19. Mai 2021

Mohlsdorfer Urgestein und Greizer Ringerlegende

Erhard Schmelzer feierte seinen 65. Geburtstag
Mit seinem Enkel auf dem Schoß beobachtet Erhard Schmelzer mit kritischem Blick das Geschehen auf der Matte.

Erhard Schmelzer feierte seinen 65. Geburtstag

MOHLSDORF. Leider weitgehend unbemerkt feierte vor einigen Tagen ein nicht nur in Ringerkreisen bekanntes Urgestein seinen 65. Geburtstag. Die Rede ist von Erhard Schmelzer, der sich seit fast fĂŒnfzig Jahren in vielen Varianten aktiv dem Zweikampfsport auf der Matte verschrieben hat, auch wenn es zunĂ€chst nicht danach aussah, denn der am 28. August 1948 geborene SpĂ€tzĂŒnder in Sachen Ringen absolvierte zunĂ€chst acht Jahre an der POS Mohlsdorf und kam erst zu Beginn seiner Zeit an der Erweiterten Oberschule Greiz 1964 zur damaligen BSG Rotation Greiz. Hier sollte er einer der bekanntesten und erfolgreichsten Ringer unserer Region und Deutschlands werden.
Nach der Berufsausbildung mit Abitur zum Maschinenbauer folgte ein fĂŒnfjĂ€hriges Studium an der TU Dresden zum Maschinenbau-Diplomingenieur, danach arbeitete Erhard Schmelzer in der NĂ€he von Leipzig und rang ab 1972 drei Saisons fĂŒr den Tauchaer Sportverein in der DDR-Oberliga im Freistil. Es folgte der in der DDR obligatorische Armeedienst, bevor er 1975 wieder nach Mohlsdorf zurĂŒckkehrte, um den großelterlichen Vier-Seit-Hof zu ĂŒbernehmen und umzubauen. Gleichzeitig begann er wieder bei der BSG Rotation Greiz zu ringen. Leider lief zu dieser Zeit ringkampfmĂ€ĂŸig in Greiz sehr wenig, was auch an der fehlenden UnterstĂŒtzung durch den TrĂ€gerbetrieb Papierfabrik und die örtlichen DTSB-FunktionĂ€re lag. So schloss er sich 1976 der Spitzenmannschaft BSG Wismut Aue an, was in Greiz nicht alle gut fanden.
Dadurch und dank der großzĂŒgigen UnterstĂŒtzung des VEB Feutron Greiz war es möglich, ein intensives leistungssportliches Training zu betreiben, auch wenn es sehr aufwĂ€ndig war, dies zu realisieren. Mit dem Team aus Aue wurde er 9 Mal DDR-Mannschaftsmeister, bei den DDR-Einzelmeisterschaften einmal Vizemeister und errang dreimal den Bronzeplatz. Dabei setzte er sich auch gegen Sportler aus den damals unter ungleich gĂŒnstigeren Bedingungen trainierenden DDR-Sportclubs durch.
Auch wĂ€hrend seiner Auer Zeit trainierte er weiter zweimal wöchentlich in Greiz und ĂŒbernahm, nach einem weiteren vergeblichen Versuch der Greizer Mannschaft in die DDR-Liga aufzusteigen, zusĂ€tzlich 1982 die TrainertĂ€tigkeit sowie nach und nach diverse Leitungsfunktionen beim Aufbau neuer Strukturen im Greizer Ringersport. Sein Ehrgeiz bestand darin, den Ruf der Greizer Ringerhochburg aus den 50er Jahren wiederherzustellen.
Erhard Schmelzer hatte somit in den 80er und 90er Jahren großen Anteil an der stĂ€ndigen AufwĂ€rtsentwicklung des Greizer Ringkampfsportes und im Wendejahr 1990 wurde Greiz in der höchstmöglichen Leistungsklasse Vizemeister und in die 2.Bundesliga eingeordnet.
Erhard Schmelzer betreute mehrere Jahre das Bundesliga-Team aus der Reußenresidenz. Ab 1983 war er Mitglied der Wettkampfkommission des DDR-Ringerverbandes und seit der Wende ist er Mitglied im Bundesligaausschuss des Deutschen Ringer-Bundes sowie seit 10 Jahren auch fĂŒr den Bundesliga-Ergebnisdienst tĂ€tig.

Zu DDR-Zeiten wurde ihm wie allen anderen BSG-Sportlern der Start bei internationalen Meisterschaften und Turnieren verwehrt. Selbst beim traditionellen Werner-Seelenbinder-Turnier in Leipzig durfte Erhard Schmelzer als amtierender Vizemeister nicht starten. So nutzte er die Teilnahmemöglichkeit bei den 1991 eingefĂŒhrten Weltmeisterschaften der Senioren, bei denen er bei zwölf Starts elf Medaillen erkĂ€mpfte und selbst den Weltmeistertitel errang. Dabei konnte er zugleich auch seinem Hobby, sich die Welt anzuschauen frönen.
Nach der Wende ergab sich 1990 fĂŒr ihn die Möglichkeit, in das Landratsamt Greiz zu wechseln, wo er unter anderem beim Aufbau eines neuen Sportsystems im Landkreis tĂ€tig war. Einer seiner wohl grĂ¶ĂŸten Coups fĂŒr den Greizer Ringkampfsport sollte aber die Verpflichtung des Greizer Ringeridols Victor Peikov fĂŒr das Greizer Team werden.
Nun sollte man meinen, dass diese Leistungen fĂŒr ein Leben genug sind, doch weit gefehlt: Erhard Schmelzer nimmt auch heute noch am Training der Greizer Ringer teil, arbeitet als Trainer im Nachwuchsbereich und legt großen Wert darauf, auch in Mohlsdorf, wo viele gute Greizer Ringer herkamen, in Zusammenarbeit mit Frank KnĂŒpp wieder einen StĂŒtzpunkt fĂŒr das Kindertraining zu etablieren, von dem beide hoffen, dass er nach einigen Anlaufschwierigkeiten wieder einen Teil des Greizer Ringernachwuchses sichern kann.
Zu erwĂ€hnen ist noch, dass auch Sohn Michael Völkel in die Fußstapfen des Vaters getreten ist und Deutschland bei Junioren-Europameisterschaften und Studenten-Weltmeisterschaften vertreten konnte.
Neben seinen vielen sportlichen TĂ€tigkeiten engagiert sich Erhard Schmelzer auch seit 1990 als Vorsitzender des Vereins “Reußische FĂŒrstenstraße” sowie als Vorstandsmitglied im regionalen Tourismusverband ThĂŒringer Vogtland Tourismus bzw. dessen VorgĂ€ngerverband. Entspannung findet er bei der Arbeit im heimischen Garten und vor allem beim Spielen mit seinen Enkeln.
Hoffen wir, dass uns das Urgestein Erhard Schmelzer noch lange mit seinen Erfahrungen und seiner unermĂŒdlichen Energie bei der Arbeit fĂŒr den Greizer Ringersport und darĂŒber hinaus erhalten bleibt und gratulieren ihm zu seinem Ehrentag.

Frank KnĂŒpp @26.08.2013

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