Tamas Lörincz

So einen hatten sie noch nicht: Tamas Lörincz ist Welt- und Europameister. Der Greizer Trainer Tino Hempel sieht Parallelen zu Viktor Peikow

Budapest/Greiz. Tino Hempel wird zum Frühaufsteher. Am 3. August um vier Uhr morgens steht das olympische Ringer-Finale im Weltergewicht bis 77 Kilogramm auf dem Programm. Tamas Lörincz, Welt- und Europameister 2019, ist einer der Favoriten auf den Olympiasieg. „Wir drücken Tamas die Daumen. Was wir von ihm gehört haben, wie er sich vorbereitet hat, wie er drauf ist – das lässt auf den großen Wurf hoffen“, sagt Tino Hempel, Trainer der Greizer Bundesligastaffel. Des Trainers Interesse rührt nicht nur daher, dass er selbst auch Greco-Spezialist war, mit Tamas Lörincz haben die Greizer in ihrer Bundesligageschichte den international erfolgreichsten Athleten verpflichten können. „Tamas hat ein riesiges Repertoire an Techniken, die er auf die Matte bringt“, sagt Tino Hempel und zieht eine Parallele zu Viktor Peikow, der über Jahre die Greizer Ringerfans mit seiner Kampfesweise begeisterte. „Das kann Tamas auch, die Fans mit seinen Würfen begeistern. Die Fans sollen sagen: Lörincz kommt. Wir gehen zum Ringen.“ In der Bundesliga ist Tamas Lörincz für die Gewichtsklassen bis 80 kg und 86 kg im griechisch-römischen Stil eingeplant. Der Greizer Neuzugang kommt aus einer Ringerfamilie, da war es vorhersehbar, dass er beim Ringkampf landete. „Ich war ein wildes Kind“, sagt der 34-Jährige, „da haben mich meine Eltern in die Ringerhalle geschickt.“ Die ersten zwei Monate sei er nur auf der Matte umhergesprungen. „Wir haben uns spielerisch dem Sport genähert, viele Dinge rund ums Ringen geübt.“ Auch sein vier Jahre jüngerer Bruder Viktor eiferte ihm nach. „Ja klar, er wollte immer so gut sein, wie ich.“ Als WM-Zweiter 2019 hat sich auch der „kleine Bruder“ für die Olympischen Spiele qualifiziert, er kämpft im Limit bis 87 Kilo. Und auf die Frage, wer im Bruder-Duell auf der Matte der Stärkere ist, lacht er und sagt: „Eine leichte Frage. Einhundert Prozent ich.“ Die Vorbereitung auf Tokio schätzt er als sehr gut ein. In London 2012 stand er schon einmal im olympischen Finale. „Wir haben uns in Tata vorbereitet, waren aber auch im Ausland im Trainingscamp. Wir konnten sehr gut arbeiten.“ Beim RSV Rotation Greiz ist er ein Neuer, in der Bundesliga kein Unbekannter, zählte er zum Kader des deutschen Mannschaftsmeisters Wacker Burghausen. „In der Bundesliga kann ich mich Woche für Woche beweisen, habe es mit starken Gegnern zu tun. Die Atmosphäre ist unglaublich.“ Als die Anfrage aus Greiz kam, musste er nicht lange überlegen. „Der Verein ist ambitioniert. Wir ringen vor vollem Haus. Wir wollen ein großes Ding raushauen. Greiz ist für mich eine große Herausforderung.“

Andreas Rabel /OTZ
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