RSV Rotation Greiz – KB Baienfurt/Ravensburg 14:11
Mit Spannung wurde in Greiz der Heimauftakt der Ringerbundesliga erwartet. Nach dem eindeutigen Sieg in der Vorwoche in Urloffen waren die Erwartungen hoch. Und diese wurden voll und ganz erfüllt. Dass Greiz es geschafft hat zu den zu den Ringkampfhochburgen in Deutschland zu gehören bezeugen die 876 Zuschauer, die nicht nur aus der näheren Umgebung angereist waren. Der Bundesligasaisonrekord wurde dabei auf ein Niveau gehoben, von dem viele Schatzmeister der Liga nur träumen. Und die Besucher haben ihr Kommen nicht bereut. Zehn hochklassige dramatische Kämpfe, die vom württembergischen Kampfrichter Lars Günthner (SV Germania Weingarten) geleitet wurden, boten Spannung und oft auch Dramatik. In fast jedem Kampf ging es bis zur letzten Sekunde um Punkte, die den Gesamtverlauf des Abends entscheiden konnten. Nur zwei der zehn Kämpfe waren vor dem Ablauf der regulären Kampfzeit entschieden, davon einer leider durch eine Verletzung. Nach den vom Deutschen Ringer-Bund eingeführten – von vielen Seiten stark kritisierten – Regularien zum Einsatz von Sportlern, die bisher für eine gewisse Nivellierung des Leistungsniveaus sorgten, ist ein Leistungsanstieg durch den Einsatz hochdekorierter internationaler Spitzenringer zu erkennen. Ob die Masse der Vereine damit zurechtkommt, wird sich im Laufe der Saison zeigen.
Für Greiz war es jedenfalls ein Heimauftakt nach Maß. Am Anfang stand allerdings ein riesiges Zeitproblem. Nachdem der Spitzenkampf der zweiten Mannschaft, die allerdings gegen Spitzenreiter Lugau unterlag, erst 19:05 Uhr endete, kam der Zeitplan der Eröffnung gehörig durcheinander. Hallensprecher Dirk Jung und die Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft waren gezwungen ihre Statements notgedrungen zu kürzen. Auch die Siegerehrungen der Greizer Ringer, von den Jugendlichen über die Leistungssportler bis hin zu den älteren Aktiven, mussten im Schnelldurchlauf geehrt werden um nicht gegen die Regeln des Ringerverbandes zu verstoßen. Da blieb kaum noch Platz für den Auftritt der bekannten Greizer Tanzklasse der Musikschule Stavenhagen tanz(un)art.
Karamjeet Holstein (61 kg/f) hatte mit dem Armenier Norik Harutyunyan einen Medaillengewinner der U23-Europameisterschaften als Gegner und löste diese Aufgabe sehr konzentriert. Der Medizinstudent kam gerade von einem Trainingslager des sächsischen Verbandes aus Polen zurück, hatte aber von seiner Spritzigkeit nichts eingebüßt. Schon nach 50 Sekunden kam der Gästeringer mit einem Beinangriff zur 2:0 Führung. 3:0 hieß er zur Pause nach einer Zeitstrafe wegen passiver Kampfesweise des Greizers. Zwar gab Karamjeet Holstein in der 2.Runde noch zweimal zwei Punkte ab, gestaltete das Kampfgeschehen aber völlig offen, entzog sich immer wieder den Beinangriffen seines Kontrahenten und griff selbst an. Als beim Stande von 0:7 sogar die Gefahr des Verlustes des dritten Mannschaftspunktes bestand, verkürzte er zu Beginn der vierten Minute auf 1:7 und dominierte die restliche Zeit, so dass der Kampfrichter gegen den Armenier sogar noch eine Passivitätsermahnung aussprach. Ein sehr guter Saisonbeginn von Karamjeet Holstein. (Mannschaftsstand 0:2)
