20. Januar 2021

Können Greizer Ringer mit Heimsieg gegen Nürnberg Endrundenplatz erreichen?

Dawid Karecinski
Dawid Karecinski

Die Spannung hätte für die Greizer Ringkampfanhänger nicht größer sein können?

GREIZ. Am letzten Kampftag der Hauptrunde in der Ringer-Bundesliga geht es für den RSV Rotation Greiz zu Hause um den dritten Tabellenplatz. Die Mannschaft mit dem größten Zuschauerzuspruch Deutschlands erwartet in der Sporthalle An der Eisbahn den alten Rivalen SV Johannis Nürnberg. Der Greizer Ringerverein hat bisher eine phantastische Saison gerungen. Vor der Saison wurde das Saisonziel ausgegeben in der von vielen Fachleuten als stärkste Staffel eingeschätzte Gruppe Südost um die Plätze drei bis fünf zu kämpfen. Viele hielten das für sehr ambitioniert, doch vor dem letzten Heimkampf liegt Greiz auf Platz drei. Unabhängig vom Ausgang des letzten Vorrundenkampfes kann man von einem vollauf gelungenen Ringerjahr sprechen. Die Ringerveranstaltungen in der höchsten Liga in Greiz entwickelten sich zum interessantesten Entertainmentprodukt in Ostthüringen.

Hatte man bereits im Vorjahr als Aufsteiger nach der Vorrunde einen aufsehenerregenden dritten Platz belegt, musste man in der Rückrunde doch etwas Lehrgeld zahlen und rutschte auf den vierten Platz in der Staffel Südost ab. Zum inoffiziellen Titel eines ostdeutschen Meisters reichte es aber immerhin noch. In dieser Saison, in einer weitaus stärker besetzten Staffel mit dem deutschen Meister SV Wacker Burghausen und dem Vizemeister Red Devils Heilbronn kämpfend, geht es gegen Nürnberg um den dritten Platz in der Vorrundengruppe und um einen Platz in der Endrunde. Greiz hat von den bisherigen 13 Saisonkämpfen sieben gewonnen, zwei endeten auswärts unentschieden. Bezwungen wurde Greiz nur je zweimal vom deutschen Meister Burghausen und vom Vizemeister Heilbronn.

Gelingt gegen die Franken nun der achte Saisonerfolg? Dann wäre der Greizer Ringerverein erstmals wieder nach 2001 auf den Weg in das Viertelfinale der Endrunde der deutschen Mannschaftsmeisterschaft. Damals drangen die Greizer bis ins Halbfinale der deutschen Mannschaftsmeisterschaft vor.

Zwei Mannschaftskämpfe, Endrundenauslosung und Weihnachtsfeier

Der Kampf gegen Nürnberg, der vom erfahrenen saarländischen Kampfrichter Georg Goczol geleitet wird, beginnt wie üblich um 19:30 Uhr. Bereits um 17:30 Uhr trifft die zweite Vertretung im Kampf um die Silbermedaille in der Landesliga Sachsen auf die WKG Weißwasser/Cottbus.
Nach dem Hauptkampf erfolgt in der Wettkampfhalle eine Übertragung der Endrundenauslosung, die beim saarländischen Erstligisten Riegelsberg stattfindet. Danach steigt die Weihnachtsfeier im Foyer, die zur Saisonabschlussfeier aufgewertet werden kann, falls die Greizer Ringer den dritten Platz nicht erreichen, bzw. bei der Auslosung Pech haben. Nur zwei der drei Gruppendritten haben die Chance in der Endrunde anzutreten. Darüber entscheidet das Los. Im Vorjahr zog der damalige Gruppendritte der Südoststaffel Nürnberg die Niete. Die Endrundenkämpfe beginnen bereits am 28.Dezember. Greiz hätte dann Heimrecht.

Tabellensituation

Ansetzungen am letzten Kampftag:
ASV Schorndorf – SV W. Burghausen
RSV Rotation Greiz – SV Johannis Nürnberg
SV Hallbergmoos – FC E. Aue
AC Lichtenfels – Red Devils Heilbronn

Vor dem letzten Kampftag hat die Tabelle folgendes Aussehen:

PlatzMannschaftAnz.K.Plus:MinusDifferenz +:?
1SV W. Burghausen13287:74213 26:0 
2Red Devils Heilbronn13222:14775 22:4 
3RSV Rotation Greiz13194:18212 16:10 
4ASV Schorndorf13181:15130 15:11 
5SV Johannis Nürnberg13164:181-17 14:12 
6SV Hallbergmoos13151:236-85 7:19 
7FC E. Aue13142:222-80 4:22 
8AC Lichtenfels13103:251-148 0:26 

