Greiz bezwingt nach großartigem Kampf Exmeister SchorndorfGreiz bezwingt nach großartigem Kampf Exmeister Schorndorf

RSV Rotation Greiz vs. ASV Schorndorf 13:10 (8:4)

Der 26.September 2026 dürfte in den Annalen des RSV Rotation Greiz des 95 Jahre alten Greizer Ringervereins einen besonderen Platz einnehmen.

An diesem Tag hat die Greizer Mannschaft die bisher beste gegnerische Mannschaft bezwungen. Der ASV Schorndorf wurde bereits 1975, damals vom später insolventen Haushaltsgerätehersteller Bauknecht unterstützt deutscher Mannschaftsmeister.

Auch 2024 wurde der Meistertitel erkämpft. Dazu kommen noch drei Vizemeistertitel, zuletzt gelang das 2022. Auf der offiziellen Website des Deutschen Ringer-Bundes und in den sozialen Medien wurde der Kampf in Greiz im Vorfeld nicht zu Unrecht als Spitzenkampf apostrophiert.

Am gleichen Tag wurde auch vom DRB gemeldet, dass die für den RSV Rotation Greiz startende Mia Bauer bei den Beach-Wrestling-Weltmeisterschaften im griechischen Katerini in der Altersklasse U20 den Sieg errungen hatte. Herzlichen Glückwunsch.

Die Zuschauer in Greiz erlebten zehn spannende Kämpfe, bei denen jeweils Entscheidungen fielen, die den Ausgang des Mannschaftskampfes verändern konnten. Müßig darauf hinzuweisen, dass im zweiten Heimkampf der Saison die meisten Zuschauer wieder in der Greizer Halle gezählt wurden.

61 kg/f: Der erst am Donnerstag vom WM-Trainingslager in Heidelberg zurückgekehrte Medizinstudent Karamjeet Holstein, was seiner Spritzigkeit sicher keinen Vorschub geleistet hatte, lag nach 45 Sekunden durch einen Achselwurf von Iannis Lupu 0:4 im Rückstand. Bei seinem Konter auf einem Angriff des Schorndorfers konnte der Greizer zwar punkten, wurde dabei aber selbst angekippt (2:6). Zwei Angriffe brachten den 6:6 Ausgleich, doch mit dem Pausengong kam Lupu, einer der erfolgreichsten deutschen Nachwuchsringer, zur 6:7 Führung. Die Aufholjagd des Greizers gegen einen immer gefährlichen Gegner ging weiter. Zwei parallele Beherrschungen und eine Zeitstrafe brachten die 11:7 Führung, die sein Gegner noch eine Sekunde vor Schluss auf 11:9 verkürzte. Ein Spitzenkampf (Mannschaftsstand: 1:0).

130 kg/g: Zwei deutsche Spitzenringer standen sich im schwersten Limit gegenüber, die Favoritenrolle nahm nicht nur wegen seines 14 Kilogramm schwereren Gewichtes der deutsche Meister von 2022 und U23-WM-Dritte Jello Krahmer aus Schorndorf ein. Bereits nach 21 Sekunden führte er gegen den sehr durchtrainiert wirkenden Ilja Klasner 2:0. Keine Überraschung, dass der starke Kampfrichter Wolfgang Spänle aus Bruchsal gegen den Greizer die erste Verwarnung aussprach. Obwohl am Boden nichts gelang führte der Schorndorfer zur Halbzeit 3:0. Die Punkte schienen nach Schorndorf zu wandern. Doch Ilja Klasner sorgte mit einer phantastischen Aktion für eine Überraschung. Mit einem blitzartigen Überraschungsangriff gleich nach dem Anpfiff hatte Krahmer nicht gerechnet! Bereits nach 9 Sekunden hatte der Greizer zum 2:3 verkürzt und durch die folgende Verwarnung, die zum 3:3 führte, blieb der Siegpunkt in Greiz. Kein Wunder, dass RSV-Trainer Tino Hempel Karamjeet Holstein und Ilja Klasner („ein Riesenkampf“) mit zur Pressekonferenz nahm. (2:0)

66 kg/g: Der für Greiz kämpfende Aserbaidschaner Murad Mammadov traf auf den amtierenden deutschen Meister Timur Demir, dominierte den Kampf und führte nach der ersten Bodenaktion durch zwei Ausheber, die zusammen 6 Punkte einbrachten, zur Halbzeit 8:0. Einen Punktabgabe des Greizers sah der Kampfrichter als Grund ihn in den Bodenkampf zu schicken, der aber ohne Folgen blieb. Am Ende hieß es 14:2 für Murad Mammadov. (5:0).

98 kg/f: Auf beiden Seiten fehlten mit Erik Thiele und Ertugrul Agca (Schorndorf) die ursprünglich vorgesehenen Sportler. Bei Greiz schlüpfte wieder Lucas Kahnt in die Vertreterrolle, Schorndorf ließ den amtierenden griechischen Weltmeister Georgios Kougioumtsidis aufrücken. Und der Grieche besitzt nicht nur einen schwer auszusprechenden Namen, er ist mit seinem Stil auch schwer zu beringen. Er punktete mit blitzschnellen Beinangriffen, die folgenden Beinschrauben konnte Lucas Kahnt anfangs noch abwehren. Zur Halbzeit stand es trotzdem schon 0:8. Zwar konnte der Greizer eine Rolle kontern doch der Grieche kam immer wieder zu Punkten. Kurz vor Schluss stand beim 2:18 der technische Überlegenheitssieg fest. (5:4)

