Paul MüllerPaul Müller

Das Andi-Walter-Gedächtnisturnier in Unterföhring gehört zu den größten Nachwuchsringerturnieren in Deutschland. Diesmal ausgeschrieben von der Altersklasse U8 bis zur U23 starteten 416 Ringer aus 56 Vereinen, die aus ganz Deutschland, Österreich, Ungarn und der Slowakei angereist waren. Die Gemeinde Unterföhring, im Landkreis München gelegen, ist eines der wichtigsten Medienstandort Deutschlands. Die immensen Steuereinnahmen flossen auch in die Sporthalle in der Jahnstraße, die den Sportlern und Betreuern optimale Wettkampfbedingungen boten. Aber auch der SC Isaria Unterföhring glänzte bei der 44-zigsten Ausrichtung seines Traditionsturnieres. Mit 40 Teilnehmern siegten die Gastgeber in der Vereinswertung vor dem AC Wals (38 Starter) – die Randsalzburger spielen im österreichischen Ringkampf etwa die gleiche Rolle wie der FC Bayern im deutschen Fußball – und Vasas Budapest (21).

Greizer Rumpfteam mit Platz unter den Top Ten

In den letzten Tagen vor der Abfahrt hagelte es aus den verschiedensten Gründen mehrere Absagen im Greizer Team. Die elf Kämpfer, die sich schließlich auf die Reise machten, konnten mit dem zehnten Platz in der Vereinswertung überzeugen und ihren Verein auf großer Bühne erfolgreich vertreten.

Paul Müller stark verbessert

Die Enttäuschung war groß bei Paul Müller, hatte der Achtzehnjährige – und nicht nur er – doch bei der U 20-DM mit einer Medaille gerechnet. Am Ende warf ihn aber der Exmeister aus dem Turnier. Die Videoauswertung ergab aber nicht nur unterlaufene Fehler sondern auch eine äußerst knappe Entscheidung. Bei der Württemberger Männermeisterschaft in der Vorwoche ging es mit dem sechsten Platz bereits wieder aufwärts. Nun in Unterföhring zahlte sich seine Trainingsintensität aus, konnte ein neuer Leistungshöhepunkt erreicht werden. In der 92 kg-Klasse bei der U 23 musste er viermal auf die Matte und konnte nach harten Kämpfen jeweils zu Siegen kommen. Technisch verbessert konnte er seine Angriffsvariabilität optimieren und seine Kontrahenten am Ende physisch deutlich beherrschen. Stärkster Gegner war der 23-jährige österreichische Meister Lukas Lins (KSK Klaus), der erst am Kampfende 8:5 niedergerungen wurde. Dessen Landsmann Anatoli Denisov (AC Wals) unterlag 0:11. Der deutsche U20-Vizemeister Hendrik Jahn, der zum vierten Mal in diesem Jahr bezwungen wurde, musste auf Grund einer Verletzung den Kampf leider aufgeben. Im Finale wartete Zaya Khazkeil aus Weilheim. Der physisch starke Oberbayer konnte zwar 4:0 in Führung gehen, kam aber dann mit der Kampfesführung des Greizers nicht zurecht und unterlag in der fünften Minute vorzeitig mit 15:4. Ibrahim Galamatov musste wieder einmal feststellen, dass das 65 kg-Limit nicht die richtige Gewichtsklasse für ihn ist. Mit drei Siegen und zwei Niederlagen blieb für ihn nur der fünfte Platz. Der erstmals für Greiz kämpfende Luca Bauer (86 kg) kam mit zwei Siegen und zwei Niederlagen auf Rang vier. Askhab Mezhidov (65 kg) und Quereinsteiger Tim Trompelt (79 kg) konnten sich nicht im Vorderfeld platzieren.

Nächster Turniersieg von Noe Göpfert

Nach dem Doppelsieg in Tallinn in beiden Stilarten konnte Noe Göpfert den nächsten Erfolg verbuchen. Bei der U 14 starteten vier Greizer. Noe Göpfert (57 kg) bezwang fünf Gegner, darunter den österreichischen Spitzenringer Gabriel Delgado (Wals), der später Dritter wurde, und den ungarischen Meister Zoltan Zöldesi (Vasas Budapest). Kämpferisch und konditionell konnte der Greizer voll überzeugen. Der Finalsieg gegen den Münchner Toni Saliev fiel trotz eines Leichtsinnsfehlers deutlicher aus als es der 6:4 Endstand aussagt. Anatoli Horvat (80 kg) wurde Vierter und scheiterte wegen einer 13:14 Niederlage an der Bronzemedaille. Magomed Vakhidov (48 kg) wurde Fünfter, auch hier gab es eine mehr als umstrittene 4:5 Niederlage. Amsad Mezhidov (52 kg) kam nicht ins Vorderfeld. Der einzige Starter bei der U 17 Ibrahim Abdrakhmanov (48 kg) wurde nach einer 8:10 Niederlage Zweiter. Bei der U 12 belegte der mit seinen Eltern angereiste Willi Schenderlein (56 kg) Platz vier.

Die kräftezehrende Wettkampfreise hat den Greizern Sportlern und dem Trainer Aufschlüsse für die weitere Arbeit gegeben. Mit Paul Müller und Noe Göpfert behaupteten sich zwei Greizer in der deutschen Spitze. Für beide stehen im Juni Höhepunkte bevor. Noe Göpfert kann erstmals bei einer deutschen Meisterschaft starten, Paul Müller geht erstmals bei Männermeisterschaften an den Start. Am nächsten Wochenende kämpfen die Ringer des RSV Rotation in Jena bei der U14 und der U 20 um die mitteldeutschen Meistertitel.

Erhard Schmelzer