Heißumkämpfter Saisonauftakt in neuer Halle

2.Bundesliga Nord: RSV Rotation Greiz gegen AC 1897 Werdau
98kg Freistil: Sebastian Jezierzanski (rotes Trikot), RSV Rotation Greiz gegen Vojtech Kukla, AC 1897 Werdau - 4:0/DQ/8:0/05:34

RSV Rotation Greiz – AC 1897 Werdau: 12:15

GREIZ. Die Spannung war kaum noch zu überbieten. Wie würde der Bundesligastart der Greizer Ringer in der neuen Zweifelderhalle gegen die starken Werdauer gelingen? Am Ende wurden die kühnsten Erwartungen übertroffen: Eine imponierende Zuschauerkulisse, die es seit den Zeiten der 1.Bundesliga nicht mehr gab, zwei aufopfernd und fair kämpfende, gleichwertige Teams, wohltuend faire Fangruppen, ein regelkundiger Schiedsrichter, Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Sport, darunter die fast vollständige Ringermannschft, die 1969 den Aufstieg in die zweite Liga knapp verpasste, sowie ein Fernsehteam des MDR waren in der Halle. Am Ende fehlte nur eins: die Siegpunkte. Diese gingen an die Gäste aus Westsachsen, die nach teilweise dramatischen Kämpfen mit 15:12 siegten.
Die Werdauer brachten ihre Mannschaft so stark besetzt wie erwartet auf die Matte.

Zum Auftakt traf Vladimir Codreanu (57 kg/frei) auf den Dritten der deutschen Juniorenmeisterschaften, Alexander Röll, der in Luckenwalde trainiert. Schon nach 30 Sekunden tobte die Halle, als der Moldawier sich nicht nur 4 Punkte durch einen Achselwurf sicherte, sondern fast noch zum Schultersieg gekommen wäre. Auch der Werdauer griff beherzt an, rannte aber immer wieder gegen eine Wand; jeder Angriff wurde von Codreanu durch Konter in Punkte umgewandelt. Zur Krönung ein fast spielerisch aussehender Schultersieg im Bodenkampf nach 2:21 Minuten. (Gesamtstand aus Greizer Sicht: 4:0) Die Gäste hatten ihren bulgarischen Meister an Deck, da die Nationaltrainer dessen Konkurrenten Lubomir Dimitrov für die WM nominierten.

Der Bulgare erreicht beinahe das oberste Gewichtslimit, könnte zwar kaum mit Erfolg beim Bodybuilding auftreten, ist aber eine imposante Erscheinung. Der fast 35 kg leichtere Boris Eisenstein (130 kg/greco) brachte aber eine Superleistung. Tapfer kämpfend entzog er sich immer wieder den Angriffen des Gegners, ohne dabei in größere Passivität abzugleiten. Er hatte zwar selbst keine Punktchance, ließ aber selbst wenig zu. Clever sein blitzschnelles Aufstehen aus dem Bodenkampf. Ganze vier Punkte gab der Greizer ab. (4:2)

Florian Crusius (61 kg/greco) hatte einen ganz starken Gegner erwischt. Die Werdauer ersetzten den im Vorjahr startenden Ion Lefter durch den moldawischen Juniorenmeister Alexander Buciu. Der Greizer kämpfte beherzt, lag aber eine Minute vor Schluss schon 0:8 zurück, als er in eine Schleuder lief und auf Schultern unterlag. (4:6)

Viel hatte man sich vom Auftritt des polnischen Meisters Sebastian Jezierzanski (98 kg/frei) erwartet.
Es hätte ein sehenswerter Kampf werden können. Topfit von der WM-Vorbereitung kommend traf er auf den 10 kg schwereren Tschechen Vojtech Kukla, der sein Heil einzig und allein in der Verteidigung suchte. Das Wettkampfprotokoll zeigte nur Punkte für den Greizer und Verwarnungen für seinen Gegner. Der unauffällig und gut leitende Schiedsrichter Marco Scalisi, aus Südbaden stammend und nun für Preußen Berlin aktiv, disqualifizierte den Tschechen eine halbe Minute vor Schluss. (8:6)

