30. KSV-Pokal in der Erdachsenstadt

Seit der Wende veranstaltet der Ringerverein in Pause sein traditionelle Nachwuchsturnier im griechisch-römischen Stil für Aktive zwischen sechs und zwölf Jahren. Nach zweijähriger Corona-Pause kämpften in der neuen Halle neben der Schule 208 Sportler aus 27 Vereinen auf vier Matten um Medaillen und Urkunden. Der RSV Rotation Greiz war mit zehn Aktiven zur Stelle. In der Region war es der erste große Wettkampf seit Anfang März 2020. Im Vorfeld stellten sich mehrere Fragen. Wie hatten sich die letzten 25 Monate auf die Form der Aktiven und die Kräfteverhältnisse unter den Vereinen ausgewirkt? Dabei kann man getrost in Bezug auf das Greizer Team den oft strapazierten Terminus von der „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ benutzen. Fünf der Sportler beschäftigen sich schon einige Jahre mit dem Ringkampfsport und können zum Teil bereits auf eine längere Erfolgsstatistik verweisen. In diese Elf – bzw. Zwölfjährigen konnte man schon Vertrauen setzen. Die andere Hälfte des Teams, durchweg neun und zehn Jahre alt, war erst kurz vor dem letzten Weihnachten zum Ringkampf gestoßen und hatte – abgesehen von einem kleinen Anfängerturnier in Greiz – noch nie einen Wettkampf bestritten. Die drei Greizer Trainer, Maik Gasser, Konstantin Sommer und Erhard Schmelzer (über den ebenfalls beteiligten Matthias Podschuk wird noch zu reden sein) fuhren deshalb nur mit sehr gedämpften Hoffnungen zum nahen Rivalen. Sind die Neulinge widerstandsfähig genug für so ein schweres Turnier mit den Spitzenteams aus Ostdeutschland und einigen Startern aus namhaften Vereinen aus dem nördlichen Bayern? Zu beachten ist dabei, dass in Greiz hauptsächlich der freie Ringkampf trainiert wird. Erst nach den Osterferien ging es speziell mit dem doch etwas anderen griechisch-römischen Stil los.

Die „Routiniers“ überzeugten

Der jüngste der erfahrenen Sportler, Walther Reim (29 kg), der als einziger dieser Sportler bei der D-Jugend kämpfte, startete im Feld seiner 18 Gegner mit vier Schultersiegen. In den Pool-Finals im weitaus stärkeren Pool unterlag er aber dann dem späteren Gesamtdritten Oscar Hinz aus Stralsund und dem späteren Turniersieger Julian Körber vom Greizer Bundesligakonkurrenten KSC Hösbach. Mit einem Schultersieg über den Gelenauer Ismael Leistner sicherte er sich Rang fünf. Eine Medaille war ganz nah. Bei der C-Jugend war die Gewichtsklasse 38 kg (13 Starter) von Greiz mit Dominik Gasser und Arthur Reim besonders stark besetzt. Beide gewannen vier Kämpfe und mussten sich nur dem in dieser Stilart besonders starken Auer Richard Weigandt geschlagen geben. Bei Dominik, der Dritter wurde, geschah das im Pool, beim Silbermedaillengewinner Arthur im Finale. Hassan Bersanukaev (31 kg), der Vierter wurde, hätte durchaus eine Medaille erkämpfen können, wenn nicht sogar müssen. Unkonzentriertheiten und ein nicht so umfangreiches Technikrepertoire verhinderten eine bessere Platzierung. Der jüngste der C-Jugendlichen, Jonas Schöndorfer (34 kg) konnte seinen Trainingsrückstand zwar nicht verbergen, stellte seine Befähigung für diesen Sport aber in kritischen Situationen immer wieder unter Beweis. Zu allem Überfluss traf er auch noch auf den „Besten Techniker“ des Turniers den armenischstämmigen Lavrenti Ohanesian vom KFC Leipzig. Jonas belegte Rang sechs.

Überraschung durch die „Frischlinge“ mit drei Medaillengewinnen

Mit besonderer Spannung sah man den Kämpfen der Neulinge entgegen. Doch Befürchtungen wären unbegründet gewesen. Die Jungs kämpften und gaben ihr Bestes. Nach der ersten Runde ließ nur Damian Kuczora (54 kg) den Kopf hängen, da er 0:7 gegen den Bindlacher Arthur Kart verloren hatte. Am Ende sah aber alles ganz anders aus. Kurz vor 17 Uhr stand er auf den obersten Treppchen des Siegerpodestes und konnte seine Goldmedaille in Empfang nehmen. Im Turnier jeder gegen jeden hatte der Greizer alle weiteren Gegner geschultert, während der Bindlacher eine Schulterniederlage einstecken musste. Niklas Leistner gewann im schwersten Limit Silber, Emmett Barth (42 kg) wurde Dritter. Dustin Mucha (34 kg) und Felix Obenauf (38 kg) konnten sich bei sehr großen Teilnehmerfeldern noch nicht unter die besten Sechs vorkämpfen.

Nach Abschluss der 357 Kämpfe in Pausa – die Greizer bestritten 39 Kämpfe – konnte von den Trainern ein positives Fazit gezogen werden. Trotz des Einsatzes von fünf Neulingen wurde mehr als die Hälfte der Kämpfe siegreich gestaltet. In der Vereinswertung hielt Greiz mit den sechs führenden Teams mit, obwohl diese teilweise sogar doppelt so viele Starter auf die Matten brachten. Außerhalb der Statistik ist aber eine andere Tatsache interessant. Schon immer gehörten die Greizer Nachwuchsringer bis zu den Zwölfjährigen zu den führenden Vereinen in Mitteldeutschland. In den Folgejahren gab es dann aber oftmals einen leistungsmäßigen Einbruch. Ursache war eine zu starke Fixierung auf Kindertechniken, die im älteren Jahrgängen nicht mehr zu Punktgewinnen führten. Hier ist in den letzten beiden Jahren ein starker Trend hin zu Techniken sichtbar geworden, die auch in der Bundesliga wirksam sind. Die weitere Entwicklung in den nächsten Jahren wird zeigen, ob die Veränderungen letztendlich Erfolge bringen.
Von besonderem Interesse war natürlich das Abschneiden der Neulinge. Die Voraussetzungen für ihren Beginn beim Ringerverein waren nun wirklich nicht optimal. Durch die Corona – Beschränkungen fiel monatelang der Schulsport aus, Bewegungsmangel und Übergewicht waren die Folge. Matthias Podschuk, obwohl selbst nie als Ringer aktiv, übernahm es in mühevoller Kleinarbeit Mädchen und Jungen in Kindergärten wieder in Bewegung zu bringen. Der Greizer Ringerverein entwarf unter der Leitung von Konstanze Warmuth die Initiative „Fit for fun“. Jeden Donnerstag ab 16:30 Uhr werden Kinder von sechs Jahren an in der Sporthalle an der Eisbahn spielerisch in Bewegung gebracht. Ein Großteil davon schloss sich später dem Ringerverein an, die ältesten kämpften jetzt schon erfolgreich in Pausa.
Für die sportliche Entwicklung der Kinder ist dabei das Engagement der Eltern Voraussetzung. Auch hier kann sich der Verein auf die Eltern der Neumitglieder verlassen. Alle Elternteile begleiteten ihre Kinder nach Pausa, sahen sich das sechsstündige Turnier an und waren hinterher begeistert. „Beim nächsten mal sind wir wieder dabei“, hieß es übereinstimmend.

Erhard Schmelzer

Von Service