RSV Rotation Greiz gegen RV Lübtheen endet 18:8

RV Lübtheen gegen RSV Rotation Greiz endet 16:10

Greiz. Der letzte Kampftag einer Runde sorgt immer für Überraschungen, vor allem dann, wenn sich an der Platzierung nichts mehr ändern kann. So war es auch beim letzten Kampftag der Staffel Ost der Bundesliga. Markneukirchen verlor, zwar wie erwartet, in Kleinostheim, der Tabellenletzte und Absteiger Aue beendete seine seit 2017 währende Ligazugehörigkeit mit einem 15:14 Sieg über den Tabellenvierten Hösbach. Zuschauer waren im Erzgebirge nicht zugelassen. Die siegesfrohe Greizer Jugendliga-Mannschaft, die mit zwei überraschend deutlichen Erfolgen über Thalheim noch die Silbermedaille erobert hatte, musste vor dem Start des Kampfes die Halle räumen.
Auch der zweite schon feststehende Absteiger der Staffel, der RV Lübtheen, hatte zum Abschied aus der Bundesliga gegen Greiz noch einmal alles aufgeboten, was in der Rückrunde möglich war. Seit Saisonbeginn ist bekannt, dass die jeweils vier Tabellenersten der vier Staffeln im nächsten Jahr die zwei Staffeln der höchsten deutschen Ringerliga im Jahre 2022 bilden werden. Dann wären nur noch Markneukirchen und Greiz im Oberhaus dabei. Nach dem Stand der Dinge wäre dann Lübtheen in der 2.Bundesliga, die erstmals seit ihrer Abschaffung 2016 wieder eingeführt würde. Ob Aue auch dazu gehören wird, scheint fraglich. Unbestätigte Gerüchte sprechen dagegen. Auch aus der kurz nach der Halbserie abgebrochenen Regionalliga Mitteldeutschland, aus der ein Aufsteiger vorgesehen ist, scheint sich kein Verein um den Aufstieg zu reißen. Die Ligastruktur im Osten ist seit der Auflösung der 2.Bundesligen nach der Saison 2016 völlig desolat. Das seit dem 20.November nicht mehr im Amt befindliche DRB-Präsidium hat beim Mannschaftsringen im Osten verbranntes Land hinterlassen. Anstelle der früheren drei zweiten Ligen nun nur zwei zu bilden, ergibt wenig Sinn. Lübtheen müsste im nächsten Jahr für jeden Kampf fast 600 km fahren. Für Nostalgiker: Bis 2016 existierte eine vollständig mit Mannschaften aus dem Osten besetzte 2.Bundesligastaffel mit spannenden Derbys und viele Gästefans. Deshalb mein unmaßgeblicher Vorschlag: Gründung einer dritten Zweitligastaffel auf dem damaligen Territorium. Da wäre dann vielleicht auch Aue dabei.

Schon seit Mitte der 70-er Jahre bestehen enge Beziehungen zwischen den Ringern aus Lübtheen und Greiz. Der Ungar Csaba Matrahazi, der 1968 im mecklenburgischen Ringkampf-Niemandsland einen Ringerverein gründete und das Kunststück fertigbrachte diesen bald zur Nummer Eins im Nachwuchsbereich der DDR zu machen, kam mit seinen Schützlingen öfter zum Trainingslager nach Greiz. Später kämpften mehrere aus Lübtheen stammende Ringer in der Greizer Mannschaft.
Auch am Sonnabend wurden die Greizer nach ihrer Anreise auf gastfreundliche Weise empfangen. Der Greizer Trainer Tino Hempel war doch etwas überrascht: „Einen Obstteller findet man nicht in jeder Gästekabine. Am Ende gab es sogar noch Pizza für alle. Die Organisatoren in Lübtheen um Vereinschef Bert Compas und Jens-Peter Sievertsen haben alle Register gezogen.“

Der Wettkampf fand unter den Bedingungen der 2G+Regel statt. Die ernüchternde Bilanz für den rührigen Verein: Ganze 120 zahlende Besucher.