Mögliche Ausgänge der beiden relevanten Kämpfe:
Greiz gewinnt – Greiz hat den 3.Platz sicher
Auch wenn Schorndorf zu Hause gegen den deutschen Meister gewinnen sollte und Greiz gewinnt – ist Greiz Dritter.
Wenn Nürnberg gewinnt und Schorndorf gewinnt – ist Schorndorf Dritter.
Wenn Schorndorf verliert und Greiz verliert – wird es spannend. Dann sind Greiz und Nürnberg punktgleich (je 16:12) und liegen vor Schorndorf (15:13)
Bei Punktgleichheit von zwei oder mehr Mannschaften tritt eine jahrzehntelang bewährte Regel des Deutschen Ringer-Bundes in Kraft: Es zählt nicht das Gesamtpunktverhältnis – hier liegt Greiz z.Z. mit +12 Punkten vor Nürnberg mit -17 Punkten. Es zählen nur die Kämpfe gegen einander.
In Nürnberg hatte Greiz mit 17:11 gewonnen. Greiz könnte also mit 5 Punkten Differenz verlieren und wäre noch immer Dritter. Bei einem Sieg mit sieben Punkten Differenz wäre Nürnberg Dritter. Interessant wird es bei einem Nürnberger Sieg mit sechs Punkten Unterschied. Dann wären beide Mannschaften punktgleich. Für einen solchen Fall hat der DRB in den Sonderbestimmungen für Mannschaftskämpfe (SMK) in § 13 festgelegt, wie zu verfahren sei. Erstes Kriterium ist die Anzahl der Siege. Hier führt Greiz aus dem Vorkampf mit 6:4.

Was weiter passiert

Für den so ermittelten Dritten der Staffel geht es folgendermaßen weiter:
Am gleichen Abend steht das Losverfahren zu den Paarungen der Endrunde an, das im Anschluss an die Kämpfe im saarländischen Riegelsberg durchgeführt wird. Der RSV Rotation Greiz wird dieses Losverfahren in die Halle übertragen. Von den drei Drittplatzierten der einzelnen Staffeln muss einer ausscheiden. Die Konkurrenten um den Platz in der Endrunde sind in der Staffel Südwest der saarländische Vertreter ASV Hüttigweiler oder die RKG Freiburg 2000 und im Nordwesten die im direkten Vergleich aufeinander treffenden RV Lübtheen und der KSV Witten aus Nordrhein-Westfalen. Wer von diesen Dreien wird Lospech haben?

Wer kann Gegner des Dritten der Staffel Südost im Viertelfinale werden?

Vor zwei Jahren hatte Nürnberg das Pech sofort wieder gegen Burghausen ausgelost zu werden. Das kann diesmal nicht der Fall sein. Der erste Gegner wird aus einer anderen Staffel kommen. Neben den beiden Staffelsiegern KSV Köllerbach aus dem Saarland (Staffel Südwest) und dem ASV Mainz 1888 (Nordwest) könnte auch ein Zweitplatzierter aus diesen Staffeln zugelost werden. Das wäre der vorjährige Halbfinalgegner von Burghausen, der TuS Adelhausen, der im südlichsten Baden in der Nähe der Schweizer Grenze beheimatet ist, bzw. der Stadtrivale des ASV Mainz, der SV Alemannia (Mainz-) Nackenheim. Beim Stadtderby des deutschen Meisters von 1973 und 1976 ASV Mainz 88 gegen Nackenheim wurde übrigens vor vier Wochen Greiz mit 1123 Besuchern der Zuschauerrekord für die Saison 2019 entrissen. Noch erfolgreicher war der KSV Köllerbach aus
dem Saarland, der 1966, 1968 und 1972 deutscher Meister wurde und 2017 Burghausen im Finale unterlag. Der Vorkampf im Viertelfinale ist übrigens bereits für Sonnabend, den 28.Dezember, terminiert. Er würde in Greiz stattfinden.

War und ist der Nürnberger Weltmeister Tsurtsumia startberechtigt?

Wer glaubt, er hätte nun genug von Wenn und Aber gehört, der irrt sich. Da ich mir nicht den Vorwurf der „Lückenpresse“ aussetzen möchte, soll die Problematik hier – in kurzer Form – dargelegt werden
Eine entscheidende Frage ist völlig offen. Nürnberg hat in der Rückrunde den georgischen Weltmeister Nugzari Tsurtsumia in der leichtesten Gewichtsklasse (57 kg/g) eingesetzt. Der Mann ist kaum zu bezwingen. Er wurde in fünf Kämpfen eingesetzt und gewann diese alle vorzeitig. Bei den georgischen Meisterschaften in der letzten Woche wurde zwar der Greizer Zurab Matcharshvili Erster in der leichtesten Gewichtsklasse, aber nur weil Tsurtsumia nicht teilnahm. Im griechisch-römischen Stil heißt die leichteste Gewichtsklasse 55 kg. Um dieses Limit zu erreichen, hat der Weltmeister doch einige Schwierigkeiten. Im Sommer bei den Olympischen Spielen wird er aber sicher im leichtesten Limit starten.
Gestartet ist der Georgier aber auch in der Deutschen Ringer-Liga, die aus Vereinen gebildet wird, die sich vor drei Jahren vom Deutschen Ringer-Bund losgesagt haben. Das hat der DRB aber den Startern in seinen Ligen unter der Androhung von Punktabzügen verboten. Das geschah aber bis zum heutigen Tag nicht. Dafür schrieb Ralf Diener, der Vizepräsident Bundesliga, z.B. unter das Ergebnisprotokoll zum Kampf der Nürnberger gegen Schorndorf am 23.November folgenden Vierzeiler:

