17. April 2021

Neue Regeln bringen Bewegung ins Ringen

2.Bundesliga Nord: RSV Rotation Greiz gegen KFC Leipzig/AC 1990 Taucha endet 22:13
Der bayerische Kampfrichter Mustafa Durak erklÀrt kurz die Regeln

GREIZ. Beim Saisonauftakt der Greizer Ringer in der Jahnturnhalle konnte die Vereinsleitung mit dem Zuschauerzuspruch mehr als zufrieden sein. Nur beim Bundesliganeuling im doch etwas abgelegenen LĂŒbtheen stand eine grĂ¶ĂŸere Zuschauerzahl im Protokoll. Dabei mussten die Greizer noch das Handicap in Kauf nehmen, dass die GĂ€ste von der WKG Leipzig/Taucha praktisch ohne Fans ins Vogtland gereist waren, also nur AnhĂ€nger der Heimmannschaft die traditionsreiche Ringerhalle fĂŒllten. Das war der Stimmung allerdings nicht abtrĂ€glich, allerdings fehlte den Greizer Fans die Anfeuerungen fĂŒr die GĂ€ste, die sie immer erst zur Höchstform auflaufen lassen. Die SichtverhĂ€ltnisse waren trotz der vielen Zuschauer gĂŒnstig. Bei den Vogtlandderbys gegen Pausa/Plauen und Markneukirchen sowie den KĂ€mpfen gegen Thalheim und Werdau und vielleicht auch beim ThĂŒringenderby gegen Jena dĂŒrfte es da mehr Anfeuerungen fĂŒr das GĂ€steteam, aber auch mehr GedrĂ€nge im Zuschauerbereich geben. Unter diesen Voraussetzungen kam die Eröffnungsrede fĂŒr die neue Saison durch den Greizer BĂŒrgermeister Gerd GrĂŒner gerade recht: In einem Jahr werden wir uns an anderer Stelle wiedersehen. Am 10. Oktober um 14 Uhr erfolgt neben der Eisbahn in Aubachtal die Grundsteinlegung fĂŒr eine neue Halle.

Auf der Matte ging dann die Feuerwehr los. Die Sportler beider Mannschaften brannten ein Offensivfeuerwerk ab. Die Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten und werden beim nĂ€chsten Mal (am 12.10. gegen LĂŒbtheen) sicher wiederkommen. Ursache der verĂ€nderten Kampfesweise sind die RegelĂ€nderungen des internationalen Verbandes FILA. Nach dem angedrohten Olympiaausschluss musste der Verband handeln. Man trennte sich vom umstrittenen Schweizer PrĂ€sidenten Martinetti, wĂ€hlte dafĂŒr einen serbischen Bauunternehmer und MillionĂ€r und verĂ€nderte die seit Jahren umstrittenen Wettkampfregeln. Schon bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016 sollen die Frauen, die nur im Freistil kĂ€mpfen, in 6 Gewichtsklassen (bisher 4) um Medaillen kĂ€mpfen. Die MĂ€nner verlieren dabei in beiden Stilarten eine Gewichtsklasse und kĂ€mpfen dann ebenfalls nur noch in 6 Gewichtsklassen. Wie diese Gewichtsklassen dann aussehen werden, war bei den Weltmeisterschaften in Budapest das am heißesten diskutierte Thema. Bei den MannschaftskĂ€mpfen in Deutschland könnte es dann durchaus eine andere Lösung geben. Bei der Bundesligatagung im nĂ€chsten Januar und in deren Vorfeld dĂŒrfte es durchaus kontroverse Diskussionen geben.

Der Erfolg der neuen Wettkampfregeln ist natĂŒrlich von deren Anwendung und beherzten Auslegung durch die Kampfleiter abhĂ€ngig. Das Publikum in der Jahnturnhalle hatte dabei das GlĂŒck der Ansetzung des engagierten Kampfrichter Mustafa Durak. In der TĂŒrkei geboren zog er mit seiner Familie mit vier Jahren nach Aichach in Bayern und begann dort mit dem Ringen. Seit 48 Jahren steht er auf der Matte, seit 20 Jahren ist er Kampfrichter. Diese Routine tat den von ihm geleiteten KĂ€mpfen gut. Jeder Ansatz von PassivitĂ€t wurde im Keim erstickt, folglich war die Angriffsfrequenz deutlich höher als bei den KĂ€mpfen im Vorjahr. Dass es keine Verschnaufpausen mehr gibt, musste zum Beispiel im Freistilkampf gegen Sebastian Wendel der junge veranlagte Leipziger Eric Thiele erfahren. In FĂŒhrung liegend musste er denn 1:1 Ausgleich hinnehmen. Etwas von seiner Linie abgekommen, ging er in der Folge etwas vorsichtiger zu Werke und wurde umgehend mit einer 30 Sekundenstrafe belegt.

In dieser Zeit muss der so Sanktionierte eine Wertung erzielen, sonst erhĂ€lt sein Gegner einen Punkt. Wendel kam hier zwar zur 2:1 FĂŒhrung, unterlag aber am Schluss 2:7. Der Anteil des Kampfrichters am großartigen Kampfabend war nicht zu leugnen. Dass dabei die MessestĂ€dter nicht benachteiligt wurden, bewiesen die GĂ€ste, die dem Kampfleiter eine objektive Leistung bescheinigten. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist nun: Wie werden die anderen Kampfrichter die Regeln auslegen? Ein gehöriger Teil der Greizer AnhĂ€nger wird sich am Sonnabend um 19:30 Uhr beim AuswĂ€rtskampf in Werdau ein eigenes Bild machen können.

Erhard Schmelzer 01.010.2013
Bilder vom Wochenende: Kampf RSV Rotation Greiz gegen WKG Leipzig/Taucha

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