Die letzte Mitteldeutsche Meisterschaft in diesem Jahr im Ringen – abgesehen von der U10 und U12, die traditionell kurz vor den Sommerferien ausgetragen werden – fanden in diesem Jahr mit den Titelkämpfen der Männer in Werdau statt.
Auf vier Matten in der Gymnasiumssporthalle kämpften 122 Ringer. Die Sportler kamen aus allen ostdeutschen Bundesländern, außerdem scheuten mehrere Vereine aus Hamburg, sowie Niedersachsen und Württemberg die weite Anreise nicht. Wie gewöhnlich gingen die Mehrheit der Kämpfer – 87 – im freien Stil über die Waage. Die sechs Greizer Teilnehmer waren paritätisch auf beide Stilarten verteilt.
Im freien Stil kämpften Pascal Hessel, Iunus Gaisuev und Paul Müller. Iunus Gaisuev bezwang in der 86 kg-Klasse (11 Starter) kämpfend seine Gegner im Pool aus Berlin-Hellersdorf, Sohland, Gelenau und Cluvenhagen bei Bremen relativ sicher. Im Finale gegen den Afghanen Faiz Ahmadi vom Khorassan Ringerverein Hamburg wurde es aber ganz spannend, obwohl der Greizer zur Halbzeit scheinbar sicher 5:0 führte. Der Afghane kam immer mehr auf, ging Sekunden vor Schluss sogar in Führung. Dem Greizer gelang aber noch der Konter zum 6:6 der durch die letzte Wertung den Sieg bedeutete. Die Gegenseite beantragte den Videobeweis, der aber erwartungsgemäß abgelehnt wurde.
Auch bei Paul Müller (92 kg/12 Starter) ging es allerdings schon im Poolfinale sehr spannend zu. Nach eindeutigen Siegen gegen Widersacher aus Magdeburg und Dresden kam schon gegen den angriffsfreudigen Württemberger Peter Eckstein Spannung auf, da er gegen diesen Gegner bei den Württembergischen Meisterschaften eine Niederlage einstecken musste. Diesmal drehte der Greizer aber den Spieß um und siegte 7:2. Im Poolfinale traf er auf den 23-jährigen Jonas Kock (Roland Hamburg), der seit einigen Jahren für Werdau in der Regionalliga kämpft. Kurz vor Schluss führte nach einem abwechslungsreichen Vergleich der aus Lübtheen stammende Gegner 5:4. Der Greizer setzte alles auf eine Karte, griff noch einmal an, konnte sich noch einmal aus dem Griff des Gegners befreien, kam zur parallelen Beherrschung des Hamburgers, die zwei Punkte eingebracht hätte. Die Kampfzeit war aber um 2 Sekunden überschritten. So blieb nur der Kampf um Bronze, der gegen den Lübtheener Malte Vogel, der in der letzten Saison für sein Team in Greiz in der 2.Bundesliga gerungen hatte, 7:5 gewonnen wurde.
Pascal Hessel, der in der 70 kg-Klasse gewichtsmäßig noch Luft nach oben hat, unterlag nach zwei Auftaktsiegen im deutlich leistungsstärkeren Pool dem für Gelenau startenden Ukrainer Ivan Dobrovolsky und traf dann auf Philipp Nguyen. Der Warnemünder mit vietnamesischen Wurzeln und deutschen Paß war die Überraschung des Turniers. Der an einer US-amerikanischen Universität Studierende und Trainierende bezwang nicht nur Pascal Hessel 13:2, sondern gewann auch das Finale vorzeitig 10:0.
Auch die Greizer griechisch-römisch Ringer erkämpften zwei Medaillen. Maximilian Böttger (87 kg) siegte gegen Jannick Vetter aus Sohland vorzeitig 11:0 und kam gegen den stark eingeschätzten Dustin Löser (Gelenau) bei 6:0 Führung schon in der zweiten Minute zum Schultersieg. Im Kampf um Gold war er gegen den körperlich sehr starken Zella Mehliser Max Wieland allerdings ohne Siegchance. Überraschend startete auch Joel Wrensch (72 kg) im griechisch-römischen Stil. Er bezwang Gegner aus Cluvenhagen und Lugau bereits vor der Pause entscheidend, musste aber gegen den ehemaligen Markneukirchner und jetzigen Auer Bundesligaringer Marco Stoll die erwartete Niederlage einstecken. Gegen den physisch stark verbesserten Aaron Hähnel musste er überraschend eine technische Niederlage hinnehmen. Er sicherte sich die Bronzemedaille.
Auch bei Ibrahim Galamatov (63 kg) wäre eine solche Platzierung möglich gewesen. Nachdem er aber den ersten Kampf gegen den Greizer Mannschaftsringer Niklas Nimtz (RV Chemnitz) erwartungsgemäß verloren hatte, kam es im zweiten Vergleich gegen seinen tschetschenischen Landsmann Islam Saidov (Werdau) zu einer Auseinandersetzung in deren Verlauf er disqualifiziert und mit einer roten Karte bestraft wurde.
Mit Gunnar Frisch (Pößneck) kam ein weiterer Greizer Mannschaftsringer auf Rang vier. Er schulterte mit Sid Wetzel einen ehemaligen Vereinskollegen und deutschen Jugendmeister.
Mit vier Medaillen und einem fünften Platz schnitten die Greizer Ringer sehr gut ab. Leider war es wieder einmal bei dem vom Ringerverband Sachsen verwendeten Wettkampfprogramm nicht möglich eine Vereinswertung anzugeben.
Bericht: Erhard Schmelzer