Die offen ausgetragene Oberfränkische Meisterschaft gehört zu den größten Ringerturnieren in Deutschland. In Neustadt bei Coburg kämpften sage und schreibe 538 Sportlerinnen und Sportler von der Altersklasse U 8 bis zu den Männern in zwei Stilarten um die Medaillen.
Vor den Trainern steht dann immer das Problem, wen kann man zu so einem gewaltigen Wettkampf starten lassen? In Greiz ist diese Frage besonders akut, da sich zum Beispiel in der Altersklasse U 14 einige Sportler befinden, die noch nicht lange dabei sind und die voraussichtlich auf Gegner treffen werden, die schon Jahre lang im Geschäft sind. Die verantwortlichen Trainer gingen da etwas ins Risiko und starteten auch mit Sportlern, die gerade mal auf Erfahrungen von nur einigen Wettkämpfen zurückgreifen konnten. Schwimmen lernt man nur im Wasser und Ringen – in Verbindung mit bewusstem Training – nur bei Wettkämpfen.
Und das Risiko zahlte sich aus. Die meisten Altersklassen konnten in beiden Stilarten starten. Bei der U 14 starteten fünf Sportler während sich zeitgleich ihr Vereinskamerad Noe Göpfert bei der deutschen Meisterschaft für den sonntäglichen Finalkampf qualifizierte, bei dem er deutscher Meister werden konnte.
Mit fünf Medaillen schnitt die Greizer Delegation bei neun Startern hervorragend ab. Dazu kamen noch drei vierte Plätze, zwei fünfte und ein sechster.
Der RSV Rotation Greiz belegte mit dieser unerfahrenen Truppe unter 57 Vereinen Rang 13, was als riesiger Erfolg zu werten ist. Im ungewohnten griechisch-römischen Stil wurde sogar der 10. Platz belegt.
Mit strahlenden Gesichtern traten die U 14 Sportler die Heimreise an, sie hatten sechs Medaillen erkämpft. Den stärksten Eindruck hinterließ Amsad Mezhidov (57 kg) mit Silber (im Freistil) und Bronze.
Godwin Sedlbauer (35 kg) steigerte sich von Kampf zu Kampf, nutzte die etwas schwächer besetzte Gewichtsklasse und holte Gold (im griechisch-römischen Stil) und Silber.
Jonas Schürer (52 kg) hätte wohl auch nicht damit gerechnet mit Siegen über Gegner aus Erfurt und Hannover ins Greco-Finale einzuziehen. Dort verlor er zwar, aber die Silbermedaille nahm er stolz entgegen. Im Freistil wurde er Fünfter.
Auch Emmett Barth (68 kg) erkämpfte im griechisch-römischen Stil Silber, im Freistil wurde er Siebter.
Hier kam der sehr veranlagte Karl Sedlbauer im Achterfeld auf Rang vier, der im Kampf um Bronze mit einem Griff überrascht wurde, von dem er noch nie etwas gehört oder gesehen hatte.
Auch Seyfulla Galamatov (U12/35kg) musste sich bei sieben Mitbewerbern mit Platz vier zufriedengeben. Nach guten Angriffen im Standkampf überrascht er seine Trainer immer wieder mit ungewöhnlichen Aktionen am Boden, die den Gegnern den Sieg bringen.
Auch Halid Abdrakhmanov bei der U10 als Leichtester in der 29 kg-Klasse traf Ähnliches zu. Er deutete seine Begabung an, konnte sich aber noch nicht im Vorderfeld platzieren.
Alle jungen Ringer der RSV besitzen die Voraussetzungen in relativ kurzer Zeit zu den erfolgreichsten Sportlern Ostdeutschlands zu gehören. Voraussetzung ist allerdings mehrmals in der Woche regelmäßiges Training und die dazugehörige aktive Mitarbeit. Als Schwerpunktproblem erweist sich dabei allerdings auch der Transport der Schüler von und zur Sporthalle, der die Eltern oftmals vor zeitliche Probleme stellt.
Die Männer kämpften nur im griechisch-römischen Stil. Der gerade der U17 entwachsene Quereinsteiger Antony Bergner (87 kg) gelangte bei seinem zweiten Männerturnier auf Rang fünf.
Maximilian Böttger (82 kg) bezwang zwar den späteren Zweiten, baute dann aber etwas ab und landete auf Rang sechs.
Erwähnt werden sollte noch die sehr sportliche Atmosphäre im Greizer Team und die gegenseitige Hilfe bei einem sehr langen Wettkampf in einer völlig überfüllten Sporthalle mit ungenügender Wettkampfanzeige. Anders als in Thüringen und Sachsen brachten es die Veranstalter aber fertig schon 30 Minuten nach Wiegeschluss mit dem Einmarsch und dann sofort mit dem Wettkampfbetrieb zu beginnen.
Die Wettkampfleitung unter Alexander Badewitz hatte alles im Griff, die Kampfrichter zeigten die Größe Fehlentscheidungen zu revidieren.
Nachdem es bei der Thüringer Meisterschaft in Greiz, der mitteldeutschen Meisterschaft in Werdau und allerdings in abgeschwächter Form beim Horst-Hinze Turnier in Werdau zu gewissen Fehlverhalten von Sportlern mit Migrationshintergrund in Stress- Situationen kam, sieht sich der Verein gezwungen solche Vorfälle härter zu sanktionieren.
Bericht: Erhard Schmelzer
Foto: Maximilian Böttger