Da der polnische Militärangehörige Dawid Karecinski (66 kg/g) wieder einmal unter Zeitnot stand, fand sein Kampf zuerst statt. Er bestimmte gegen den U23- EM- und -WM-Starter dieses Jahres, Andrej Ginc, das Geschehen auf der Matte klar. Nach dem ersten Bodenkampf führte der Greizer nach drei Rollen mit 7:0. Dass er zu den stärksten Deutschen in dieser Gewichtsklasse gehört, bewies der Lübtheener kurze Zeit später durch einen blitzschnellen Angriff an die Hüfte des Greizers. Doch mit einer phantastischen Aktion befreite sich der Greizer und kam dann mit einer Rolle zum 11:0 Halbzeitstand. Wer dann aber mit einer Fortsetzung des Siegeslaufes gerechnet hatte, wurde enttäuscht. In der zweiten Runde geschah nichts entscheidendes mehr. Der Greizer musste zwar einmal zu Boden, doch auch dort war der Lübtheener chancenlos. Endstand 11:1 (Mannschaftsstand aus Greizer Sicht: 3:0)
Sven Cammin (47 kg/g) traf auf Alexander, den anderen der Ginc-Brüder. Beide sind in Torgelow aufgewachsen und über die Frankfurter Sportschule nach Lübtheen gekommen. Alexander war 2018 deutscher Vizemeister und ging als Favorit ins Rennen. Doch es kam am Ende wieder einmal anders. Der Lübtheener brachte den Greizer zwar zu Boden und führte nach einer Rolle 4:0. Der Greizer verkürzte auf 4:1, musste dann aber in den Bodenkampf. Da Ginc dort nichts gelang, stand es zur Pause 5:1. Ginc wollte den dritten Punkt erkämpfen, doch daraus wurde nichts, Der Greizer konnte auf 3:5 verkürzen und dann sogar 5:5 in Führung gehen. (4:0)

Da Sebastian Wendel wegen dienstlicher Belange ausfiel, kam Friedrich Hartmann (130 kg/f) zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz. Er traf auf den wohl besten Schwergewichtler der Staffel, den Polen Zbigniew Baranowski, der 2017 für Greiz kämpfte. Der Vizeeuropameister von 2019, der Olympia nur knapp verpasste, wurde seiner Favoritenrolle natürlich gerecht und führte nach einer Minute bereits 6:0. Bei einem Fußfeger des Polen verletzte sich der veranlagte Nachwuchssportler und musste den Kampf aufgeben. (4:4)

Rasul Galamatov (61 kg/f) traf auf seinen tschetschenischen Landsmann Movlet Makhmatov. Wissend, dass seine konditionelle Verfassung kein hohes Tempo zulässt, kämpfte er sehr vorsichtig und verhalten. Er geriet durch eine 30-Sekunden-Strafe 0:1 in Rückstand. Bei seiner zweiten derartigen Strafe konnte er den Gegner aber ins Aus schieben und führte nun beim 1:1. Aus dem Mannschaftspunkt wurde aber nichts, da er zehn Sekunden vor Schluss einen weiteren Punkt abgab. (4:5)

Im letzten Kampf trafen mit Alex Szöke (98 kg/g) und Artur Omarov zwei Olympiateilnehmer aufeinander, trotzdem wurde es eine eher einseitige Angelegenheit. Bei der ersten angeordneten Bodenlage von Omarov erkannte der Luckenwalder Schiedsrichter Thomas Hausmann eine Unregelmäßigkeit und gab den Tschechen eine Verwarnung und dem Ungarn die „Zwei“, dem noch einmal eine Verwarnung und eine „Zwei“ folgte. Zur Halbzeit stand es so 4:0 für den Ungarn. Als der Tscheche am Ende der vierten Minute noch einmal zu Boden musste, gelang dem Ungarn sein gefürchteter Ausheber. Der Kampfrichter erkannte hier aber auch ein weiteres Foul und disqualifizierte den Tschechen beim Stande von 0:12. (8:5)
(Ich war nicht mit in Lübtheen, nach den ersten fünf Kämpfen fiel der Life-Stream bei mir leider aus.)

