Andreas Mattern

Andreas Mattern 18.April 1958 – 22.November 2021

Greiz. Mit großer Betroffenheit nehmen der Vorstand und die Mitglieder des RSV Rotation Greiz Abschied von Andreas Mattern, der unseren Verein in einzigartiger Weise über mehr als 50 Jahre hinweg begleitet hat.
Andreas Mattern wurde am 18.April 1958 in Greiz geboren. Sein Vater Fritz gehörte zu den aktiven Ringern der damaligen BSG Rotation Greiz. So wunderte es nicht, dass Andreas schon als Schüler den Weg zum Ringkampftraining in die Jahnturnhalle fand. Auf Grund seiner guten sportlichen Leistungen wurde er an die Sportschule des damaligen Bezirkes Gera delegiert, die bis 1974 in Bad Blankenburg angesiedelt war und danach nach Jena umzog. In Jena stellte sich bald größere Erfolge im ringen ein. Mit dem vierten Platz 1974 kam er erstmals in Medaillennähe bei DDR-Meisterschaften der B-Jugend. Ein Jahr später gewann er in der 65 kg-Klasse Bronze bei der A-Jugend und 1976 Silber bei der A-Jugend und Bronze bei den Junioren. Seinen größten sportlichen Erfolg konnte er aber bereits 1975 feiern, als er im Juli bei der V.Zentralen Kinder- und Jugendspartakiade in Berlin den Spartakiadesieg feiern konnte. Die von 1966 bis 1989 meist alle zwei Jahre stattfindende Spartakiade war die größte Sportveranstaltung der DDR, an der tausende von Nachwuchssportlern in den olympischen Sommersportarten teilnahmen. Ein Spartakiadesieg wurde wertvoller als eine DDR-Meisterschaft eingeschätzt.
Nachdem seine leistungssportliche Laufbahn zu Ende gegangen war, absolvierte er seinen Armeedienst.
Von 1980 nahm er an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig ein Studium als Diplom-Sportwissenschaftler auf. Dabei blieb er seiner Sportart treu und wählte das Spezialfach Ringen. Das Studium an der DHfK war sehr vielseitig und hatte einen sehr guten Ruf. Die Studenten erhielten nach ihrem Abschluss 1984 die Lehrbefähigung für fast alle Sportarten. Andreas Mattern wurde dabei als sehr fleißig und leistungsorientiert eingeschätzt, der nie eine Wiederholungsprüfung absolvieren musste.
Am 1.September 1984 übernahm er die Stelle eines hauptamtlichen Trainers am Trainingszentrum Ringen in Greiz. Seine Hauptaufgabe war es nun Kinder von der vierten bis zur siebenten Klasse auf die Sportschule in Jena vorzubereiten. Dieser Aufgabe widmete er sich mit Fleiß und Akribie. Das Trainingszentrum Ringen der Betriebssportgemeinschaft Rotation Greiz, das viele Jahre nur wenig von sich reden machte, wurde von Jahr zu Jahr stärker und erfolgreicher. Bei der letzten Bezirksspartakiade des Bezirkes Gera 1988 wurden die Ringer die erfolgreichste Sportart des Kreises Greiz. An diesem Aufschwung des Ringkampfsportes in Greiz – die Männermannschaft etablierte sich in den 80-er Jahren in der zweithöchsten Leistungsklasse – waren viele Hände beteiligt, bei der Organisation und Durchführung des Nachwuchstrainings hatte Andreas Mattern die Fäden in der Hand.
Der Neuanfang nach der politischen Wende war nicht leicht. Die Gelder für die Sportförderung wurden nun auch im Osten auf das Westniveau heruntergebrochen. Andreas Mattern blieb trotzdem seiner Sportart und seiner Berufung treu und arbeitete – meist über diverse Fördermaßnahmen und Mischfinanzierungen – weiterhin im Nachwuchssport beim Ringen. Hunderte von Sportlern erlernten bei ihm die Grundlagen des Ringkampfsportes. Oftmals brachten Väter, die bei ihm das Ringen erlernt hatten, Jahre später ihre Söhne in die Trainingshalle. In den letzten 15 Jahren waren auch Mädchen dabei. Die erfolgreichste wurde Eyleen Sewina, die bei den Europameisterschaften der Junioren und der Altersklasse U 23 Medaillen gewann. Andreas Mattern hat sie jahrelang – wie andere Sportlerinnen und Sportler auch – von der Schule oder von zu Hause abgeholt und zum Training gefahren. Niemals fiel eine Trainingseinheit aus, niemals standen die Kinder vor verschlossenen Türen.
Im Jahre 2014 wurde Andreas Mattern für seine hervorragende Arbeit im Nachwuchsleistungssport vom Präsidium des Landessportbundes Thüringen ausgezeichnet.

Aus gesundheitlichen Gründen musste Andres Mattern im ersten Quartal 2019 schweren Herzens seine Trainertätigkeit aufgeben. Nach langer schwerer Krankheit verstarb er am 22.November 2021. Bei der ursprünglich für den 18.Dezember 2021 vorgesehen 90 Jahrfeier des RSV Rotation Greiz war vorgesehen ihn mit der Ehrenmitgliedschaft auszuzeichnen.

Erhard Schmelzer