Bei den schweren Jungs geht es notgedrungen etwas langsamer zu. Der mehrmalige Medaillengewinner bei deutschen Meisterschaften Ilja Klasner (130 kg/g), der bei einem Stuttgarter Verein mit dem Ringen begann, stellte sich erstmals dem Greizer Publikum vor. Sein fast gleichschwerer und gleichalter Kontrahent Jan Zirn, ein Eigengewächs des Baienfurter Vereins, kann in seiner Vida sogar eine WM-Medaille aufweisen. Seine zahlreichen Erfolge liegen allerdings bei dem 29-Jährigen schon etwas weiter zurück. Dementsprechend dominierte der Greizer die gesamten sechs Minuten, schaffte aber keine technische Wertung, obwohl er es immer wieder mit Rum- und Runterreißern versuchte. Auch im angeordneten Bodenkampf nach Verwarnungen klappe es zweimal nicht. Aber auch Jan Zirn konnte seine Chance am Boden nicht nutzen. Endstand 2:0. (1:2)
Gespannt war man auf den ersten Auftritt von Murad Mammadov (66 kg/g) gegen den Georgier Rashad Orujevi. Der 31-jährige Olympiateilnehmer aus Aserbaidschan war Europameister und Vizeweltmeister. Sein Ausheber in der zweiten Minute, mit dem er 5:0 in Führung ging, aus der Bodenlage war absolute Spitzenklasse. Der Kampf stand auf sehr hohem Niveau, an dem auch der Georgier, der am Ende etwas aufkam, seinen Anteil hatte. Endstand: 5:2 (3:2)
Ein Jahr mussten die Greizer Anhänger auf Grund einer Verletzung auf den Einsatz ihres Lieblings Lucas Kahnt (98 kg/f) warten. Nun war er wieder im Einsatz, allerdings in einer Gewichtsklasse höher. Sein Widersacher war der moldawische ehemalige U23-Europameister Radu Lefter, dem in diesem Jahr Platz fünf bei der EM gelang. Für den Greizer wurde es der erwartet schwere Kampf gegen einen 12 Kilogramm schwereren Spitzenringer. Bereits in der ersten Kampfminute zog er sich noch eine Platzwunde am Kopf zu. Zur Halbzeit führte der Moldawier 3:0. Der nie erlahmende Kampfgeist von Lucas Kahnt wurde wieder einmal für jeden Zuschauer sichtbar, trotzdem schraubte der Baienfurter sein Punktekonto langsam nach oben. Dann kam leider auch noch Pech hinzu: Eine Sekunde vor Schluss gelang dem Gästeringer beim 8:0 der dritte Mannschaftspunkt. (3:5)
Moritz Langer (71 kg/f) machte sich gegen den U 20-Vizemeister des Vorjahres William Lehn auf die Aufholjagd. Der Sportstudent ging in den Angriffsmodus, sein Gegner war topfit und wehrte sich geschickt. Der Kampf verlief fast wie der davor, allerdings mit anderen Vorzeichen. Zur Halbzeit führte der Greizer 3:0 und marschierte weiter nach vorn. Dabei wurde er aber nicht gerade vom Glück begünstigt. Bei einem Beinangriff stand er kurz vor dem doppelten Punktgewinn, Lehn drehte sich aber so weg, dass die Gefahr einer Knieverletzung bestand. Der Kampfrichter pfiff den Kampf ab. Am Ende wieder Duplizität der Ereignisse: Vier Sekunden vor Schluss gelang Moritz Langer beim 8:0 Sieg der ersehnte dritte Mannschaftspunkt. Greiz führte zur Halbzeit 6:5.
