ASV Urloffen vs. RSV Rotation Greiz 6:17
Der Saisonauftakt in der Bundesliga der Ringer 2026/27 ist Geschichte. Für die Greizer hätte es nicht besser laufen können. Im südbadischen Urloffen gelang ein überraschend klarer Erfolg bei einem Team, das sich berechtigte Aussichten macht, die Endrunde zu erreichen. Trainer Tino Hempel war hocherfreut: „Mit diesem Erfolg hat Greiz ein Zeichen gesetzt. ‚Mann des Tages‘ war Lucas Kahnt, der mit seinem unnachahmlichen Kampfgeist Sekunden vor Schluss noch den dritten Mannschaftspunkt geholt hat. Mit diesem Team könnte das eine hervorragende Saison werden. Zum Heimauftakt nächste Woche werden die Zuschauer strömen.“
Die Greizer zeigten eine starke Mannschaftsleistung. Ihnen gelangen sechs Einzelerfolge und drei Niederlagen waren so knapp, dass die Sieger nur jeweils einen Punkt erkämpften. Man muss nicht viel Phantasie haben um zum Schluss zu kommen: Greiz hat in der Saison 2026 die stärkste Mannschaft aller Zeiten, da werden noch einige Siege möglich sein.
Die Kämpfe im Einzelnen:
Razvan Kovacs (61 kg/f) traf in einem offensiven Freistilkampf mit zahlreichen Beinangriffen auf Daniel Kiefer, der vor drei Jahren Dritter der Junioren-EM war und eingangs 4:2 führte. Der Greizer drehte den Kampf, wurde aber auf dem Weg zum dritten Mannschaftspunkt gekontert und siegte am Ende 12:6 (Mannschaftsstand aus Greizer Sicht: 2:0)
Erstmals kämpfte Ilja Klasner (130 kg/g) im Greizer Trikot. Auch sein Gegner, der Aserbaidschaner Arif Niftullayev, immerhin auch schon einmal WM-Dritter, kämpfte erstmals in der Bundesliga. Der Greizer Neuzugang erhielt in beiden Runden jeweils wegen Passivität Verwarnungen. Sein Gegner traute sich wohl keine zählerbringende Aktion am Boden zu und entschied sich überraschend für das Weiterkämpfen im Stand. Eine technische Wertung gelang beiden nicht. Endergebnis 0:2. Ein guter Einstand für Ilja Klasner. (Mannschaftsstand: 2:1)
Zwei Aserbaidschaner trafen im nächsten Kampf aufeinander. Der Greizer Neuzugang Murad Mammadov (66 kg/g) traf auf den in der Vorsaison ungeschlagenen Sakit Guliyev. Der Hallensprecher kündigten den Vergleich als Kampf der Nummer Eins gegen die Nummer Zwei des erdölreichen kleinen Landes an, in dem der Volkssport Ringkampf großzügig unterstütz wird. Der Kampf hielt dann auch, was er versprochen hatte. Am Ende ging der Siegpunkt an die Gastgeber nachdem dessen Vertreter in der ersten Runde im Bodenkampf eine attraktive Viererwertung gelang. Der Greizer kam im zweiten Abschnitt auf. Im Bodenkampf gelangen ihm aber nur zwei Zähler. Endstand 5:3 für den Urloffener. (2:2)
In der zweitschwersten Gewichtsklasse setzte der Greizer Trainer Lucas Kahnt (98 kg/f) ein. Der zweifache deutsche Meister konnte auf Grund einer Verletzung im Vorjahr keinen einzigen Kampf bestreiten. Nach einem kürzlich in Japan bestrittenen Trainingslager belegte er in der Vorwoche bei einem stark besetzten internationalen Turnier in Polen Platz drei. Die erste Wertung ging zwar an Andrej Schwarzkopf, doch je länger der Kampf dauerte, desto mehr nahm der Greizer das Heft des Handelns in die Hand. Eine halbe Minute vor Schluss war gegen den abbauenden Gegner der zweite Mannschaftspunkt sicher. Als in den letzten zehn Sekunden der in Urloffen Aufgewachsene noch einmal zu Boden gebracht und gerollt wurde, war beim 10:1 Sieg der dritte Mannschaftspunkt für Greiz gesichert (5:2)
Moritz Langer (71 kg/f) und der U20 Meister von 2025 Justin Federer lieferten sich einen Kampf auf Augenhöhe. Der Greizer punktete mit Beinangriffen, sein Gegner kam durch Konter aber immer wieder in Reichweite. So blieb der letzte Kampf vor der Pause bis zum Schluss spannend. Kurz vor Schluss sicherte sich der Sportstudent in Leipzig den 9:6 Sieg. (7:2)