Im Vorkampf standen sich Richard Schröder (86 kg/f) und Brian Bliefner eine Gewichtsklasse tiefer schon einmal gegenüber. Damals siegte der Greizer knapp mit 2:1. Diesmal wurde es wieder ein ganz enger Kampf. Der Greizer führte zur Halbzeit nach einer 30-Sekunden-Strafe des Gegners mit 1:0. Nach der Pause baute er seine Führung auf 2:0 und durch eine weitere 30-Sekunden-Strafe auf 3:0 aus. Doch der Routinier, der in seiner Jugend ebenfalls die Sportschule Luckenwalde besucht hatte, gab nicht auf. Eine Minute vor Schluss verkürzte er auf 2:3 und mit dem Gangschlag holte er noch einmal zwei Punkte. Der Siegpunkt ging so doch noch an die Gastgeber. (8:6)

Joel Wrensch (71 kg/f) traf auf den 35-jährigen Routinier Dennis Langner, der schon Bundesligazeiten mit dem PSV Rostock erlebt hatte und 2010 deutscher Vizemeister in beiden Stilarten war, was meist ein Zeichen für besondere Gefährlichkeit ist. Joel Wrensch, gesundheitlich nicht so recht auf dem Damm, gab bereits in der Anfangsphase eine Viererwertung ab, die sein Gegner bis zur zweiten Minute auf 10:0 ausbaute. Nach einer zweiten Viererwertung gelang Langner noch vor der Pause der Schultersieg. (8:10)

Igor Besleaga (80 kg/g) war die Zuverlässigkeit wie immer. Gegen den Tschechen Jan Zizka, der früher auch für Artern kämpfte, bestimmte er den Kampf. Sowohl vor als auch nach der Pause musste der Tscheche als Untermann in den Bodenkampf. Bei ersten mal erkämpfte der Greizer zwei, beim zweitenmal vier Punkte. Endstand: 8:1 für Besleaga. (10:10)

Der fast acht Kilogramm leichtere Abdul Galamatov (75 kg/g) stand gegen den Olympiateilnehmer und Siebten der EM von diesem Jahr Frederik Bjerrehuus auf verlorenem Posten. Der Däne brauchte weder eine Verwarnung noch eine angeordnete Bodenlage. Er brachte den Gegner selbst zu Boden und kam dann nach etwas mehr als einer Minute mit vier Würfen zu einer 18:0 Führung. (10:14)

Im Vorkampf hatte Lucas Kahnt (75 kg/f) Lennard Wickel mit 10:5 bezwungen. Diesmal ging der Sieg mit 6:0 an den Routinier, der bei Männermeisterschaften schon sechs Medaillen erkämpfen konnte. Am Ende siegten die Gastgeber 16:10.

„Wir wollten zwar nicht verlieren, müssen den Gastgebern aber zum Sieg gratulieren“, fasste Trainer Tino Hempel seine Eindrücke zusammen. „Wir haben einigen Routiniers die Fahrt in den Norden erspart – allein für Ghenadie Tulbea wären das mehr als 1 500 km gewesen – und haben jungen Sportlern das Vertrauen geschenkt. Gerade in diesen Corona-Zeiten müssen wir auch auf die Ausgabenseite schauen. Unser Durchschnittsalter war diesmal so niedrig wie lange nicht.“

Am nächsten Wochenende beenden die Staffeln West und Südwest ihre Runden. Danach findet in Schorndorf die Auslosung für die Endrunde statt. Die Greizer Ringer und ihre Anhänger sind gespannt.

Erhard Schmelzer

Einzelergebnisse:

StilartGewichtNameNamePunkteWertungZeit
Gr.-röm.66Andrej GincDawid Karecinski0:3PS 1:1106:00
Freistil71Dennis LangnerJoel Wrensch4:0SS 14:002:34
Gr.-röm.80Jan ZizkaIgor Besleaga0:2PS 1:806:00
Freistil86Brian BliefnerRichard Schröder1:0PS 4:306:00
Gr.-röm.57Alexander GincSven Cammin0:1PS 5:506:00
Freistil61Movlet MakhmatovRasul Galamatov1:0PS 2:106:00
Gr.-röm.75AFrederik BjerrehuusAbdul Hadi Galamatov4:0TÜ 18:001:04
Freistil75BLennard WickelLucas Kahnt2:0PS 6:006:00
Gr.-röm.98Artur OmarovAlex Gergö Szöke0:4DV 0:1204:08
Freistil130Zbigniew BaranowskiFriedrich Hartmann4:0AS 10:001:45

Aktuelle Tabelle:

PlatzMannschaftAnz.K.Plus:MinusDifferenz +:?
1SC Kleinostheim10173:9479 18:2 
2AV Germania Markneukirchen10160:12139 16:4 
3RSV Rotation Greiz10145:13312 10:10 
4KSC Germania Hösbach10134:12212 8:12 
5RV Lübtheen10117:164-47 4:16 
6FC Erzgebirge Aue1097:192-95 4:16