Auch der Aserbaidschaner Tuncay Vazirzade (86 kg/g) kämpfte das erste Mal in Greiz. Der Kampf gegen den untersetzten Moldawier Daniel Cataraga begann mit einem Paukenschlag: Beiden gelangen spektakuläre Viererwertungen. Der Kampf stand auf einem sehr hohen Niveau, beide schenkten sich nichts. Am Ende hatte der Greizer etwas mehr im Tank und ging 8:4 in Führung. Noch einmal setzte sein Gegner alles auf eine Karte und startete 25 Sekunden vor Schluss einen verheißungsvollen Angriff, doch mehr als ein Punktgewinn in letzter Sekunde gelang nicht. Endstand: 8:5 (8:5)
Wieder eine spektakuläre Anfangsaktion zwischen Cengiz Arslan (75 kg/g) und dem Moldawier Valeriu Toderian. Nach 20 Sekunden führte der Greizer 4:2. So stand es auch zur Halbzeit. In der zweiten Runde kam der Moldawier auf, nach einer angeordneten Bodenlage gelang dem Baienfurter in der vierten Minute eine Viererwertung zum 4:7. Der Greizer gab sein Bestes, erhielt aber an diesem Tag keine Chance sein Können im Bodenkampf zu beweisen. (8:7)
Auch der Türke Ramazan Sari (80 kg/f) stand das erstmals in Greiz auf der Matte. Es wurde ein sehr ausgeglichener Vergleich gegen Markus Käppeler, bei dem sich der Greizer zwar meist im Vorwärtsgang befand, der routinierte Gästeringer, ein erfahrener Taktiker, aber immer wieder gefährlich blieb. Am Ende standen für Ramazan Sari, der im Vorjahr für Essen kämpfte, vier hart erkämpfte Punkte auf der Ergebnisliste, von denen zwei auf Zeitstrafen beruhten. (10:7)
Wenn ein bekannter Ringer zur neuen Saison zurückkehrt, kommt immer die Frage auf: In welcher Form ist er? Nikolay Grahmez konnte diese Frage zur Zufriedenheit aller positiv beantworten. Er dominierte den Kampf gegen den Berliner Fernando Mahmoud um so mehr je länger der Kampf dauerte. Beim Stande von 9:0 wäre dem nie aufsteckendem Gästeringer fast ein Beinangriff gelungen, doch Nikolay Grahmez gelang ein spektakulärer Konter, der für Klarheit sorgte. Nach weiteren Angriffen stand eine Minute vor Schluss der technische Überlegenheitssieg von 16:0 für den Greizer fest. Es war der erste Kampf der vorzeitig endete. (14:7)
Leider blieb es nicht der einzige. Der von Markneukirchen nach Greiz gewechselte Serdar Durmus (80 kg/g) startete gegen Nick Allgaier spektakulär. Nach 17 Sekunden führte er 4:2. Nach 26 Sekunden stand es schon 6:4. Doch beim Konter des 26-jährigen Gegners verletzte sich der Greizer am Fuß ohne Verschulden seines Widersachers und musste leider den Kampf aufgeben. Der RSV Rotation Greiz gewann so den ersten Heimkampf der Saison 14:11.
Die zahlreichen Zuschauer konnten sich von der Ausgeglichenheit der Mannschaften in der höchsten deutschen Leistungsklasse überzeugen. Trainer Tino Hempel zog nach dem zweiten Saisonkampf ein positives Fazit: „Uns ist mit zwei Erfolgen ein hervorragender Einstand gelungen. Wir haben eine sehr ausgeglichene Mannschaft mit vielen erfahrenen Sportlern. Aber noch stehen viele Kämpfe aus. Da wird es noch heiß hergehen. Schon diesmal musste die Mannschaft kurzfristig umgestellt werden. Nächste Woche müssen wir nach Heusweiler im Saarland. Am 26. September kommt dann das Spitzenteam aus Schorndorf zu uns,“
Erhard Schmelzer
Einzelergebnisse:
| Stilart | Gewicht | Ist | Name | Ist | Name | Punkte | Wertung | Zeit |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Freistil | 61 | Karamjeet Holstein | Norik Harutyunyan | 1:7 | PS0:2 | 6:00 | ||
| Gr.-Röm. | 66 | Murad Mammadov | Rashad Orujevi | 5:2 | PS2:0 | 6:00 | ||
| Freistil | 71 | Moritz Langer | William Lehn | 8:0 | PS3:0 | 6:00 | ||
| Gr.-Röm. | 75A | Cengiz Arslan | Valeriu Toderean | 4:7 | PS0:2 | 6:00 | ||
| Freistil | 75B | Nicolay Grahmez | Fernando Mahmoud | 16:0 | TÜ4:0 | 4:54 | ||
| Gr.-Röm. | 80A | Serdar Durmus | Nick Allgaier | 6:6 | AS0:4 | 0:35 | ||
| Freistil | 80B | Ramazan Sari | Marcel Käppeler | 4:0 | PS2:0 | 6:00 | ||
| Gr.-Röm. | 86 | Tuncay Vazirzade | Daniel Cataraga | 8:5 | PS2:0 | 6:00 | ||
| Freistil | 98 | Lucas Kahnt | Radu Lefter | 0:8 | PS0:3 | 6:00 | ||
| Gr.-Röm. | 130 | Ilja Klasner | Jan Zirn | 2:0 | PS1:0 | 6:00 |







































































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