Aus der Historie des Greizer Ringersportvereins Rotation

Pia Büttner zu: 70 Jahre RSV Rotation Greiz/Mohlsdorf aus dem Jahr 2001

Geschichte in Bildern des RSV Rotation Greiz
Weltmeister Uwe Neupert

Pia Büttner zu: 70 Jahre RSV Rotation Greiz/Mohlsdorf aus dem Jahr 2001

GREIZ. Wenn am 25. August 2001 die neue Saison in der 1. Ringer-Bundesliga beginnt, wird es wieder über tausend Fans in die Greizer Kurt-Rödel-Turnhalle ziehen, wenn die Ringer des RSV Rotation Greiz/Mohlsdorf sich den Herausforderung der höchsten deutschen Ringerliga stellen. Und es wird wieder häufig das Wort von der Ringerhochburg Greiz zu hören sein. Diesem Ruf machen die Greizer und ihre Kämpfer vor allem in den letzten Jahren wieder alle Ehre, auch wenn er schon vor Jahrzehnten begründet wurde und zwischenzeitlich eine Flaute zu verzeichnen war.

Anfänge der Kampfsportart

Doch die Faszination der wohl ältesten Kampfsportart, die bereits im Altertum weit verbreitet war, ist für viele ungebrochen. In China gab es bereits 3000 v. Chr. einen Tag des Ringens. Die ägyptischen Königsgräber von Beni Hasan verbargen Zeichnungen mit Darstellungen der Ringkampfkunst aus der Zeit zu Anfang des 2. Jahrtausends v. Chr. Das Ringen wurde in den einzelnen Kulturen in unterschiedlicher Form und nach verschiedenen Regeln ausgeübt, bei den ägyptern hauptsächlich als Standringkampf, fast unbekleidet mit Arm- und Beingriffen, Würfen und Schwüngen. Bei den Germanen hingegen wurde vollbekleidet und verbissen mit aller Härte gekämpft, in Babylon wurde der Gürtel in die Griffe beim Stand- und Bodenkampf einbezogen, auf Kreta wiederum waren alle Griffe erlaubt und in Japan war der Kampfsport der Joga-Lehre angepasst. In Griechenland wurde der Ringkampf seit dem 5. Jahrhundert v.Chr. nackt und als reiner Standkampf betrieben, bei dem zum Sieg ein dreimaliger Niederwurf erforderlich war. Alle Griffe, die dem Gegner Schmerzen oder Verletzungen zufügen konnten, waren verboten. Im Jahre 708 v. Chr. wurde das Ringen als fünfte Disziplin des klassischen griechischen Ringkampfes bei den Olympischen Spielen eingeführt.
In der Sklavenhaltergesellschaft gehörte es zur Erziehung der Söhne der herrschenden Klasse, aber auch zur Ausbildung der Gladiatoren. Im Mittelalter gehörte es gar zu den Sieben Behendigkeiten über die ein Ritter verfügen musste.

Um 1880 entwickelten sich in Europa moderne Ringkampfarten, das klassische Ringen in Italien und Frankreich, das Freistilringen in Anlehnung an die Antike in England. Das Ringen im griechisch-römischen, also klassischen Stil gehört seit 1896 zum olympischen Programm, seit Beginn der Wiederaufnahme der Olympischen Spiele in der Neuzeit durch Coubertin. Zwei Jahre später 1898- wurden die ersten Europameisterschaften ausgetragen und seit 1904 gibt es Weltmeisterschaften, in diesem Jahr wurde bei den Olympischen Spielen in St. Louis auch das Freistilringen ins olympische Programm aufgenommen. Bis 1924 gab es bei den einzelnen Kämpfen kein Zeitlimit, so dass einzelne Kämpfe bis zu 12 Stunden dauern konnten. In Stockholm wurde gar zur Olympiade 1912 das Finale im griechisch-römischen Halbschwergewicht nach neun Stunden abgebrochen und an beide Ringer Silber verliehen.