Bemerkung Wertung, Kampfergebnis:
Mit Beschluss des RAI (gemeint ist der Rechtsausschuss I – E.S.) vom 16.12.2019 wurde die Beschwerde des SV Joh. Nürnberg abgewiesen. 17.12.19 rd. Per noch nicht rechtskräftigen Verwaltungsentscheid ist beabsichtigt, dass Kampfergebnis in der 57 Kg zwischen N. Tsurtsumia gg. E. Cetin in ein 0:4 zu ändern. rd. 24.11.19

Gleichlautende Einträge gibt es am 16.11. zum Kampf gegen Burghausen und am 30.11.gegen Aue, nicht aber zu den Kämpfen gegen Heilbronn und Hallbergmoos, was die Sache juristisch interessant macht, da Tsurtsumia auch dort startete.
Gegen Schorndorf gewann Nürnberg mit 11:6. Würden die Punkte von Tsurtsumia gestrichen, hätte Schorndorf mit 10:7 gewonnen und stünde auf Platz drei.
Gerüchten zu Folge sollen juristische Auseinandersetzungen des DRB mit der Deutschen Ringer-Liga die Ursache für das Androhen aber nicht Durchführen der Punktabzüge sein.
Haben die Verantwortlichen des Deutschen Ringer-Bundes aber auch das Wohl ihrer Vereine im Auge? Bis heute (Donnerstag, der 19.Dezember, 12 Uhr) weiß keiner der beteiligten Vereine, wohin der Hase läuft. Der Georgier hat seine Punkte behalten. Wie wird in seinem Falle weiter verfahren? Wie sieht die reale Tabelle vor den Kämpfen am 21.Dezember aus? Kommt noch eine Entscheidung vor den letzten Kämpfen? Oder erst nach den Kämpfen? Vor der Auslosung? Oder nach der Auslosung?

Am 28.Dezember sollen die Endrundenkämpfe beginnen. Die Vereine müssen in der Weihnachtszeit die Vorbereitungen für den Viertelfinalkampf treffen. Dutzende ehrenamtliche Helfer müssen zwischen den späten Abendstunden des 21.Dezember und dem 28.Dezember bei geschlossenen Geschäften sehr viel leisten. Für die Hälfte der startenden Vereine dürfte es der Kampf des Jahres sein. In Greiz werden 1000 Zuschauer oder mehr erwarte. Die müssen verköstigt werden, die Halle muss vorbereitet werden. Es sind nicht nur die Sportler von denen viel verlangt wird. Und vielleicht ändert sich am Heiligabend noch alles. So geht es nicht!

Zurück zum Sportlichen
Nürnberg will die sechs Punkte aufholen.

Für Nürnberg lief es in der Rückrunde sehr gut. Mit dem georgischen Weltmeister Nugzari Tsurtsumia in der leichtesten Gewichtsklasse (57 kg/g) und dem ehemaligen Greizer Daniel Ligeti (130 kg/f) im Schwergewicht wurde Schorndorf bezwungen und Heilbronn kam gerade noch mit einem 16:13 Sieg davon. Der sympathische Ungar Ligeti kämpfte 2008 in der 2.Bundesliga in der 96 kg-Klasse für Greiz. Er wechselte 2010 in die schwerste Gewichtsklasse, errang Silber- und Bronzemedaillen bei Europameisterschaften, startete bei den Olympischen Spielen in London und Rio de Janeiro, wo er Platz sieben belegte. Der Kampf gegen den Greizer WM-Dritten Magomedgadji Nurov könnte ein besonderer Leckerbissen werden.
Der Nürnberger Sportdirektor Mario Besold ist mit seinem Team vollauf zufrieden: „Wir sind mit unserem Abschneiden in der extrem starken Gruppe vollauf zufrieden. In Greiz erwarten wir einen spannenden Kampf. Wir rechnen mit einer vollen Halle. Wir wollen die sechs Punkte aufholen und in die Endrunde einziehen.“ Nürnberg kommt mit einem Reisebus nach Greiz und bringt ungefähr 50 Anhänger mit. Für Stimmung dürfte also gesorgt sein.
Im Anschluss an Wettkampf und Auslosung findet in Greiz die Weihnachtsfeier mit Sportlern, Sponsoren und Ringkampfanhängern statt. Genug Gesprächsstoff dürfte es geben.

Erhard Schmelzer

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