RSV Rotation Greiz - KV RiegelsbergRSV Rotation Greiz - KV Riegelsberg

RSV Rotation Greiz – KV Riegelsberg 36:0 (18:0)

Nach den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko – mit zwei Olympiasiegen für die DDR durch die aus Bitterfeld und Auerbach im Erzgebirge stammenden Rudolf Vesper bzw. Lothar Metz – veränderte der internationale Ringerverband seine Gewichtsklassen. Wurde bisher in acht Gewichtsklassen gerungen, wurde nun in zehn unterschiedlichen Klassen gekämpft.
Das führte ab 1969 auch zur Veränderung bei den Mannschaftskämpfen, bei denen seitdem auch zehn Gewichtsklassen zur Disposition stehen. Gleichzeitig werden maximal vier Punkte pro Gewichtsklasse vergeben. Endete ein ausgeglichener Kampf vorher zum Beispiel 4:4, müssten nun viele Randbedingungen erfüllt werden, um beim 20:20 ein Remis zu erzielen. Die Kriterien zur Punktvergabe wurden zigmal modifiziert und angepasst, das Grundprinzip blieb aber bis heute erhalten.
Der Bundesligakampf gegen Riegelsberg endete 36:0. Dieses Ergebnis hatten die Greizer Mannschaften früher auch schon mehrmals erreicht. Dabei suggeriert es eigentlich ein negatives Resultat: Gegnerische Mannschaft nicht startberechtigt, selbst nur mit 9 Kämpfern über die Waage.
Am Sonnabend war das allerdings nicht der Fall. Alle zehn Kämpfe wurden ausgetragen und die zehn Greizer konnten zehn Einzelsiege erringen. Allerdings konnten die Gäste nicht in stärkster Formation antreten, so fehlten Sportler auf Grund von Verletzungen und Teilnahme an Vorbereitungscamps für die Weltmeisterschaften. Zu allem Überfluss verletzten sich noch zwei Saarländer im Kampf auf der Matte in Greiz.
In den 47 Jahren seit Einführung des neuen Mannschaftkampfsystems hat sich im Greizer Ringkampfsport viel verändert. Nach der organisatorisch bedingten Flaute in den sechziger und siebziger Jahren wurde wieder Anschluss an die große deutschlandweit beachtete Zeit nach dem zweiten Weltkrieg gefunden. Kämpfte Greiz als zweimaliger ostdeutscher Meister zu Beginn der fünfziger Jahre mehrmals um die Gesamtdeutsche Mannschafts-Meisterschaft (schon damals konnte Greiz auf Rekordzuschauerzahlen verweisen), kommen die stärksten deutschen Ringermannschaften nun wieder regelmäßig nach Greiz.
Und in dieser Saison sieht es besonders gut für die Mannschaft aus der Perle des Vogtlandes aus, nach fünf von zwölf Vorrundenkämpfen liegt der RSV Rotation Greiz zusammen mit den Meisterschaftsfavoriten Weingarten und Kleinostheim unbezwungen an der Tabellenspitze. Mag der derzeitige zweite Tabellenplatz auch eine Momentaufnahme sein, so dokumentiert er doch das gewachsene Renommee des Ostthüringer Vereins in nah und fern.
Trotz der Vielzahl der Veranstaltungen zum Tag der deutschen Einheit waren wieder 785 Besucher in die Greizer Halle gekommen. Damit belegt Greiz nach drei Kämpfen in der Zuschauerstatistik die ersten drei Plätze.
Zum Tag der Deutschen Einheit wird überall Bilanz gezogen und die Entwicklung in Ost und West verglichen, da mag auch ein Blick auf den Ringkampfsport genehmigt sein.
Mit nur zwei Erstligisten aus dem Osten – neben Greiz nur noch Aue – ist der östliche Landesteil deutlich unterrepräsentiert. Die Gründe dafür findet man täglich im Wirtschaftsteil der Medien.