Nach sechsjähriger Pause stand der Moldawier Vladimir Gotisan (66 kg/frei) wieder im Greizer Team. William Stier, Fünfter der deutschen Meisterschaft, im Vorjahr zweimal gegen Radoslaw Kisiel erfolgreich, stand auf verlorenen Posten. Nach 42 Sekunden erwischte der Greizer seinen Widersacher am Kopf und erkämpfte die ersten beiden Punkte. Dann dauerte es nur noch 30 Sekunden, bis der durch Rollen am Boden erkämpfte 16:0 Überlegenheitssieg feststand. (12:6)

In den zwei ersten Kämpfen nach der Pause sollte sich, was noch niemand wusste, der Kampf entscheiden. Beide Greizer Kämpfer führten, gaben aber jeweils 30 Sekunden vor Schluss den Sieg noch aus der Hand. Thomas Leffler (86 kg/greco), der im Bodenkampf diesmal nicht punkten konnte, führte gegen den aus Thalheim stammenden Dritten der Juniorenmeisterschaften Chris Schneider 1:0 und unterlag noch 1:2. (12:7)

Brian Tewes (66 kg/greco) geriet gegen den Vizemeister der Junioren des Vorjahres, Niklas Ohff gleich 0:4 in Rückstand, kämpfte sich auf 4:4 heran, ging selbst 6:4 in Führung, um am Ende noch mit 6:7 zu verlieren. (12:8) Für Artem Grinko (86 kg/frei) war es der letzte Kampf des Saison.

Er muss sich am Mittwoch einer Operation unterziehen. Unter diesen Voraussetzungen wurde gegen den DM-Dritten aus Luckenwalde Franko Büttner sein Kampfziel keine vier Punkte abzugeben, vollständig erreicht. Allerdings brachte die auf Beinangriffe und anschließende Rollen basierende 0:8 Niederlage drei Punkte auf das Gästekonto. (12:11)

Nun wurde es ganz schwer für Daniel Sartakov (75 kg/frei), der auf Ismail Engin traf. Der unter professionellen Bedingungen trainierende Bulgare, Fünfter bei der U23-EM, punktete durch blitzschnell vorgetragene Beinangriffe. Und wieder ein Punktverlust kurz vor Schluss. Nach einer 30 Sekunden Zeitstrafe fiel nach 5:44 der achte, drei Siegpunkte einbringende Punkt für den Werdauer. (12:14)

Nun musste Toni Stade (75 kg/greco) gegen Felix Pflauger mit drei Punkten Differenz gewinnen, um seiner Mannschaft das Remis zu sichern. Wer schon einmal in dieser Situation war, weiß welche Last auf einem liegt, der einen Gegner bezwingen muss, der 0:2 verlieren kann. Der alle gegnerischen Angriffsversuche abwehrende Greizer gab auch im Bodenkampf keinen Punkt ab. Als sein Gegner zu Boden musste, kam die Chance zur Entscheidung. Doch der aus dem bayerischen Burgebrach stammende Dritte der Junioren-DM wehrte den Wurfversuch ab und ging selbst 1:0 In Führung. Der erste Bundesligakampf in der neuen Halle wurde gegen den AC 1897 Werdau mit 12:15 verloren.

Stimmen zum Kampf:
Tino Hempel (Trainer RSV):
„Wir haben sieben von zehn Kämpfen verloren. Da hat der Gegner den Sieg verdient. Trotzdem hatten wir Chancen zum Sieg, unsere Sportler konnten sie aber diesmal nicht nutzen.

Heiko Röll (Trainer im Bundesstützpunkt Luckenwalde, der vor dem Abflug zur WM in Las Vegas Station in Greiz Station, machte um seine Sportler zu beobachten): „Eine Superveranstaltung in einer erstligawürdigen Halle! Das Niveau der 2.Bundesliga ist enorm gestiegen. Beide Mannschaften hatten den Sieg verdient.“

Kirk Haupt (Trainer Werdau): „Nach dem Wiegen hoffte ich auf ein Remis. Mit fünf Siegen nach der Pause war nicht zu rechnen. Wir wollen dieses Jahr unsere in der letzten Saison eroberte Position sichern und uns in der Spitze etablieren.“

Erhard Schmelzer @07.09.2015

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