Bei den Gastgebern hatten die Greizer den Neuzugang Vizemeister Vincent Scherer erwartet. Für Greiz kämpfte erstmals der Aserbaidschaner Tunjay Vazirzade (86 kg/g). Gegen Raphael Langenecker galt er als klarer Favorit, geriet aber nach einer Minute nach einem missglückten Angriff 0:2 in Rückstand. Danach ging aber die aserbaidschanische Post ab, der Greizer sammelte Punkt auf Punkt und hatte bereits kurz nach der Pause den zum Abbruch nötigen Vorsprung von 18:2 herausgearbeitet. (11:2)
Cengiz Arslan (75 kg/g) traf auf den Georgier Mika Korshia. Es entwickelte sich ein völlig ausgeglichener Kampf bei dem sich die Gegner fast vollständig neutralisierten. Technische Wertungen fielen nicht. Der sehr aufmerksame saarländische Kampfrichter Georg Goczol schickte den Greizer in jeder Runde einmal in den Bodenkampf, auch da gab es keinen Zähler. 20 Sekunden vor Schluss dann doch plötzlich die Chance zum Sieg für den Greizer, als der Georgier auch in die Bodenposition musste. Aber auch diese blieb ungenutzt. 2:0 Sieg für die Gastgeber. (11:3)
Maximilian Kahnt (80 kg/f) traf auf den 25-jährigen mehrfachen Nachwuchsmeister Joshua Knosp. Der Greizer hatte in der Vorwoche seine Diplomarbeit an de TU Dresden verteidigt und bereits seine erste Arbeitswoche in einem dortigen Ingenieurbüro hinter sich. „Durch den Stress in den letzten Wochen hatte ich schon ein paar Kilo verloren, so war die Ausgangsbasis um die 80 kg-Klasse zu erreichen etwas günstiger“, kommentierte er mit einem Augenzwinkern. Auf der Matte musste er allerdings den Urloffener das Heft des Handelns überlassen. Am Ende hatte dieser 8 Punkte gesammelt. (6:11)
Nicolay Grahmez (75 kg/f) musste sich mit dem erfahrenen 33-jährigen Stefan Käppeler auseinandersetzen, der Deutschland auch schon bei kontinentalen Titelkämpfen vertrat. Der sehr konzentriert ringende Greizer führte bereits zur Pause 6:0, brachte seinen Gegner mehrmals zu Boden und siegte am Ende eindeutig mit 11:0. (6:11)
Als der Mannschaftskampf schon entschieden war, feierte der Moldawier Alexandru Solovei (80 kg/g) sein Debüt für Greiz. Sein Gegner Domenik Chelo war gegen den WM-Dritten des Vorjahres klar unterlegen. Mit einem Schulterschwung beginnend und begünstig durch zwei angeordnete Bodenlagen, siegte der Greizer mit 12:0 Punkten.
Damit stand der Greizer 17:6 Erfolg fest.
Der erste Auswärtskampf der Saison wurde von den zirka 30 mitgereisten Fans gebührend gefeiert. Der erste Härtetest der Saison ist bestanden. Die Gastgeber, die sich von der Aufstellung der Greizer überrascht zeigten, waren enttäuscht. Trainer Michael Schneider konstatierte: „Uns fehlten nicht nur der georgische Spitzenringer Anri Putkaridze und Vincent Scherer, mehrere unserer Leistungsträger kamen gerade aus Verletzungen zurück und konnten noch nicht in Spitzenform sein. Immerhin haben wir fünf Aktive eingesetzt, die das Ringen in unserem Verein gelernt haben.“
Bereits am nächsten Wochenende geht es in Greiz mit dem Kampf gegen die KG Baienfurt-Ravensburg weiter. Die Württemberger sind sehr stark und haben zu Hause die Saarländer aus Hüttigweiler 22:5 überfahren. Ein spannender Kampf steht bevor.
Der Rekordbesuch in der Bundesliga wurde mit 500 Besuchern beim Spitzenkampf Weingarten gegen Hösbach (13:5) festgestellt. Dieser Bestwert dürfte nicht lange bestehen bleiben.
Zeitiges Kommen sichert nicht nur gute Plätze in der Ringerhalle sondern auch wettkampfhallennahe Parkplätze.
Bereits um 17:30 Uhr trifft die zweite Mannschaft auf die wohl stärkste Mannschaft der Staffel, den Ringerverein Ehrenkranz Lugau.
Erhard Schmelzer

