Eigentlich hätte der dritte Wettkampftag ein Tag des RSV Rotation Greiz werden sollen. Die Meldung vom Neuzugang des amtierenden deutschen Meisters Erik Thiele, der kurz zuvor noch als Mannschaftskapitän des deutschen Mannschaftsmeisters 2025/26 Wacker Burghausen vom Präsidenten des Deutschen Ringer-Bundes den Siegerpokal überreicht bekam, schlug in der Ringkampfwelt ein wie eine Bombe. Doch kurz vor den Europameisterschaften verletze er sich und konnte dort genau so wenig antreten, wie jetzt bei den deutschen Meisterschaften.
In seiner Abwesenheit stritten sich der Essener Ertugrul Agca – in der Bundesliga für Schorndorf aktiv – und der wieder aus der 125 kg-Klasse zurück gekommene Köllerbacher Olympiateilnehmer von 2021 Gennadij Cudinovic um den Titel. Im Finale siegte der für Bundesligaaufsteiger Heusweiler kämpfende Cudinovic 4:0.
Bronzemedaille für Karamjeet Holstein – 57 kg F
Der nach seiner langen Verletzungspause erstmals wieder eine deutsche Meisterschaft bestreitende Karamjeet Holstein hatte sich viel vorgenommen, geriet aber nun in die Kämpfe um die Olympiaqualifikation von Horst Lehr und Niklas Stechele. Der Schifferstädter Lehr kämpfte vor 6 Wochen noch bei der Europameisterschaft (9.Platz) in dieser Gewichtsklasse und konnte es sich leisten bei der DM in der 61 kg-Klasse zu kämpfen, die er souverän für sich entschied. Der Westendorfer Niklas Stechele hingegen wählte den anderen Weg. Er startete bei der EM im 61 kg-Limit (7.Platz) und wurde nun deutscher Meister in der 57-er Kategorie. Karamjeet Holstein unterlag gegen ihn bereits im ersten Kampf deutlich 0:10. Die zweite Niederlage gegen den U20-Meister John Keterling aus dem nordbadischen Graben-Neudorf mit 9:12 kam aber völlig überraschend. Nach Siegen gegen seine Leipziger Trainingspartner Teetje Richter (10:0) und Tim Krasnickij (9:4), die beide in der Bundesliga für Aue kämpfen, kam Karamjeet Holstein auf den dritten Platz.
Ilja Klasner erkämpft die Bronzemedaille – 130 kg GR
Bei den beiden schwersten Gewichtsklassen der Männer herrschte besondere Spannung. Die beiden Favoriten Moysen Siyar (frei) und Jello Krahmer, die aus Württemberg kommen, konnten nicht starten. Im griechisch-römischen Stil startete Ilja Klasner für seinen Heimatverein SV Fellbach in Württemberg. In seinem Pool bezwang er den Köllerbacher Kilian Schäfer 2:1. Mit einem Überlegenheitssieg von 9:0 über den Nordbadener mit georgischen Wurzeln Alexi Kavtaratze wurde er Poolsieger, musste aber nun im Halbfinale in den Überkreuzvergleich. Hier unterlag er gegen den Südbadener Patrick Neumaier 0:5 und hatte so nur noch die Chance auf Bronze. Im anderen Halbfinale schlug der Markneukirchner Franz Richter, der jetzt für Kleinostheim kämpft, Schäfer 8:0. So musste Klasner noch einmal gegen Schäfer antreten und konnte sich mit einem blitzschnellen Überlegenheitssieg den dritten Platz sichern.
Auch Lucas Gansi (125 kg F) war gut in Form. Bereits im Auftaktkampf traf er auf seinen Bezwinger vom Vorjahr, der ihm damals im Kampf um Bronze geschultert hatte. Diesmal bezwang er Ahmet Sekmen (Hohenlimburg/NRW) 2:1. Der ehemalige Sömmerdaer Toni Bernhardt startet nun unter dem Namen Römer für Apolda und brachte für seine 35 Jahre und lange Ringkampfpause eine erstaunliche Leistung auf die Matte. Gansi siegte aber 4:3. Mit einem Sieg im Halbfinale hätte er das Finale erreicht, wurde aber vom Südbadener Kay Schall 4:0 bezwungen. Den dritten Platz verpasste er mit dem gleichen Ergebnis gegen den Vizemeister des Vorjahres Emil Thiele aus Aue.
Bericht: Erhard Schmelzer
Foto: Deutscher Ringer-Bund e.V.
