uns angezeigt und wir mussten insgesamt 23.000 Euro nachzahlen, denn es kommt nicht nur das Finanzamt mit nachträglichen Forderungen wegen falscher Anmeldungen, sondern gleichzeitig halten auch Versicherer die Hand auf“, so Heinlein, der mit dem Vorstand und der Betreiber GmbH das Schiff ACL halbwegs wieder auf Kurs brachte. „Doch mir stinkt es, wenn andere Vereine wissentlich ihre Sportler weiterhin als Amateure starten lassen, die fälligen Abgaben umgehen und dieses Geld als Prämien obendrauf legen“, sieht Heinlein darin Betrug und auch Wettbewerbsverzerrung und will seine lange Liste zur Anzeige bringen. „Ich habe gewartet, ob die Bundesligatagung etwas ergibt, oder Festlegungen getroffen werden, doch es ist nichts passiert, die Vereine schweigen, lügen und machen einfach so weiter“, stiegen die Verantwortlichen des AC Lichtenfels verärgert ins Auto und brausten aus Darmstadt ab.

„Am Dienstag werden wir beraten, ob wir die Liste der Sportler als Verein zur Anzeige bei der Staatsanwaltschaft bringen, oder ob ich es als Privatperson verantworte“, so Stefan Heinlein, der zumindest eine Festlegung erwartet hätte, wie viele Amateure je Erstbundesligist maximal gemeldet werden dürfen. Doch auch ein solcher Beschluss wurde vertagt. Selbst die „Brandrede“ von DRB-Präsident Manfred Werner, endlich ehrlich miteinander umzugehen, der Preistreiberei ein Ende zu setzen und die Athleten ihrem Status gemäß anzumelden, bleib ohne Widerhall. Auf die Frage hin, ob er mit seiner Anzeige dem Bundesligaringen den Todesstoß versetzen könnte, antwortete Stefan Heinlein; „Die Vereine beerdigen die Bundesliga gerade selbst, meine Anzeige ist doch nur der Funke, der das Faß explodieren lasst, doch die Rückzüge zeigen doch, in welche Krise sich die Bundesligisten selbst hinein manöveriert haben“.

Dem stimmt auch DRB-Präsident Manfred Werner zu; „… hier helfen kaum Strukturänderungen, hier muss einfach ehrlich miteinander umgegangen werden“ und das habe ich am Samstag ebenfalls vermisst, ein Umdenken hat trotz Drohungen und Appelle nicht eingesetzt, wie die wenigen Abstimmungen zeigten, die vorgenommen wurden. Die Grundsatzfrage des Fair Play wurde nach Meinung des Präsidenten auch am Samstag von den Vereinen außer acht gelassen, doch weiß Manfred Werner schon jetzt, wen der schwarze Peter für das Fehlverhalten einiger Vereine am Ende zugeschoben wird; dem DRB.
Wenn Stefan Heinlein und der AC Lichtenfels kommende Woche die Bombe platzen lässt und die Vereine zur Anzeige bringt, die Amateure teils fürstlich für ihre Kämpfe bezahlt haben, dürften sich die Strukturfragen in der 1.- und 2. Ringer-Bundesliga ohnehin erst einmal erledigt haben.

Jörg Richter @22.01.2012

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