61 kg/f: Karamjeet Holstein kam in der zweiten Minute zum Schultersieg über den 18 -jährigen Till Petzinger, dessen Vater schon im Verein kämpfte.
130 kg/g: Ilja Klasner, dessen Sieg über Jello Krahmer deutschlandweit beachtet wurde, beherrschte den U20- Vizemeister des Vorjahres Johannes Müller eindeutig. Der Greizer übernahm einen Angriff und kam schon Sekunden nach Beginn zu einem Wurf, den der Luckenwalder Kampfrichter Thomas Hausmann mit fünf Punkten bewerten konnte. Vor allem im Bodenkampf war Ilja Klasner klar überlegen und kam kurz vor Ende der ersten Halbzeit zum 16:0 Sieg.
66 kg/g: Auch der erstmals in dieser Saison eingesetzte Niklas Nimtz demonstrierte gegen Nikita Frehse seine Stärken im Bodenkampf und kam nach dem ersten angeordneten Bodenkampf zum 15:0 Erfolg.
98 kg/f: Lucas Kahnt startete mit einem Beinangriff gegen Alessandro Carlino, der sich bei seiner Abwehrbewegung an der Rippe verletzte. Beim zweiten Angriff des Greizers legte er seinen Gegner mit einem Achselwurf auf die Schultern.
71 kg/f: Auch der 18-jährige Joey Wrensch erhielt von Trainer Tino Hempel die erste Chance in der deutschen Eliteliga zu kämpfen. Und er nutzte sie gegen den ehemaligen U20-Medaillengewinner Till Butterbach, der zur Halbzeit 3:4 führte. Nach einem Beinangriff, bei dem sich der Gästeringer am Fuß verletzte, führte der Greizer 7:6. Endstand 11:6.
86 kg/g: Tunjay Vazirzade traf auf den aus Neuss stammenden ehemaligen Jugend- und Juniorenmeister Ivan Tagner, der Deutschland auch bei den Junioren bei einer EM vertrat. Im Standkampf dominierte der Greizer ohne zu punkten. Im Boden erkämpfte es sich ein 9 Punkte-Plus. Es war erst der zweite Kampf, der über die volle Zeit ging.
75 kg/g: Bei Serdar Durmus ging es wieder schneller. Schon nach gut einer Minute hatte er den zum Abbruch nötigen Vorsprung von 15 Punkten gegen Bruno Erlandsson herausgearbeitet.
80 kg/f: Hatte Nicolay Grahmez in der Vorwoche mit einer Aufreißerserie Schorndorf alle Chancen genommen, war er diesmal mit Rollen am Boden gegen Moritz Posth zum 16:0 erfolgreich.
75 kg/f: Auch der aufgerückte Moritz Langer kam zu einem schnellen Sieg über den Ukrainer Georgiy Zlatov.
80 kg/g: Im letzten Kampf traf Aleksa Illic auf den aus NRW zu denn Saarländern gestoßenen Deni Hungaev. Euphorisch von den Zuschauern angefeuert mit: „Einer geht noch, einer geht noch rein“, reichte es am Ende doch „nur“ zum 14:0 Erfolg.
So wurde es dann doch nichts mit dem 37:0. Auch so wurde es für Greiz der höchste Sieg seit langer Zeit.
Tino Hempel war die Freude über den Saisonstart mit 10:0 Punkten anzusehen: „Es kann für uns eine ganz starke Saison werden. Wir haben als Mannschaft zusammengefunden und jeder kann sich auf den anderen verlassen. Nächste Woche werden wir in Hösbach alles geben.“
Uwe Bahr, der mit Thomas Schweitzer die Gastmannschaft betreute, zeigte sich beeindruckt von der Kulisse: „Bei so einem Fluidum macht es Spaß zu ringen. Hier ging alles sehr fair zu. Wir konnten leider aus verschiedenen Gründen keine gleichwertige Mannschaft entgegensetzen.“

Bericht: Erhard Schmelzer
Fotos: Konstanze Warmuth

Einzelergebnisse:

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