Dramatische Kämpfe gab es bei den Deutschen Meisterschaften der Männer und Frauen in Elsenfeld. Die bayerische Kleinstadt im Spessart beherbergte von Donnerstag bis Sonntag die stärksten deutschen Ringerinnen und Ringer, die ihr nationalen Titelkämpfe zum zweiten mal in Folge hier austrugen. Die Sportart ist in der Region tief verwurzelt.
Dem internationalen Verband folgend begannen die Meisterschaften am Donnerstag mit der Auslosung der Wettkampfpaarungen. Beim Wiegen der Freistilringer am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass der deutsche Meister von 2023 Andre Clarke, der gerade vom Greizer Ligakonkurrenten Lichtenfels nach Mainz gewechselt ist, das Gewichtslimit nicht erreichte. Sein Gegner kam so kampflos eine Runde weiter.
Für die zahlreichen Greizer Schlachtenbummler standen natürlich die Kämpfe der Aktiven aus Greiz im Vordergrund. Sowohl bei Eyleen Sewina als auch bei Lucas Kahnt (79 kg) stand die Titelverteidigung auf dem Plan. Lucas hatte im Jahre 2023 in der 74 kg-Klasse den zweiten Platz belegt und in den letzten beiden Jahren den Titel in der höheren Gewichtsklasse erkämpft. Das 79 kg-Limit war mit 23 Startern nicht nur von allen Klassen am stärksten besetzt, die Fachleute waren sich auch einig, dass hier das Wettkampfniveau am höchsten war. Und in den Vorrundenkämpfen am Freitag kämpfte Lucas Kahnt am überzeugendsten. Er bezwang den Köllerbacher Igor Makuch und den Hessen Merlin Stadtmüller (Hösbach) vorzeitig mit 10:0. Der zweimalige Juniorenmeister Gregor Eigenbrodt aus Witten (NRW) musste eine 1:3 Niederlage einstecken. Im Halbfinale hatte Jeremy Weinhold vom Erstligisten Weingarten beim 0:6 keine Chance. Im Vorjahr bezwang der Greizer im Finale den 2023 eingebürgerten Iraner Pouria Therkani 4:2. Da der für Mainz Ringende in den ersten Kämpfen keinen überzeugenden Eindruck machte, sprach vieles für den Hattrick des Greizers. Doch daraus wurde am Abend des Samstages nichts. Der Mainzer zeigte sich hervorragend eingestellt, während der Greizer nicht zu seinem gewohnten Kampfstil fand und die Punktverluste durch zwei Beinangriffe des Mainzers nicht mehr aufholen konnte. Am Ende musste sich Lucas Kahnt mit 2:5 geschlagen geben und mit der Silbermedaille vorlieb nehmen.
Eyleen Sewina, die im Vorjahr in der 62 kg-Klasse ihren dritten Meistertitel in Folge gewonnen hatte, startete diesmal eine Gewichtsklasse höher. Bei ihrer 16. Meisterschaftsteilnahme konnte sie zwar ihre 13. Medaille erobern. Zur vierten Einzelmeisterschaft in Folge reichte es aber leider nicht. Nach einem Freilos im Achtelfinale bezwang sie die Münchnerin Miriam Sanders, die spätere Bronzemedaillengewinnerin noch vor der Pause 11:0. Nicht anders erging es der Juniorin Mina Witt (Preußen Berlin), die schon nach 97 Sekunden 10:0 bezwungen war. Die Gegnerin im Finale, Luisa Niemesch (Weingarten) war allerdings ein anderes Kaliber. Nicht nur erkämpfte sie in Elsenfeld ihren achten Meistertitel bei den Frauen, sie vertrat auch Deutschland zweimal bei Olympischen Spielen. Kurz vor Schluss des Finalkampfes musste Eyleen eine Schulterniederlage einstecken.
Die dritte Silbermedaille erkämpfte Moritz Langer (65 kg), der in Einzelkämpfen für den KFC Leipzig startet. Nachdem er bereits 2019 in der 57 kg-Klasse Vizemeister bei den Männern geworden war, lief es für den jetzigen Sportstudenten nicht mehr so gut bei den deutschen Titelkämpfen. Mit zwei fünften Plätzen 2022 und 2023 war er nicht zufrieden. Diese Jahr war wieder ein Angriff auf die Medaillen geplant, mit seinem überzeugenden Sieg bei den mitteldeutschen Meisterschaften setzte Moritz ein Zeichen. Bereits im Auftaktkampf traf er auf den späteren Bronzemedaillengewinner, den Mainzer Aschot Shahbazyan, den er 8:1 bezwingen konnte. Der Halbfinalkampf gegen den Aachener Puria Jamali-Esmaeli-Kandi war nach nicht einmal fünf Minuten mir 11:0 für den Greizer entschieden. Im Finale gegen Titelverteidiger Nico Megerle (Freiburg) ging es am Ende noch ganz spannend zu. Moritz lag zwar immer zurück, konnte sich aber am Ende gegen einen schwächer werdenden Gegner noch auf 6:7 herankämpfen. Zum Sieg reichte es allerdings nicht mehr.
Schwergewichtler Lucas Gansi belegte Rang 5. Dabei wäre sogar die Finalteilnahme möglich gewesen. Zum Auftakt gewann der Luckenwalder gegen den Hessen Peter Dölger 7:1. Im Halbfinale traf er auf den nun zu Erzgebirge Aue gewechselten Emil Thiele, von dem er sich 1:1 trennte. Durch die letzte Wertung des Gegner unterlegen erreichte er nur den Kampf um Platz drei, den er gegen den Juniorenmeister Ahmet Sekmen beim Stande von 2:5 allerdings auf Schultern verlor.
Erhard Schmelzer
RSV-Neuzugang Niklas Nimtz (RC Chemnitz) präsentierte sich stark und trat in der Gewichtsklasse 60kg / 11 Sportler Greco an. Er verlor seinen Auftaktkampf gegen den späteren Finalisten Daniel Layer (NBD) knapp mit 5:3 und nutzte am heutigen Sonntag seine Chance auf die Bronzemedaille durch einen 9:1 Sieg mit Technischer Überlegenheit gegen Marvin Scherer aus Schifferstadt (PFZ).