71 kg/f: Bei den deutschen Einzelmeisterschaften dieses Jahres hatte sich der Schorndorfer Bronzemedaillengewinner Burak Demir deutlich vor Moritz Langer platziert, was auch am Modus lag.. Auf der Greizer Matte sah es aber ganz anders aus. Der Sportstudent nahm von Anfang an das Heft des Handelns gegen einen starken Gegner in die Hand. Eine Zeitstrafe brachte die 1:0 Führung, ein Beinangriff das 3:0. Ein weiteres Ankippen in die gefährliche Lage übersah leider der Kampfrichter. Weitere Beinangriffe brachten die 7:0 Führung, die nach einer Zeitstrafe 15 Sekunden vor Schluss das erlösende 8:0 ergab. (Halbzeitstand 8:4)

86 kg/g: In der Vorwoche hatte Trainer Tino Hempel gesagt: „Tunjay Vazirzade wird für uns noch wichtige Kämpfe gewinnen.“ Er sollte recht behalten. Sein Gegner war der zweimalige olympische Medaillengewinner und der amtierende WM-Dritte Ahmet Yilmaz. Während der gesamten Kampfzeit wurde mit hohem Tempo gekämpft ohne dass es zu erfolgversprechenden Griffansätzen kam. In der griechisch-römischen Stil auf diesem Niveau nichts Ungewöhnliches.
Zuerst musste der Aserbaidschaner zu Boden, er gab hier keinen Punkt ab. In der zweiten Runde kam der Greizer auf, als Yilmaz am Boden war, gelang dem Greizer eine Rolle zur 3:1 Führung. Noch 65 Sekunden zu Ringen! Mit unbändigem Willen versuchte der olympische Medaillengewinner eine Niederlage zu verhindern. Doch Tuncay Vazirzade behielt die Nerven und brachte einen wichtigen Punkt auf das Greizer Konto . (9:5)

75 kg/g: Der Ukrainer Ruslan Kudrynets ist den Greizer Ringkampfanhängern durch die Kämpfe gegen Christian Fetzer bekannt. Nun schickte Greiz Neuzugang Serdar Durmus ins Rennen, der durch eine Zweierwertung und eine Verwarnung zur Halbzeit 0:3 zurücklag. Gelang ihm die Verteidigung als Untermann am Anfang hervorragend, gab er beim zweiten Mal 2 Punkte, wobei ihm aber ein Konter zum 1:6 gelang. Ein achtbares Ergebnis knapp zwei Minuten vor Schluss. Doch der Kampfrichter schickte den Greizer noch einmal zu Boden. Und jetzt gab er hier vier Punkte ab. Endstand doch noch 1:10. (9:7)

80 kg /f: Ramazan Sari – in der Vorwoche in Heusweiler mit einer phantastischen Leistung – traf auf den nächsten deutschen Meister der Schorndorfer: Stas David Wolf, der nach einer Zeitstrafe 1:0 in Führung ging. Mit dem Pausengong glich der Türke aus. Beim Versuch einer Kopfrolle, die dem Gegner kurz die Luft nahm, musste der Kampfrichter abpfeifen. Wieder ging Wolf in Führung, wieder glich Sari zum 2:2 aus. Gut eine Minute vor Schluss führte so der Greizer, doch dem deutschen Meister gelangen noch zwei Einserwertung9:8)

75 kg/f: Publikumsliebling Nikolay Grahmez traf auf den Schorndorfer Neuzugang Burak Emin Salviz, der das Ringen in Essen erlernte und die letzten Jahre für Witten kämpfte. Der 22-Jährige startete bei der U 20 bei Welt- und Europameisterschaften. Greiz dürfte er in unguter Erinnerung behalten. Der Greizer brachte seinen Gegner mit einem nicht so recht gelungenen Kopf-Hüft-Schwung zu Boden. Dann gelang es ihm aber den linken Arm seines Widersachers fest zu schnüren. So gelangen ihm sieben Aufreißer in Folge. Immer wieder brachte er den Schorndorfer in die gefährliche Lage und holte ihn dann wieder in die Bauchlage zurück. Schon nach 59 Sekunden war der 16:0 Sieg erkämpft und. schon nach neun Kämpfen hatte beim 13:8 der Favorit keine Chance mehr in Greiz zu gewinnen. Die Fans feierten: „Hier regiert der RSV!“

80 kg/g: Aber noch ein Kampf war zu bestreiten. Aleksa Illic traf auf den favorisierten Franzosen Ibrahim Ghanem. Es wurde ein sehr rauer Kampf, bei dem der Greizer mit einer Zwei bestraft wurde. Der Schorndorfer griff immer wieder an, der Serbe entzog sich aber geschickt der Grifffassung seines Gegners. Zweimal in den Bodenkampf geschickt, verhinderte er weitere Punktverluste. Nur einmal wurde er von der Matte gedrängt: 0:5- eine starke Leistung zum Abschluss.

Greiz schlug eine deutsche Spitzenmannschaft 13:10 und gehört mit Exmeister Weingarten und Kleinostheim zu den drei noch unbesiegten Teams an der Tabellenspitze.

Am 3.Oktober geht es schon weiter in Greiz, dann reist der saarländische Vertreter KV Riegelsberg an.

In der Oberliga trägt die zweite Mannschaft zwei Kämpfe aus. Schon ab 15:30 Uhr ist die WKG Weißwasser/Dresden der Gegner, ab 17:30 Uhr geht es gegen die zweite Mannschaft der WKG Markneukirchen/Gelenau.

Bericht: Erhard Schmelzer
Fotos: Konstanze Warmuth

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