Die Anfänge des RSV

Die Geschichte des Ringkampfsportes in Greiz beginnt schon Ende des 19. Jahrhunderts. So ist am 10. September 1892 die Gründung des 1. Greizer Athleten-Club durch Bäckermeister Franz Golla, der sein Geschäft in der Unteren Silberstraße 2 hatte, verzeichnet. Bis 1931 gab es mehrere, teilweise parallel laufende Vereine wie beispielsweise den Arbeitersportverein in Aubachtal oder den Kraftsportverein, der in der Greizer Marienschule trainierte.
Auch national und international gab es Erfolge für Greizer Sportler zu verzeichnen. So errang Willi Neidhardt 1923 bei den Deutschen Meisterschaften im Federgewicht die erste Medaille für Greizer Ringer, fünf Jahre später belegte Hermann Hüttner vom Arbeiter-Athletenbund des Turnvereins Vater Jahn bei der 1. Weltspartakiade in Moskau im Ringen einen 3. Platz.
Am 15. Oktober 1931 wagten acht junge, etwa 20-jährige Ringer die Gründung einer eigenen Kraftsport-Abteilung Greiz. Es waren: Kurt Ditscherlein, Rudolf Gebhardt, Paul Neuparth, Ewald Roth, Erhard Roth, Siegfried Semper, Albert Schneider und Rudi Weiß, die sich voller Engagement der neuen Aufgabe stellten. Sie erkoren die Jahnturnhalle zu ihrer Trainings- und Kampfstätte und konnten schon bald erste Erfolge verzeichnen. Im laufe der Jahre war der neugegründete Ringerverein auch der einzige, der Bestand hatte, kontinuierlich arbeitete und große Erfolge verzeichnen konnte.
Bereits 1932 hatte sich Greiz den Ruf als Ringerhochburg erworben, schon damals Publikum wie ein Mann hinter Mannschaft, die von großem Siegeswillen geprägt und gefürchtet war.
Freundschaftskämpfe und Großveranstaltungen wurden organisiert, fanden u.a. in Hof, Königsberg, Bamberg, Nürnberg statt. Schließlich fiel in Berlin die Entscheidung zur Einstufung der Greizer Ringer in die Deutsche Extraklasse. Von diesem Zeitpunkt an war es möglich, auch internationale Veranstaltungen in Jahnturnhalle durchzuführen, wie beispielsweise das große internationales Ringerturnier Deutschland Finnland.
Dabei belegte der später überaus erfolgreiche Ringer Kurt Hoffmann im Mittelgewicht den 1. Platz, wurde dann auch Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft.
Legendär sind aus den Anfangsjahren auch einige Geschichten und Anekdoten von Greizer Ringern, beispielsweise als drei Ringer (P. Neuparth, R. Gebhardt und A. Schneider) zu Fuß und ohne einen Pfennig in der Tasche zur Deutschen Meisterschaft nach Dortmund aufbrachen, wo sie sich am 5. Tag bei der Festkommission meldeten. Natürlich wurde auch der Rückweg zu Fuß absolviert.
Am 12. April 1936 empfingen die Greizer die Mannschaft von Polizei-SB Nürnberg-Fürth, eine der berühmtesten Mannschaften dieser Zeit in der Jahnturnhalle. Den großen Wettkampf verfolgten bereits 800 Zuschauer, die trotz der 2 : 13 Niederlage der Greizer großartiger und begeisternder Ringkampfsport geboten wurde.
Im Januar 1937 war dann mit Leipzig-Schönefeld eine weitere starke Mannschaft in Greiz zu Gast. Erst 14 Tage vorher waren die Leipziger Bezirksmeister geworden und zählten zu den stärksten sächsischen Mannschaften. Die Greizer Ringer konnten in bravourösen, Kämpfen die Gäste mit 9 : 8 bezwingen, was in der vollbesetzten Halle totale Begeisterung auslöste. Zudem konnte die Nachwuchsmannschaft auch ihren starken Gegner KSV Falkenstein sicher mit 14 : 2 besiegen. Dies nur zwei Beispiele aus den ersten Jahren des Bestehens des Ringervereins.
Auf die Nachwuchsarbeit wurde im Verein von Beginn an großer Wert gelegt, was sich vor allem auch in den Erfolgen der Jugend sowohl in Einzelentscheidungen als auch Mannschaftskämpfen niederschlug.
Mit Ausbruch des Krieges war wie allerorts alles anders. Einige der besten Sportler wurden eingezogen, doch wurde seitens des Vereins nie aufgegeben, wenn auch teilweise nur noch die Jugendmannschaft rang.
Bei einem Bombenangriff 1944 auf Greiz, wurden die gesamten Protokollbücher der Kraftsport-Abteilung vernichtet, die in der Weberstraße 30 gelagert waren.

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